Großveranstaltung Dümmerbrand auf der Kippe

Touri-Totalausfall am Dümmer: Eigentlich beginnt jetzt das Geldverdienen

Die Bar dü Mar liegt wegen der Corona-Pandemie noch im Tiefschlaf.

Lembruch/Hüde - Der Frühling hat begonnen, die Sonne lacht immer wärmer vom Himmel, die Osterfeiertage stehen vor der Tür – eigentlich könnte das Tourismusgeschäft am Dümmer jetzt so richtig anlaufen. Eigentlich. Denn aufgrund der Corona-Pandemie liegt nahezu der gesamte Tourismus auf Eis.

Hotels, Ferienhäuser und Campingplätze sind geschlossen. Gleiches gilt weitestgehend für die Gastronomiebetriebe, von denen sich einzelne mit Außerhausverkauf behelfen.

„Uns Touristikern bleibt nur, den Gürtel enger zu schnallen“, sagt Hüdes Bürgermeister Heiner Richmann, selbst Betreiber einer kleinen Pension. Die laufe bis zum 20. April auf Null, auch für Pfingsten seien schon Buchungen storniert worden. Die Touristiker befänden sich in einer schwierigen Situation, weil sie nicht nur keine Einnahmen haben, sondern auch keine rechte Perspektive. „ Nach dem 20. April kann man vielleicht belastbar sagen, wie es weitergeht“, so Richmann.

Er geht allerdings davon aus, dass auch das Pfingstgeschäft ins Wasser fällt, so wie vermutlich auch fast alle Großveranstaltungen in diesem Jahr. Das größte Ereignis, der Dümmerbrand, steht zwar erst im August an. Richmann ist derzeit aber skeptisch, ob die Veranstaltung mit 20.000 bis 30.000 Besuchern stattfinden kann.

Bürgermeisterin angesichts der Corona-Krise: „Für uns ist das ein Supergau“

Mit Blick auf Ostern hat der Bürgermeister Bedenken, dass es trotz der fehlenden Angebote einen Riesenansturm auf den Dümmer geben könnte. Er hofft auf die Vernunft der Menschen, zu Hause zu bleiben. Damit meint er nicht in erster Linien die Besucher aus der näheren Umgebung, sondern diejenigen, die eine weite Anreise haben.

„Für uns ist es ein Supergau“, bewertet Lembruchs Bürgermeisterin Margarete Schlick die Situation für sich und ihre Mitstreiter am Dümmer. Segelschule, Segler-Deele und Bootsvermietung der Familie stehen still. Lediglich Eigentümer dürfen ihre Boote im Hafen ins Wasser lassen und laut Schlick alleine oder mit einem Familienmitglied auch eine Runde auf dem See drehen. Ob sie wenigstens den Kiosk öffnen darf, war gestern noch offen.

Corona-Krise: Anbaden in Lembruch fällt vermutlich ins Wasser

Das Anbaden in Lembruch am 3. Mai ist zwar noch nicht offiziell abgesagt. „Wir warten noch ab“, so Schlick. Aber wahrscheinlich wird die bunte Veranstaltung, die bei gutem Wetter viele Besucher anlockt, baden gehen.

Auf den zahlreichen Campingplätzen ist die Situation unterschiedlich. Viele Gäste haben ihre Wohnwagen dort ganzjährig stehen und zahlen einen Jahresbeitrag. „Wir müssen uns überlegen, wie es weitergeht und ob wir eventuell etwas zurückzahlen müssen“, sagt Philipp Eickhoff, Betreiber des Campingplatzes Tiemanns Hof in Lembruch. Das hänge vor allem von der Dauer der Schließung ab. Die Dauercamper machen dort aber nur einen Teil der Einnahmen aus. Über Ostern kämen jedes Jahr 100 bis 150 Gäste zusätzlich – meistens Familien oder Gruppen, die sich einmal im Jahr treffen.

Auf dem Platz von Anselm Höfelmeier in Hüde stehen ausschließlich Dauercamper. „Wenn die Sonne rauskommt, sind normalerweise plötzlich alle da. Aber jetzt ist es wie in einer Geisterstadt“, beschreibt er die ungewöhnliche Situation. Auch er weiß noch nicht, inwieweit er einen Teil der Jahresbeiträge zurückzahlen kann oder muss. Er wolle eigentlich kein Geld für eine Leistung bekommen, die er nicht erbringe, betont Höfelmeier.

Coronavirus trifft Dümmer: Campingplätze werden zur Geisterstadt

Er hat das Glück, in seinem Ferienhaus ein paar Monteure beherbergen zu können, die derzeit Glasfaserkabel verlegen. Ansonsten sei alles storniert, auch für Mai und Juni hätten schon Gruppen abgesagt. „Eigentlich ist Ostern die Zeit, in der man anfängt, Geld zu verdienen“, so Höfelmeier. Da er einen Kleinstbetrieb habe und vieles selber mache, könne er einige Zeit überbrücken. Sehr erfreut ist er darüber, dass gerade die Stammgäste sehr kulant seien und statt einer Rückzahlung einen Gutschein akzeptierten. Trotz der finanziellen Einbußen betont er, dass er Verständnis für die Maßnahmen der Bundesregierung hat.

Die sonst bei schönem Wetter gut besuchte Bar dü Mar in Hüde liegt noch im Tiefschlaf. „Ich bin ganz zuversichtlich, dass wir einigermaßen gut durch die Krise kommen, wenn es vor den Sommerferien weitergeht“, sagt Betreiber Martin Stybalkowski. „Wir hoffen, vielleicht im Mai wieder öffnen zu können.“

Auch er zeigt vollstes Verständnis für die Einschränkungen. Ihm gehe es besser als manch anderem Gastronomen, der Festangestellte und ein Kühlhaus voller Waren habe, räumt Stybalkowski ein. Denn er arbeite nur mit Aushilfen, die als Schüler und Studenten nicht so sehr auf das Geld angewiesen seien, wie jemand, der eine Familie ernähren müsse. Zum Teil habe er Aushilfen auch an den Lebensmitteleinzelhandel vermittelt.

Besonders hart trifft es Gastronomen wie Stefos Nikolaos, der mit seiner Familie erst im Dezember das griechische Restaurant Athen in Lembruch eröffnet hat. „Es hat sehr gut angefangen“, sagt er. Doch wenn sich die Schließung noch länger als einen Monat hinziehe, wisse er nicht, ob er weitermachen könne.

Strandlust-Hotelchef: Ähnliche Situation in 40 Jahren noch nicht erlebt

„Das ist eine Situation, wie ich sie in fast 40 Jahren noch nicht erlebt habe“, beschreibt Thorsten Finke, Geschäftsführer des Hotelrestaurants Strandlust in Lembruch, die momentane Lage. Seine Mitarbeiter hat er mittlerweile in Kurzarbeit geschickt. „Sollte sich die Situation bis Anfang Mai einigermaßen normalisieren, kommen wir mit einem blauen Auge davon.

Entscheidend ist nicht, wie viele Tage wir schließen müssen, sondern welche Tage“, betont er. April und Mai mit den vielen Feiertagen seien die wichtigsten Monate im Jahr. In dieser Zeit kämen zum Beispiel auch viele Gruppen zum Spargelessen. „Die kommen im Herbst nicht mehr.“ Finke setzt seine Hoffnung darauf, dass die Menschen, „wenn das Gröbste vorbei ist“, nicht gleich wieder ins Ausland reisen, sondern lieber einen Kurzurlaub in Deutschland buchen – zum Beispiel am Dümmer.

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