Detthard Wittler gastiert im Lemförder Rittersaal mit Wilhelm Busch-Abend

Turbulent, feinsinnig, skurril

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Der Rahdener Detthard Wittlager gastierte mit einem Wilhelm Busch-Abend im Lemförder Rittersaal.

Lemförde - Von Christa Bechtel. „Das wird ihnen heute häufiger passieren, dass sie Zitate und Gedichte von Wilhelm Busch erkennen oder wiedererkennen. Besonders im ersten Teil, wo es schwerpunktmäßig um Max und Moritz geht. Im zweiten Teil des Programms werden sie auch Bekanntes, aber auch viel Unbekanntes eines ganz besonderen und vielseitigen Künstlers Wilhelm Busch entdecken“, sagte Ursula Vocks vom KulturBunt zur Begrüßung am Mittwochabend im sehr gut gefüllten Lemförder Rittersaal.

Zuvor hatte sie bereits das Motto verraten: „Jeder denkt, die sind perdü! Aber nein! – Noch leben sie!“ Überaus abwechslungsreich durch das Leben und Werk des wohl bekanntesten Niedersachsen führte Detthard Wittler aus Rahden, der mit Buschs Worten „…Wie hab‘ ich´s doch seit jener Zeit so herrlich weit gebracht. Die Zeit hat aus dem kleinen Lump einen großen Lump gemacht“ den Saal betrat.

„Es geht also heute Abend um den großen Lumpen Wilhelm Busch“, erklärte Wittler. Bekannt sei Busch für seine lustigen Bildergeschichten, für seinen Humor und seine Komik. „Er konnte auch anders! Deshalb soll dieser Abend einen Eindruck von seinem Gesamtwerk geben“, so der Rahdener, der ergänzte: „Aus allen Bereichen seines Schaffens werden sie heute Abend etwas hören, sehen, erleben.“

Mit den beiden Lausbuben Max und Moritz, die Busch berühmt machten, startete Wittler sein Programm. Die feierten im vergangenen Oktober ihren 150. Geburtstag. „Das war auch für mich der Auslöser, dieses Programm zu gestalten“, verriet Detthard Wittler unserer Zeitung in der Pause. Doch erst einmal rezitierte er das Vorwort zum Vorwort, das Busch drei Jahre vor seinem Tod schrieb. „Es war seine Antwort auf die gereimte Anfrage eines Kindes: Warum denn diese beiden so grausig enden mussten“, veranschaulichte der Vortragende, der kurze Zeit später die sieben Streiche zum Besten gab. Dabei schlüpfte er exzellent in die verschiedenen Rollen, änderte je nach Situation seine Stimmlage, die er mit der passenden Mimik und Gestik untermauerte. Per Power Point-Präsentation sahen die Zuschauer im Verlauf des Abends auf einer großen Leinwand immer die passenden Bilder, die sogar noch von Geräuschen oder Musik untermalt wurden.

„Was macht Wilhelm Busch bis heute so populär?“, warf Wittler als Frage auf, um zu antworten: „Das sind die Grausamkeiten seiner Bildergeschichten.“ Seine virtuose Weise von Wort und Bild seien auch die Vorläufer des Comics gewesen, meinte der langjährige KulTür-Vorsitzende, der weiter Buschs „Der Einsame“ oder aus Schnaken und Schnurren „Die Prise“ vortrug. Mit der erzeugte er erst ein glucksendes Lachen im Rittersaal, das sich zu einem herzhaften steigerte. Ebenfalls rezitierte er einiges aus der Sammlung „Dideldum“ oder entführte die Besucher mit einem Querschnitt in die Trilogie zu Tobias Knopp.

Im zweiten Teil präsentierte Wittler dem Publikum den Lyriker und bildenden Künstler Wilhelm Busch. Hier stellte er beispielsweise Buschs Zeichnungen bekannten Kunstwerken von Henry Moore oder Roy Lichtenstein gegenüber. „Überall habe ich in seinen Werken Dinge gefunden, die bei unseren modernen Künstlern wieder auftauchen“, bemerkte Wittler im Gespräch. Robert Gernhardt habe bereits erkannt, „dass Wilhelm Busch verschiedene Stilrichtungen vorweggenommen hat. Auch ich habe einige gefunden, wo man sagen kann: Die haben abgekupfert“, betonte der Rahdener, der mit Busch-Programmen schon häufiger auf Bühnen stand. Detthard Wittler servierte in Lemförde Wilhelm Busch in turbulenten Geschichten, feinsinnigen Versen und kuriosen Pointen – spitzbübisch, skurril und nachdenklich. In seiner Zugabe präsentierte er Max und Moritz in Geräuschen und lobte besonders den KulturBunt. „Vereine, die das Kulturleben in kleinen Orten aufrecht erhalten!“

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