Burkhard und Martin Engel sorgen für „Französische Verhältnisse“ im Rittersaal

Eine große Zeit wird lebendig

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„Französische Verhältnisse“ lautete der Titel des literarischen Klavierabends, mit dem Burkhard (r.) und Martin Engel im Lemförder Rittersaal gastierten.

Lemförde - Von Christa Bechtel. Gleich zwei „Engel“ konnte Juliane Theinert vom KulturBunt am Mittwochabend im Lemförder Rittersaal zu einem literarischen Klavierabend begrüßen: Martin Engel, Klavier, und Burkhard Engel, Lesung. „Liszt, Chopin und Heinrich Heine: Französische Verhältnisse“ lautete der Titel.

Burkhard Engel und sein Sohn Martin sind dem Lemförder Publikum keine Unbekannten mehr. 2011 gastierte Burkhard Enge mit seinem heiter-literarischen Programm „Männer“ im Rittersaal. Im Januar 2012 konzertierte der Klaviervirtuose Martin Engel dann in Lemförde. Er ist von Geburt an blind und begann mit neun Jahren das Klavierspiel zu erlernen, studierte an der Musikhochschule in Karlsruhe und schloss seine Studiengänge „Eins mit Auszeichnung“ ab.

Das Programm eröffnete Martin Engel mit Claude Debussys „Images I” mit den Teilen „Reflets dans l'eau”, wo man die flirrenden Lichter auf dem Wasser förmlich hören kann, „Hommage à Rameau” sowie „Mouvement“. Mal kraftvoll, dann poetisch, mit perlendem Anschlag verlieh er diesem Werk geradezu plastische Leuchtkraft.

Claude Debussy traf 1885 im Alter von 23 Jahren in Rom den 74-jährigen Franz Liszt, der ihm aus seinen romantisch-impressionistischen Klavierwerken „Années de pèlerinage“ vorspielte. Liszt sei der größte Pianist, den er je gehört habe, schwärmte Debussy.

Heine habe über Franz Liszt gesagt: „…dass er kein stiller Klavierspieler für ruhige Staatsbürger und gemütliche Schlafmützen sein kann. Wenn er am Fortepiano sitzt und sich mehrmals das Haar über die Stirne zurückgestrichen hat und zu improvisieren beginnt, dann stürmt er nicht selten allzu toll über die elfenbeinernen Tasten – und es er-klingt eine Wildnis von himmelhohen Gedanken…“, rezitierte Burkhard Engel. Passend dazu schloss sich von Liszt „Les jeux d'eaux à la Villa d'Este” aus den “Années de pèlerinage an – und virtuos, raumfüllend brillierte Martin Engel mit seinem Spiel.

Bevor der hochbegabte Pianist von Frédéric Chopin die „4. Ballade f-Moll, op. 52“ erklingen ließ, verdeutlichte sein Vater Heines Gedanken zu diesem bekannten Komponisten. Mal versonnen, mal federleicht, fast wie eine Meeresbrise durchzog Engels Spiel nun den Rittersaal.

„Ich bin gerne hier; dieser Raum, dieser Flügel“, schwärmte Martin Engel in der Pause. Doch wie studiert der Blinde seine Stücke ein? „Mithilfe der Braille-Musikschrift. Die beiden Hände sind untereinander notiert. Partiell, beispielsweise acht Takte rechte - und acht Takte linke Hand darunter. Man liest beide Hände getrennt, also die linke liest, die rechte spielt – und umgekehrt. Man hat die Noten dann im Kopf und auswendig setzt man das Stück zusammen“, verdeutlichte der 1986 in Heidelberg Geborene. Für die Ballade von Chopin habe er etwa zwei Wochen benötigt. „Dann kommt der Feinschliff und die Ausarbeitung“, erklärte er lächelnd.

Während Burkhard Engel auch im zweiten Teil Gedanken Heinrich Heines, aber auch Geschichtliches vortrug, übertrug sich Martin Engels sprühende Spielfreude mehr und mehr auf das Auditorium. Ob von Liszt „Funérailles“, von Chopin die Polonaise-Fantasie As-Dur op. 61 oder als Schlusslicht Liszts Paraphrase nach der Oper „Rigoletto“ von Verdi: Immer wieder wurden Bravorufe laut. Und am Ende wollte der Jubel gar nicht enden, sodass die „Engel“ noch eine Zugabe gaben, die eine große Zeit in Lemförde lebendig werden ließen.

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