Serie HAUSGESCHICHTE(N)

Helmut und Birgit Dannhus sanieren 1869 in Lembruch erbautes Vierständerhaus der Vorfahren

Helmut und Birgit Dannhus vor ihrem 1869 errichteten Vierständerhaus.
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Helmut und Birgit Dannhus haben 2001 mit der Sanierung des 1869 errichteten Vierständerhauses begonnen.

Lembruch – Wo heute Ausflügler einkehren und hausgemachte Kuchen und Torten zu gutem Kaffee genießen, da lebten einst Pferd und Kuh Seite an Seite. Die wuchtigen Balken – zum Teil freistehend, zum Teil aus dem Mauerwerk ragend – erinnern noch an die ursprüngliche Nutzung als Deele des 1869 erbauten Vierständerhauses an der Schmiedestraße in Lembruch.

Heute kennen viele das zwölf Meter breite und 15 Meter lange Haus als die Tortenschmiede von Birgit und Helmut Dannhus. Sein Vorfahr Johann Heinrich Mörker, ein geborener Niemann, und dessen Ehefrau Sophie Wilhelmine hatten den Hof 1869 gekauft und das Wohnhaus erbaut, berichtet Birgit Dannhus. Vermutlich zur gleichen Zeit wurde davor ein Schweinestall errichtet, der aber nicht mehr existiert. Die noch vorhandenen Nebengebäude entstanden erst viel später in Klinker-Bauweise.

Gute hundert Jahre wurde auf dem Hof Landwirtschaft betrieben, bevor die Großeltern sie Mitte der 1980er-Jahre auslaufen ließ. Die Großmutter habe aber noch bis 2010 etwa 50 Hühner gehalten und deren Eier verkauft, berichtet Birgit Dannhus. Sie und ihr Mann zogen 1997 als sechste Generation auf den Hof.

Eine historische Aufnahme zeigt den vorderen Giebel des Wohnhauses mit dem angebauten Schweinestall.

2001 nahm das Paar eine große Renovierung in Angriff. „Wir haben sehr viel selbst gemacht“, erinnert sich Birgit Dannhus. Ihr Nachbar, ein gelernter Zimmermann, habe sie dabei mit Rat und Tat unterstützt.

Der Dachstuhl und die Bedachung, die bis dahin zum Teil aus Reet, zum Teil aus Eternit (Faserzementplatten) und Pfannen bestand, wurden erneuert und die Außenfassade komplett saniert. Das alte Fachwerk, das ursprünglich die Außenwand am vorderen Giebel bildete, dient laut Birgit Dannhus heute nur noch als „Blende“, die vor ein modernes Mauerwerk gesetzt wurde.

Der Kartoffel- und Rübenkeller, in dem ohnehin häufig das Wasser stand, wurde weggemacht, die darüber befindliche und um ein paar Stufen erhöhte Upkammer in einen Raum mit ebenerdigem Boden verwandelt. „Die Upkammer hätte ich gerne behalten, sagt Birgit Dannhus. Mit den heraufführenden Stufen wäre es ein schöner Raum für ihre Café-Gäste gewesen. „Aber es passte räumlich nicht.“

Die Fachwerkfassade des Vierständerhauses der Familie Dannhus wurde komplett saniert.

Ein Rätsel war lange Zeit, wo sich einst die Räuscherstelle für Wurst befand. Gegeben haben musste es sie. Das Geheimnis wurde bei der Sanierung der Herrentoilette gelüftet. Unter der Decke des kleinen Raums habe ihr Mann einen Räuchersims gefunden. Wer auf dem stillen Örtchen seinen Blick nach oben richtet, kann ihn dort noch heute sehen.

Die Balken wurden mit Trockeneis gestrahlt. „Das macht weniger Dreck als Sandstrahlen“, erklärt Dannhus. Einigen der Balken ist anzusehen, dass sie bei der Errichtung des Hauses nicht mehr neu waren. Den Grund dafür kennen Helmut und Birgit Dannhus nicht. Vielleicht habe das Haus zuvor an einem anderen Ort gestanden und sei an der Schmiedestraße neu aufgebaut worden oder die Erbauer hätten Balken von anderen, abgebrochenen Häusern verwendet, vermutet Birgit Dannhus.

Eine echte Rarität sind zwei Eichenschränke aus dem Jahr 1869, die die Zeit schadlos überstanden haben. „Ein Schrank war pechschwarz, vermutlich weil er lange im Rauch gestanden hatte“, berichtet Birgit Dannhus. Bei einer professionellen Aufarbeitung sei die helle Eiche wieder zum Vorschein gekommen. Kleine Schätze sind zwei Hochzeitskränze der Vorfahren, die Birgit Dannhus ebenfalls hat aufarbeiten lassen und zusammen mit einem Stammbaum und einigen alten Fotos in der Tortenschmiede aufgehängt hat, wo sie die Gäste des Hofcafés hoffentlich bald wieder bewundern können.

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