Nostalgie in Perfektion

Catboat Pommersche Flunder hat einen besonderen Platz im Herzen von Bootsbauer Jens Dannhus

Jens Dannhus und sein Team haben jedes Detail in der Kajüte maßangefertigt.
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Jens Dannhus und sein Team haben jedes Detail in der Kajüte maßangefertigt. Unter anderem haben sie den Holzofen in einen Gasofen verwandelt.

Die Pommersche Flunder hat im Herzen von Bootsbauer Jens Dannhus einen besonderen Platz. Zwei Jahre lang hat er einst an dem einzigartigen Catboat gebaut. Jetzt hat es in der Hüder Werft wieder Winterquartier bezogen.

Hüde – Die Pommersche Flunder mit ihrem meergrünen Rumpf fällt sofort ins Auge. Sie ist nicht das einzige Schmuckstück in der Hüder Werft von Jens Dannhus, aber sie ist unter den besonderen Booten noch etwas besonderer. Und das liegt nicht nur an der Größe und der ungewöhnlichen Form des an ein traditionelles amerikanisches Catboat angelehnten Sonderbaus, der vor mehr als zehn Jahren in der Werft Fricke und Dannhus entstand.

Zwei Jahre lang haben Dannhus und sein Team damals daran gebaut – etwa 7.500 Stunden. Der Preis? „In Richtung 400.000 Euro“, sagt der Bootsbauer. Er selbst hat gemeinsam mit dem Eigentümer und dem Konstrukteur Marc-Oliver von Ahlen viele Stunden über den Details gebrütet, immer wieder nachgebessert und gefeilt. Seither ist das Boot in jedem Winter in der Werft zu Gast, wird gepflegt und für die nächste Saison in Schuss gebracht. „Eine emotionale Bindung hat man da natürlich. Es hängt schon unser Herz dran“, spricht Jens Dannhus auch für seine Mitarbeiter.

Helle Eiche und Messing verleihen der Kajüte ein nostalgisches Flair.

Während des Baus kamen immer wieder neue Ideen hinzu, die Ausstattung wurde immer umfänglicher. „Ursprünglich sollte es ein Leichtbau werden“, sagt Jens Dannhus und muss dabei etwas schmunzeln. Denn letztendlich bringt die Pommersche Flunder schlanke vier Tonnen auf die Waage. Auch die „Hüften“ sind mit 3,60 Meter üppiger ausgefallen, als zunächst geplant. „Das ist schon echt breit“, so Dannhus. Das merkt der Bootsbauer jedes Mal, wenn er das Boot von oder zu seinem Liegeplatz in Bad Zwischenahn transportiert. Dort und in Vechta gebe es ein paar schmale Ecken, berichtet er. Da klopfe das Herz immer ein bisschen stärker.

Ohnehin gleicht der Transport einem kleinen Staatsakt. „Wir brauchen etwa sechs Wochen Vorlauf“, erzählt Dannhus. Zunächst muss er wegen der Überbreite eine Transportgenehmigung beantragen. In Bad Zwischenahn hebt ein Autokran das Boot aus dem Wasser, denn der dortige Bootskran schafft das nicht. Anschließend geht’s in Dreier-Kolonne in Richtung Dümmer. Ein Begleitfahrzeug fährt vorweg, ein Unimog zieht den Bootsanhänger und das dritte Fahrzeug einen Anhänger mit Mast, Segel und der restlichen Takelage.

Die Pommersche Flunder ist mit 8,75 Metern Länge, 3,60 Metern Breite und einem Gewicht von vier Tonnen eine echte Herausforderung für den Transport.

Jedes Detail des Bootes ist durchdacht, alles an Bord – jedes Messer, jedes Glas – hat seinen zum Teil für den Gegenstand maßgefertigten Platz. Selbst der Schlüsselanhänger – eine aus Eichenholz geschnitzte Flunder – wurde passend zum Interieur angefertigt. Der Eigentümer sei ein Perfektionist, verrät Dannhus. Und das sieht man dem Boot auch in jedem Winkel an. Von außen mit dem meergrünen Rumpf und dem Teakholz-Deck schon ein echter Hingucker, versprüht das Innere der Kajüte Nostalgie pur. Dort trifft (versteckte) Hightech auf Klassik.

Denn moderne Technik ist zwar reichlich vorhanden, die gesamte Elektronik bleibt aber hinter der Verkleidung aus hellem Eichenholz und unter den Sitzbänken mit weinrotem Leder verborgen. Sogar ein Gefrierfach gibt es an Bord. Betrieben wird es mit einem speziellen Kühlaggregat.

Perfektion bis ins kleinste Detail: Die alte Logge direkt am Eingang der Kajüte ist ein echter Hingucker.

Ein Blickfang ist die alte Logge aus Messing, die über dem ebenfalls vermessingten kleinen Herd und der Messing-Spüle gleich neben dem Eingang der Kajüte hängt – so als sei sie stets griffbereit, wenn der Kapitän die Geschwindigkeit messen möchte. Der Schiffsbarograph, der Luftdruckveränderungen aufzeichnet und der Wettervorhersage dient, versprüht ebenfalls nostalgischen Charme. Weil es das gewünschte Modell nur mahagonifarben gab, wurde es in seine Einzelteile zerlegt, das Holz passend zur Küchengarnitur weiß gestrichen und alles wieder zusammengebaut. Das sei ein riesiger Aufwand gewesen, erinnert sich Dannhus. Für wohlige Wärme sorgt ein stilechter kleiner Kaminofen. „Wir haben den Holzofen ausgeschlachtet und einen Gasofen daraus gemacht“, so Dannhus.

Ganz fertig ist Pommersche Flunder genau genommen auch nach mehr als zehn Jahren nicht. „Es wird immer wieder etwas verbessert“, erzählt Dannhus. In diesem Winter ist vor allem Fleißarbeit angesagt: Das gesamte Messing – und davon gibt’s an Bord reichlich – soll poliert werden.

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