Clemens und Renate Uhe betreiben seit mehr als vier Jahrzehnten einen Imbiss-Stand auf dem Brockumer Großmarkt

„Sonntag ist Kinder-Pommes-Tag“

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Bei ihnen geht‘s um die Wurst und andere leckere Sachen: Renate und Clemens Uhe gehören mit ihrem Imbiss-Stand zu den Markt-Urgesteinen.

Brockum - Trotz aller Routine setzt bei Clemens (73) und Renate Uhe (70) jedes Jahr kurz Beginn des Großmarktes eine innere Unruhe ein. Das Brockumer Ehepaar betreibt auf dem viertägigen Volksfest einen Imbiss-Stand. Bei der von morgen bis Dienstag laufenden 457. Auflage bereits zum 41. Mal.

Das Kribbeln im Bauch liegt daran, dass beide immer nur vage wissen, welche Warenmengen sie bestellen müssen. „Mal verkaufen wir mehr Brat- und Currywürste, mal werden vermehrt Schnitzel und Frikadellen nachgefragt. Nur eines steht schon immer vorher fest, der Sonntag ist Kinder-Pommestag“, wissen die beiden Brockumer.

Weil der rustikale Brat- und Verkaufsstand im Bereich der Gewerbeschau und Landmaschinenausstellung steht, dauert der Großmarkt für das Ehepaar und seine Mitarbeiterschar nicht vier Tage, sondern eine ganze Woche. Clemens und Renate Uhe öffnen ihr Geschäft bereits am Mittwoch vor der Eröffnung und drehen erst am Tage nach dem Viehmarkt den Schlüssel ihres Imbissstandes wieder für ein Jahr um. Dann werden der hölzerne Verkaufsstand demontiert und die Einzelteile in einer nahe gelegenen Scheune eingelagert – bis sich zwölf Monate später der nächste Markt ankündigt.

„Wir haben damals nicht lange nachgedacht und sofort zugesagt“, erinnern sich Uhes an das Jahr 1975. Erst ein Jahr zuvor hatten sie ihr neues Haus bezogen. Ratsherr Werner Fenne vom früheren Marktausschuss bot den damaligen Betreibern eines größeren Spargelhofes an, die Nachfolge des bisherigen Standbetreibers aus Espelkamp anzutreten, der nach 20 Jahren krankheitsbedingt nicht weitermachen konnte. „Ohne große Bedenkzeit, aber verbunden mit ein paar Auflagen“, wissen Uhes bis heute. „Eine Bedingung war, dass wir die Aussteller der Gewerbe- und Landmaschinenschau vom Aufbau bis zum Abbau ihrer Stände versorgen mussten“, betont Clemens Uhe. „Und das ist bis heute so geblieben“, ergänzt Ehefrau Renate. Zudem hätten sie sich verpflichten müssen, in den ersten Jahren die Waren vom bisherigen Liefer-Fachbetrieb aus Espelkamp zu beziehen.

„Haben den Stand ständig optimiert“

Weil Uhes anfangs noch nicht über einen eigenen Verkaufsstand verfügten, nutzten sie die damals recht primitive Holzbude ihres Vorgängers auf Leihbasis. „Drei Jahre später haben wir dann einen eigenen Massivholzstand gebaut, im Laufe der Jahrzehnte mehrmals vergrößert und von der Aufteilung her ständig optimiert“, so der 73-Jährige und seine Frau.

Die Anfangsjahre waren für alle Beteiligten schwer. „Das war echte Knochenarbeit“, weiß besonders Renate Uhe, die lange Laufwege hatte, um den hungrigen Kunden mit Unterstützung mehrerer Frauen die fertigen Bratwürstchen zu servieren. „Aber Spaß hat es natürlich auch gemacht, ansonsten hätten wir kaum so viele Jahre durchgehalten“, gesteht sie. Mit Blick zurück auf die Anfänge ist Clemens Uhe bis heute dem damaligen Fleischergesellen Helmut Kolkhorst aus Espelkamp und dessen Familie für deren tatkräftige Unterstützung am Grill und beim Verkauf dankbar. Heute erledigen Uhes die Arbeiten in ihrem Verkaufsstand mit acht bis zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Als sich 1980 die Chance ergab, den Lieferanten zu wechseln, entschieden sich die Standbetreiber für einen Anbieter aus Rahden. Die damals geknüpften Geschäftsverbindungen haben bis heute Bestand. Obwohl der Andrang am Imbissstand im Laufe der Zeit immer größer wurde, hat der Arbeitsaufwand durch eine Vielzahl infrastruktureller und technischer Neuerungen kaum zugenommen. „Für die Zubereitung von Pommes stand uns früher nur eine kleine Gas-Friteuse zur Verfügung, durch die schon lange optimierte Stromversorgung können wir heute mehrere Geräte gleichzeitig nutzen“, nennt Renate Uhe nur ein Beispiel von vielen.

„Ohne Mampf kein Kampf“

Dass die Uhes nicht nur geduldete, sondern von jeher gern gesehene Beschicker des Marktes sind, macht Bürgermeister Marco Lampe deutlich: „Ohne Mampf kein Kampf“, beschreibt er die Wichtigkeit des Imbissbetriebes auf dem Gelände der Gewerbeschau und Landmaschinenausstellung. „Ohne Clemens und Renate wäre ein geordneter Auf- und Abbau der Stände in den Zelten und im Außenbereich gar nicht möglich.“ Und er selbst freut sich auch: „Die erste Bratwurst bei Uhes gibt es für mich am Mittwoch kurz vor Mittag, die letzte zeitgleich einen Tag nach dem Viehmarkt.“

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