Dampfautos geben sich am Schäferhof in Stemshorn ein Stelldichein

Schnieke „Schnauferl“

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Vor dem Start am Schäferhof erzeugten die Brenner fremdartige Geräusche und die Kessel hohe Dampfwolken.

Stemshorn - Von Christa Bechtel. „Dampfautos sind etwas ganz, ganz Ungewöhnliches. Das sind praktisch die einzigen in Europa, die in Melle zusammenkommen – schon seit vielen Jahren“, erklärt Heiner Rössler, Leiter des Automuseums Melle „Geschichte auf Rädern“. Das zeigt nicht nur großartige Automobile aller Epochen mit mehr als 300 Fahrzeugen auf drei Etagen im denkmalgeschützten Ambiente der Gründerzeit, sondern lädt auch Jahr für Jahr Anfang Mai für vier Tage zum „Dampfautotreffen“, der „Deutschen Dampf-Automobil-Tour“ ein.

Ein paar dieser schnieken, chromblitzenden „Schnauferl“ aus einer längst vergangenen Epoche gaben sich am Montag am Schäferhof in Stemshorn ein Stelldichein. In Melle seien Leute, „die etwas von ‚Dampf‘ verstehen. Da ist sogar eine Werkstatt, die die Autos reparieren kann“, erläutert Heiner Rössler. Was ihn besonders freut: „Wir haben in jedem Jahr mehr Dampfautos bekommen, die sich immer in den Tagen um den 1. Mai in Melle treffen.“ Zum Programm gehöre täglich eine Rundtour von etwa 80 bis 100 Kilometern, hebt der passionierte Museumsleiter hervor, der in Melle nur fahrbereite Fahrzeuge präsentiert.

Dampfautos! „Das ist eine ungewöhnliche, besondere Technik, die in vieler Hinsicht sogar besser ist als das, was wir heute haben“, meint Rössler. Die Wagen seien ziemlich schnell, hätten eine sehr gute Beschleunigung, seien äußerst umweltfreundlich und durch ihr hohes Drehmoment Benzinautos in Beschleunigung und Bergsteigevermögen überlegen. Denn: „Die laufen mit Wasser; aber leider muss man das warm machen“, veranschaulicht der Experte in Sachen Oldtimer. Je nachdem wie groß der Tank sei, erziele eine Wasserfüllung genauso viele Kilometer, wie herkömmliche Fahrzeuge, so Rössler, der betont, „dass die Kenntnisse nur vorhanden bleiben, wenn diese Autos auch gefahren werden.“

Weiter erzählt er schwärmend: „Für damalige Verhältnisse, wo es gar keine Straßen gab, also vor dem Ersten Weltkrieg, sorgten diese Autos für Aufsehen, waren etwas, wo man nur mit leuchtenden Augen hinterher gucken konnte. Die waren viel schneller, ganz leise und man konnte ohne Probleme starten.“ Wogegen andere Autos das große Problem hatten: Man brauchte immer zum Starten einen zweiten Mann. „Nämlich einen, der kräftig genug war, die Kurbel zu drehen, was ein normaler Besitzer nicht schaffte“, schwelgt Heiner Rössler in Erinnerung an längst vergangene Zeiten. Zudem habe das Auto keine Gänge, keine Kupplung, „der braucht noch nicht einmal eine Bremse. Er hat nur einen Hebel, mit dem man Dampf gibt. Solange man Druck im Kessel hat, beschleunigt der Wagen immer weiter“, stellt der Osnabrücker dar, der mit seinem Dampfauto an diesem Tag um die 130 Stundenkilometer fuhr. Doch in der Dauergeschwindigkeit habe er 70 bis 80 Stundenkilometer.

Sehr verbreitet bei den Dampfautos sei die Marke „Stanley“. „Das waren damals die schnellsten, besten, schönsten Autos; die haben einen Riesenruf, besonders in Amerika, wo sie gebaut worden sind“, berichtet Rössler, der begeistert war: „Dass wir dieses Mal 20 Anmeldungen aus ganz Europa hatten. Und alles trifft sich hier am Schäferhof!“

Dort servierte Familie Seel allen „ein prächtiges Mittagessen“ (O-Ton Rössler). Und Schäfermeister Michael Seel nutzte die Gelegenheit, seine Schafherde vorzustellen. Obwohl die Brenner fremdartige Geräusche und die Kessel hohe Dampfwolken erzeugten, starteten die Fahrer am Schäferhof wieder leise, aber mit „Volldampf“ – begleitet von einem letzten Winken Michael Seels. Das Kaffeetrinken fand dann im Forsthaus in Arenshorst statt. Von dort ging es wieder zurück zum Automuseum nach Melle. Bis es im nächsten Jahr ein Wiedersehen mit den schmucken Dampfautos gibt.

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