Viele Stimmen vereinen sich

Fado-Musik mit Maria de Fátima und ihren Musikern begeistert Zuhörer

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Maria de Fátima gastierte mit ihren drei Musikern im Lemförder Rittersaal.

Lemförde - Von Christa Bechtel. Eine ganz besondere Atmosphäre machte sich am Mittwochabend im Lemförder Rittersaal breit, ähnlich einem Urlaubs-Feeling in Portugal. Denn auf Einladung des „KulturBunts“ Lemförde gastierte dort Maria de Fátima aus Portugal, die von Felix Hildenbrand, Kontrabass, Hans van Gelderen, Gitarre, und Daniel Raposo mit der viel höher gestimmten portugiesischen Gitarre begleitet wurde.

So war es nicht verwunderlich, dass Eva Völkening vom „KulturBunt“ im sehr gut gefüllten Rittersaal etliche portugiesische Mitbürgerinnen und Mitbürger von nah und fern begrüßen konnte. Dabei betonte sie: „Heute Abend ist es für mich eine besondere Freude, dass wir das erste Mal hier im Rittersaal ein Fado-Konzert haben. Das hat dieser alte Saal noch nie gesehen. Das haben wir Maria de Fátima mit ihren Musikern, die aus Amsterdam angereist sind, zu verdanken.“

Was bedeutet Fado? Das Wort kommt aus dem Lateinischen fatum und heißt Schicksal. „Aber das sagt lange nicht das, was ‚Fado‘ wirklich ist. Da kommen wir mit dem Wort ‚Saudades‘ – Portugiesen kennen dieses Gefühl – schon viel näher“, meinte Eva Völkening. Der berühmte portugiesische Dichter Fernando Pessoa habe etwas über „Saudades“ gesagt. Manuel de Cruzes, der viele Jahre bereits in Lemförde lebt, las das auf Portugiesisch vor. 

Ein ganz spezielles Gefühl

Dabei wurde deutlich: Nur Portugiesen können dieses Gefühl gut kennen, weil nur sie dieses Wort haben. Auf Nachfrage antworteten die Portugiesen im Publikum, dass sie mit „Saudade“ Sehnsucht, Einsamkeit, verlorene Liebe, Melancholie, Traurigkeit, Wehmut, Herzschmerz verbinden, was sie alle verbindet und was sich im nun folgenden Fado-Konzert widerspiegelte.

Seit 2011 zählt Fado auch zum immateriellen Weltkulturerbe der Unesco. Zu verdanken ist das bekannten Fadista wie der Sängerin Maria de Fátima. Sie hat diese Musik von Portugal in die Welt getragen, singt, seit sie zehn Jahre alt ist. Melancholisch eröffnete sie das Programm mit zwei Eigenkompositionen „Solidão“ (Einsamkeit) und „Meu Amor Marinheiro“ (Mein Liebessegler). Mit einer ausdrucksstarken Stimme, die sofort gefangen nahm, hat sie doch dieses gewisse Tremolo. Später bewies sie auch, dass sie mühelos einige Oktaven schafft.

Etwas fröhlicher wurde es mit dem Fado „Cravos de Papel“, übersetzt eigentlich „Papier Nelken“. Doch das Stück erzählt von einem Mädchen, das sieben Verehrer hat. Maria de Fátima wurde von Felix, Hans und Daniel nicht nur kongenial begleitet, sondern das Trio begeisterte sowohl im ersten, als auch im zweiten Teil mit zwei Stücken, die sie virtuos und voller Spielfreude zu Gehör brachten. Da folgte für das Trio zu späterer Stunde ein riesiger Applaus eines begeisterten Publikums.

Ein Lied von Hoffnung

Maria de Fátima bezauberte dagegen immer wieder im Verlauf des gut zweieinhalbstündigen Konzertes mit großem Gefühl für Nuancen. Voller Inbrunst sang sie „Velhos Amantes“ (Alte Liebhaber) mit einem Touch Tango. Oder mit Verve „Na Rua dos meus Ciumes“ (In der Straße meiner Eifersucht).

Raum gab die Sängerin aber auch dem Lied der Hoffnung, sang von den Steinen auf meinem Weg oder dass Lissabon ein kleines Mädchen bleibt „Lisboa sempre Menina“. Ein Stück, das sie zwölfjährig aufnahm.

„Vor zehn Jahren“, scherzte die Portugiesin gut gelaunt, die ihr Publikum immer wieder aufforderte, mitzusingen, sodass sich viele Stimmen zu einem großen Chor vereinten.

Felix hatte für die Besucher auch einen Tipp: „Fahren Sie im Juni nach Lissabon, da locken die Stadtfeste.“ Mit „Verde Limão“ (Zitronengrün) sollte der Konzertabend eigentlich ausklingen. Doch ein völlig begeistertes Publikum „organisierte“ geradezu spontan lang anhaltende Standing Ovations. So gab es zwei Zugaben – und der Lemförder Rittersaal verwandelte sich in eine Fado-Kneipe irgendwo in der Altstadt von Lissabon.

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