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Einwohner sollen Dorfentwicklungsplan für Hüde, Lembruch, Marl und Stemshorn gemeinsam erarbeiten

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Von: Melanie Russ

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Die denkmalgeschützte Marienkirche in Burlage soll Ort der Auftaktveranstaltung zur Erstellung des Dorfentwicklungsplans sein. Wann sie stattfinden kann, ist noch offen.
Die denkmalgeschützte Marienkirche in Burlage soll Ort der Auftaktveranstaltung zur Erstellung des Dorfentwicklungsplans sein. Wann sie stattfinden kann, ist noch offen. © Brauns-Bömermann

Lemförde – Zehn Monate ist es her, dass Hüde, Lembruch, Marl und Stemshorn in das Dorfentwicklungsprogramm des Landes aufgenommen wurden, das Fördermittel für Investitionen in die Infrastruktur und die Dorfgemeinschaft verspricht. Auch ein Planungsbüro ist mit der Ingenieurplanung Wallenhorst längst gefunden. Doch die Erstellung des Dorfentwicklungsplans, der für die Bewilligung von Fördermitteln erforderlich ist, lässt immer noch auf sich warten.

„Wir wollen loslegen, können aber nicht wegen Corona“, bedauert Rainer Grabis, der seitens der Verwaltung die Aufstellung des Dorfentwicklungsplans verantwortet. Zweimal schon – im Dezember und Anfang Januar – hatte er einen Anlauf zur einführenden Infoveranstaltung genommen. Zweimal musste er sie wegen der hohen Infektionszahlen wieder absagen. Zwar hat Grabis den 10. Februar als nächsten Termin ins Auge gefasst, realistischer sei aber ein Termin im März, spätestens April.

Die Infoveranstaltung online anzubieten, ist für Rainer Grabis keine Alternative. „Der Auftakt ist das Wichtigste. Der muss sitzen“, sagt er. Dabei wird erläutert, was Dorferneuerung eigentlich bedeutet, wer sich daran beteiligen kann, und warum die Einbeziehung der Bevölkerung so wichtig ist. Es soll aber auch schon einen ersten Austausch der Interessierten geben.

„Die Bürger sollen sich beteiligen. Ich muss die Leute begeistern mitzumachen. Das ist online nicht möglich“, argumentiert Grabis. Sich nur Vorträge anzuhören, funktioniere nicht. Wichtig seien auch die Gespräche am Rande einer solchen Veranstaltung. „Bei einer Online-Veranstaltung würden wir viele verlieren“, ist er überzeugt. Er habe sich dazu auch mit den anderen beteiligten Behörden ausgetauscht. „Die sehen das genauso.“

Ort der Veranstaltung soll die Kirche in Burlage sein. „Ich finde, das passt, weil die Kirche auch eine Begegnungsstätte ist“, erklärt Grabis. Ein Vertreter des Amts für regionale Landesentwicklung, das Planungsbüro und die Verwaltung werden dort über das Projekt informieren. Laut Grabis soll die Veranstaltung parallel per Live-Stream im Internet übertragen werden für diejenigen, die nicht dabei sein können, sich aber beteiligen wollen. Der Dorfentwicklungsplan wird zwar für die Gemeinden Hüde, Lembruch, Marl und Stemshorn erstellt, aber auch alle anderen Einwohner der Samtgemeinde können sich laut Grabis mit ihren Ideen gerne einbringen.

Ganz wichtig ist ihm nach eigener Aussage, dass viele „normale“ Einwohner aus allen Bereichen der Gesellschaft in den zu bildenden Arbeitsgruppen mitmachen. Frische Geister, die nicht in Institutionen eingebunden sind oder in einem Gemeinderat sitzen. Natürlich sollen sich auch die älteren Einwohner beteiligen. „Ich brauche aber auch dringend Frauen und die junge Generation“, betont Grabis.

Als Beispiele für Themen, mit denen sich die Bürger auseinandersetzen werden, nennt er mobiles Leben, Digitalisierung, Klimaschutz, Tourismus und die Frage, wie die Gemeinden für junge Familien noch attraktiver werden können. Dazu sollen vier Arbeitsgruppen entstehen, die zunächst jede für sich arbeiten. Und es soll Dorfmoderatoren geben, die die Arbeit koordinieren. „Obendrauf“ kommt eine Planungsgruppe, die sich alle drei bis vier Monate dazu austauscht, wie es in den Gemeinden vorangeht und bei welchen Themen es eventuell Überschneidungen und eine Möglichkeit der Zusammenarbeit gibt.

Während der offizielle Auftakt noch aussteht, sind Verwaltung und Planungsbüro schon tätig geworden. Laut Grabis werden etwa im Bereich Landwirtschaft Daten dazu erhoben, wie viele Landwirte es in den Gemeinden gibt, welche Höfe langfristig fortgeführt werden sollen, wo eine Aufgabe ansteht und welche Sorgen und Nöte die Landwirte haben.

Die Erstellung des Dorfentwicklungsplans wird etwa ein Jahr dauern. Weil er eigentlich bis Anfang 2023 fertig sein müsste, ist so langsam etwas Eile geboten. Außerdem stehen die ersten Einwohner mit konkreten Ideen bereits in den Startlöchern und warten auf den Startschuss. „Die Leute kommen schon auf mich zu und fragen, wann es losgeht. Die Ideen sind da und die Bereitschaft ist da“, sagt Grabis.

Für Torschlusspanik sieht er aber keinen Grund. „Ich glaube schon, dass wir eine Karenzzeit bekommen“, sagt er vor dem Hintergrund der hohen Infektionszahlen, die ein Hinauszögern der Planung rechtfertigen. Aber bis Mitte 2023 müsse man sicherlich schon fertig sein. Anschließend wird der Plan vom Amt für regionale Landesentwicklung geprüft. Die ersten Projekte können nach Grabis Einschätzung Ende 2023, Anfang 2024 umgesetzt werden.

Dorfentwicklungsprogramm

Aufgabe der Dorfentwicklung ist es, die ländlichen Siedlungen in ihrer charakteristischen Vielfalt zu erhalten, neuen Anforderungen anzupassen und in die Landschaft einzubinden. In den Dörfern des Dorfentwicklungsprogramms werden Planungen, Umsetzungsbegleitung und Maßnahmen bezuschusst, die umfangreiche private und öffentliche Entwicklungsvorhaben initiieren. Darüber hinaus werden viele Vorhaben angestoßen und auf den Weg gebracht, die auf der eher ideellen Ebene einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung des Lebens auf dem Land leisten. Beteiligung und Einbindung der Betroffenen in den Planungsprozess bewirken ein hohes Maß an Identifikation und Nachhaltigkeit. Engagierte Planer und Verwaltung sowie eine motivierte Dorfbevölkerung sorgen so regelmäßig für eine erfolgreiche Umsetzung von Ideen und Initiativen.

Gemeinsam mit den vier Dümmergemeinden wurden insgesamt 20 Regionen neu in das Förderprogramm aufgenommen. 37 Anträge waren eingegangen. Damit befinden sich 245 Dorfentwicklungsverfahren mit insgesamt 842 Dörfern im Landesprogramm. Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Von Melanie Russ

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