Verfahren wird ausgesetzt

Campingplatz-Schlägerei: Schuldfrage unklar

Diepholz/Lemförde - Vergeblich versuchten die Staatsanwaltschaft und die Richterin in einer Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Diepholz die Wahrheit über einen Vorfall herauszufinden, der sich am 16. Juli 2016 gegen 3.30 Uhr auf einem Campingplatz am Dümmer ereignete.

Sicher war nur, dass nach einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen einem 35-jährigen- und einem 28-jährigen Camper beide mit erheblichen Gesichts- und Kopfverletzungen ärztlich behandelt werden mussten.

Zehn Jugendliche sollen 35-Jährigen angegriffen haben

Die Staatsanwaltschaft hatte den 35-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt, weil er mit mehreren Faustschlägen und einer Flasche dem 28-Jährigen neben Schnittverletzungen im Gesicht das Nasenbein zertrümmert haben soll.

Der Angeklagte sagte aus, dass er nach vorherigem Alkoholgenuss gegen 3.30 Uhr die Toilettenanlage auf dem Campingplatz aufsuchen wollte. „Ich bin in der Nähe des Wohnwagens des 28-Jährigen vorbeigegangen. Ich wurde dann von zehn alkoholisierten Jugendlichen angesprochen, die gleich auf mich losgingen. Ich wurde mit Fäusten mehrfach zu Boden geschlagen, konnte aber wieder aufstehen und habe mich dann gewehrt. Es ist nicht richtig, dass ich mit einer Flasche zugeschlagen habe. Später kamen Rettungssanitäter und auch die Polizei. Wer die benachrichtigt hatte, weiß ich nicht.“

Laut ärztlichem Attest erlitt der Angeklagte eine Schädelprellung, Hautabschürfungen und Prellungen an einer Hand und am Gesäß.

Zwei langjährige Dauercamper, die sich nie begegnet sind

Der 28-Jährige schilderte die Begegnung ganz anders. Danach habe er den Angeklagten angesprochen, weil dieser nicht auf dem direkten Weg zu den sanitären Anlagen ging, sondern sich zwischen den Wohnwagen bewegte. „Nach einer ,patzigen Antwort‘ hat der Angeklagte sofort mit der Faust und der Flasche zugeschlagen. Ich blutete stark im Gesicht und konnte nichts mehr sehen. Ich habe mich nur gewehrt und zurückgeschlagen. Dabei habe ich ihn wohl verletzt“, so die Aussage des Anzeigeerstatters, der noch betonte, dass keiner seiner Freunde sich beteiligt hätte.

Beide Beteiligte sind auf diesem Campingplatz langjährige Dauercamper, sind sich aber angeblich vorher nie begegnet. Auch die Aussage eines jungen Mannes, der zu der Gruppe des 28-Jährigen gehörte, brachte keine weitere Klärung. Der Verteidiger des Angeklagten wies darauf hin, dass er weitere Zeugen benannt hätte, die aber nicht geladen worden seien. Ob es sich hier nur um Zeugen vom sogenannten „Hörensagen“ handele, konnte er nicht ausschließen.

Nach einer kurzen Beratung verkündete die Richterin Sabine Fuhrmann-Klamt, dass das Verfahren ausgesetzt würde. Die von der Verteidigung benannten Zeugen sollen nachträglich zunächst von der Polizei vernommen werden. Danach werde neu verhandelt.

pz

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