„Die Idee sollte man verwerfen“

Brockumerin möchte Trickbetrüger stoppen - doch die Polizei macht nicht mit

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Senioren sind besonders häufig Opfer von Trickbetrügern am Telefon. Die Polizei rät, sich nicht auf die Betrüger einzulassen und stattdessen aufzulegen.

Brockum - Die Masche ist bekannt und doch immer wieder erfolgreich. Trickbetrüger melden sich – meistens bei älteren Menschen – per Telefon und geben sich als Enkel in Geldnöten, angebliche Polizisten oder Überbringer von Gewinnen aus. Ihr Ziel ist immer das gleiche: das Geld der Angerufenen.

Auch Dagmar Heinze aus Brockum erhielt in den vergangenen Tagen mehrere solcher Anrufe. Darauf hereingefallen ist die Rentnerin nicht. Stattdessen wollte sie die Betrüger mithilfe der Polizei in die Falle locken. Doch die Beamten hätten daran kein Interesse gehabt, bedauert sie. Allerdings ist es auch nicht ganz so einfach, den Trickbetrügern habhaft zu werden, erläutert Polizeipressesprecher Thomas Gissing auf Nachfrage.

Wie die Brockumerin berichtet, wurde sie in der vergangenen Woche kontaktiert. Sie habe 38.500 Euro gewonnen, wurde ihr gesagt. Um das Geld zu bekommen, müsse sie aber vorab 1000 Euro für Notarkosten und den Sicherheitsdienst zahlen, der den Gewinn in einem Koffer vorbeibringen solle. „Ich bin bewusst darauf eingegangen“, so Heinze. Sie diskutierte mit dem Anrufer, erklärte ihm, dass sie so viel Geld nicht habe. Er schlug vor, die Summe von Bekannten zu leihen und über eine Google Cash Card zu zahlen.

„Man kann solche Leute nicht stoppen“

Nach Beendigung des Telefonats rief sie bei der Polizeidienststelle in Lemförde an. Dort sei man auf ihren Vorschlag, zum Schein auf die Betrüger einzugehen und sie auf frischer Tat zu stellen, aber gar nicht eingegangen. Die Beamten hätten die Herforder Telefonnummer, die sie notiert hatte, gar nicht haben wollen und ihr nur geraten, keine Anrufe von dieser Nummer mehr anzunehmen. „Man kann solche Leute nicht stoppen“, habe der Polizist gesagt.

„Das finde ich schade. Ich hätte mir gewünscht, es zu versuchen. So haben die Betrüger ja leichtes Spiel. Ich denke dabei auch an meine Mitmenschen, die auf solche Anrufe hereinfallen“, sagt Dagmar Heinze.

Polizeisprecher rät vom Fallenstellen ab

So einfach, wie es sich die Brockumerin vorstellt, ist es nach Einschätzung von Thomas Gissing nicht, Trickbetrüger in die Falle zu locken. „Ich glaube, dass man sich da überschätzt.“ Die Anrufer seien so gut geschult und so geschickt, dass man gar nicht merke, wie man beeinflusst werde. Das Szenario, das Dagmar Heinze vorschlug, hat die Polizei im Landkreis laut Gissing schon durchgespielt. Der Angerufene sei zum Schein auf die Betrüger eingegangen, die Polizei habe ihn beschattet, doch die Betrüger hätten sich nicht blicken lassen. „Die Idee sollte man verwerfen“, meint Gissing. Auch er rät, im Fall dubioser Anrufe sofort aufzulegen, solange noch kein Schaden entstanden ist.

Im südlichen Landkreis Diepholz ist es laut dem Pressesprecher im Moment ruhig. Vor einigen Wochen habe es in Diepholz und Sulingen allerdings relativ viele dieser Anrufe gegeben. „Innerhalb von zwei bis drei Stunden haben sich etwa 30 Bürger bei uns gemeldet.“ In solchen Hochphasen nimmt das entsprechende Fachkommissariat mit den Angerufenen Kontakt auf und fragt ab, wie die Stimme klang, welche Fragen gestellt wurden und ähnliches. Doch zum Erfolg führen diese Ermittlungen selten.

Rückverfolgung von Nummern sehr schwierig

Auch die Rückverfolgung von Telefonnummern ist laut Gissing sehr schwierig, denn oft wird im Display eine falsche Nummer angezeigt.

So bleibt der sicherste Weg, Trickbetrügern das Handwerk zu legen, sich nicht auf sie einzulassen und aufzulegen – und insbesondere ältere Menschen immer wieder vor diesen Anrufen zu warnen. Wobei nach Gissings Erfahrung nicht nur Senioren auf diese Betrüger hereinfallen, sondern auch Menschen mittleren Alters.

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