„Ich finde es unverantwortlich“

Corona im Landkreis Diepholz: Tätowiererin Anna Deters darf weiterarbeiten – möchte aber gar nicht 

Abstand ist keine Option: Tätowiererin Anna Deters möchte ihren Beruf derzeit nicht ausüben, doch untersagt ist es ihr nicht. Foto: Deters
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Abstand ist keine Option: Tätowiererin Anna Deters möchte ihren Beruf derzeit nicht ausüben, doch untersagt ist es ihr nicht.

Das Coronavirus hat den Landkreis Diepholz in Griff. Restaurants müssen schließen, Tattoo-Studios aber noch nicht - zum Unmut einer Selbstständigen.

Lemförde - Anna Deters weiß nicht weiter. Kann sie mit staatlicher Unterstützung rechnen, wenn sie nicht mehr arbeitet, oder nicht? Die Antworten, die sie auf diese Frage erhalten hat, sind widersprüchlich. Die Steinfelderin ist selbstständige Tätowiererin und bietet ihre Kunst in einem Tattoo-Studio in Lemförde an. Dass sie das ganz offiziell auch weiterhin tun darf, kann sie nicht nachvollziehen. Aber einfach aufhören? „Dann steht uns keinerlei Ausgleichszahlung zu, weil keine offizielle Schließung angeordnet wurde“, sagt Deters.

Coronavirus im Landkreis Diepholz: Tattoo-Studio bekommt keine Unterstützung

Diese Aussage habe sie in den vergangenen Tagen von mehreren Behörden erhalten. Unter anderem habe sie sich telefonisch beim niedersächsischen Wirtschaftsministerium und Sozialministerium erkundigt. „Sie gehen davon aus, dass ich keine Unterstützung bekomme.“

Im Rahmen einerAllgemeinverfügung des Landkreises Diepholz wurde dem Lemförder Tattoo-Studio am Dienstag zunächst mitgeteilt, dass es schließen müsse. Am Mittwoch folgte die Aussage, dass es doch weiter öffnen dürfe. „Der Landkreis richtet sich derzeit nach den Aussagen des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft. Demnach fallen Tätowierer unter den Begriff der Dienstleister und Handwerker und können ihre Tätigkeit weiter ausüben“, erklärt eine Landkreis-Sprecherin auf Nachfrage. Bezüglich der Einordnung von Eisdielen und Anbietern kosmetischer Pflege hatte der Landkreis demnach mit dem Ministerium Rücksprache gehalten und diesen die Öffnung danach wieder erlaubt.

Corona im Landkreis Diepholz: Handeln des Kreises sei unverantwortlich

In der Begründung der Allgemeinverfügung des Landkreises heißt es übrigens auch: „Alle Geschäfte und Einrichtungen, die nicht unmittelbar dem täglichen oder gesundheitlichen Versorgungsbedarf dienen, erhöhen durch Kundinnen und Kunden sowie Besucherinnen und Besucher unnötig die Anzahl der Nahkontakte und tragen damit zu einer erheblichen Steigerung des Infektionsrisikos bei.“

„Ich finde es vom Landkreis unverantwortlich und kann dessen Handeln in keinster Weise nachvollziehen“, sagt Anna Deters zur Öffnungserlaubnis. „Gerade im Tattoo- und Piercingbereich haben wir ständig mit Körperflüssigkeiten zu tun.“ Außerdem habe sie stundenlangen engen Kundenkontakt „in dem man wirklich keinerlei Möglichkeiten hat, sich zu schützen“. Sie wolle weder sich noch ihre Kunden anstecken, betont Deters.

Corona-Krise im Landkreis Diepholz: Ausweglose Situation für Solo-Selbstständige

Die Landkreis-Sprecherin erklärt zwar, dass die aufgrund der Corona-Krise bereitgestellten Darlehensprogramme allen Unternehmen zur Verfügung stehen, die in eine finanzielle Schieflage geraten, auch denen, die nicht von einer staatlichen Schließung betroffen sind. Anna Deters aber ist Solo-Selbstständige – und das erst seit Juni 2019. „Da ich bis Dezember vom Amt unterstützt wurde, blieb mir keine Möglichkeit, ein ausreichendes finanzielles Polster aufzubauen. Kurz gesagt heißt das, mir fehlt das nötige Kleingeld, um die momentane Krise zu überbrücken. „Meine Kollegen aus anderen Landkreisen schrieben mich an mit den Hinweisen, dass sie in Kürze Überbrückungsgelder bekommen. Wieso wird in unserem Land so unterschiedlich entschieden?“, fragt sie. Im Landkreis Osnabrück etwa sind auch Nagel- und Tattoo-Studios geschlossen.

Zwar soll der Bundestag am Montag ein Hilfspaket für Solo-Selbstständige und Kleinstfirmen beschließen, doch ob sie davon profitieren kann, weiß die Tätowiererin noch nicht. Deters: „Ich befinde mich wirklich in einer für mich momentan ausweglosen Situation.“

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