Brockumerin erkrankt mit elf Jahren an Leukämie / Rettende Transplantation

Arzt sagt: „Ich glaube, Marieke ist ganz krank“

Die schwere Erkrankung verdrängt, aber nicht vergessen: Die heute 20-jährige Marieke Rennegarbe aus Brockum hatte vor neun Jahren Leukämie. Die Knochenmarkspende eines Mannes aus Dresden rettete ihr damals das Leben. Heute freut sich die junge Brockumerin auf die Eröffnung des Großmarktes, den sie an allen vier Tagen genießen möchte.
+
Die schwere Erkrankung verdrängt, aber nicht vergessen: Die heute 20-jährige Marieke Rennegarbe aus Brockum hatte vor neun Jahren Leukämie. Die Knochenmarkspende eines Mannes aus Dresden rettete ihr damals das Leben. Heute freut sich die junge Brockumerin auf die Eröffnung des Großmarktes, den sie an allen vier Tagen genießen möchte.

Brockum - Schon als junges Mädchen hat die heute 20-jährige Marieke Rennegarbe aus Brockum Jahr für Jahr dem Großmarkt vor der eigenen Haustür entgegengefiebert. Auch 2005, bei der 447. Auflage des viertägigen Volksfestes. Gleich zum Auftakt am Samstag startete sie bei herrlichem Spätherbstwetter gut gelaunt mit Freundinnen zu einem ausgedehnten Bummel über das Feiergelände.

Wenige Stunden später wandelte sich die anfängliche gute Laune in Schüttelfrost und Fieber. Zum ersten Mal machten sich bei der damals elfjährigen Marieke Symptome einer heimtückischen Krankheit bemerkbar. Sie litt an Blutkrebs, einer besonders aggressiven Form von Leukämie.

Die damalige Fünftklässlerin des Gymnasiums Diepholz war von ihrem Marktbesuch schon früh wieder zu Hause. Mit dicker Jacke und Schal ging es zum Hausarzt. Der diagnostizierte zunächst eine Angina und verschrieb entsprechende Medikamente. In Kürze sollte sich der Gesundheitszustand wieder verbessern, machte der Doktor dem Mädchen Mut. Tat er aber nicht. Bei einer weiteren Untersuchung durch einen Kinderarzt äußerte der Spezialist zwei Tage später den Verdacht auf eine Lungenentzündung und wies die Elfjährige zur stationären Weiterbehandlung ins Dammer Krankenhaus ein. Linderung gab es aber nur vorübergehend. Die junge Brockumerin war nach wie vor müde und schlapp. Eine Reihe von Blutuntersuchungen folgten.

„Ich glaube Marieke ist ganz krank“, war das bittere Ergebnis, das der Kinderarzt dem Mädchen und seiner Mutter Anette mitteilte. Für beide drohte eine Welt zusammen zu brechen. Weil das Fieber schon wenig später auf über 40 Grad anstieg, wurde Marieke nachts in die Notaufnahme der Universitätsklinik Münster aufgenommen. Am 21. November, drei Wochen nach dem Großmarkt, erhielt Anette Rennegarbe um 22 Uhr die erschütternde Diagnose der behandelnden Ärzte: „Ihre Tochter hat Leukämie“. Eine sofort eingeleitete Chemotherapie zeigte keine Wirkung. „Nur eine Knochenmarkspende kann Marieke helfen“, waren sich die Ärzte der Uni-Klinik einig.

In der Folge setzte in der Dümmerregion und darüber hinaus eine Welle der Hilfs- und Spendenbereitschaft für die schwer kranke Marieke ein. Initiiert und organisiert wurden die Aktionen von einem Sextett aus Freunden und Bekannten: Nicole und Arne, Lars und Jeanette, Heinz und Monika. Noch heute sind Anette Rennegarbe und ihre Tochter von der großen Anteilnahme der Menschen überwältigt. „Fast jeden Tag kamen schriftliche Genesungswünsche, auch von Leuten, die wir gar nicht kannten“, erinnern sich beide.

Los ging es damals mit dem Basteln von sogenannten „Marieke-Käfern“, die in vielen Geschäften für Geldspenden aufgestellt wurden. Die Aktionen gipfelten in einer ganztägigen Typisierungsaktion in den Räumen des Diepholzer Gymnasiums. Weit mehr als 1000 Personen stellten damals jeweils einen halben Liter Blut für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) in Dessau zur Verfügung.

Dort war aus dem großen Fundus zwischenzeitlich ein bei einer Typisierungsaktion in Dresden registrierter Knochenmarkspender mit einer 90-prozentigen Übereinstimmung der genetischen Merkmale von Marieke gefunden worden. Die Hoffnung war groß, sank aber schnell wieder, weil das von dem Mann aus Dresden transplantierte Knochenmark nicht genügend Stammzellen produzierte. Entwarnung gab es erst am 15. Tag nach der Transplantation: Der Zustand Mariekes besserte sich zusehends.

Obwohl man der heute 20-Jährigen die mehrere Monate dauernde Behandlungstortur längst nicht mehr ansieht, leidet sie doch noch an den Folgen. Körperlich fühlt sie sich nach wie vor oft schwach, das Immunsystem steht auf ziemlich wackeligen Beinen, die Sonnenempfindlichkeit ist sehr hoch, und mit Ernährungseinschränkungen muss die junge Brockumerin seitdem auch leben.

All die negativen Begleitumstände haben Mariekes Tun in ihrem „Leben nach Leukämie“ aber nicht großartig eingeschränkt. An der heutigen Oberschule in Wagenfeld hat sie vor gut drei Jahren den Realschulabschluss als Jahrgangsbeste geschafft, danach bei der Firma PTW in Wagenfeld und die letzten sechs Monate im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Wagenfelder Unternehmen bei der Paul Schockemöhle Pferdehaltung GmbH in Mühlen eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolviert. Und wenn alles nach Plan läuft, kann sie in Kürze in ihrer Heimatgemeinde die erste eigene Wohnung beziehen.

„Weil mich der Pferdesport fasziniert, habe ich in Mühlen meinen Traumberuf gefunden“, ist Marieke heute ausgesprochen zufrieden und glücklich. Auch deswegen, weil sich durch die Arbeit in Mühlen in jüngster Vergangenheit der Freundes- und Bekanntenkreis vergrößert hat, mit dem sie vom 1. bis 4. November die 456. Auflage des Brockumer Großmarktes unsicher machen will. „Als Brockumerin möchte ich natürlich alle vier Tage dabei sein“, verrät sie. „Eingeplant ist am Montagabend auf jeden Fall ein Besuch des Torfrock-Gastspiels im Bayernzelt, und wenigstens einmal möchte ich den Nervenkitzel im mehr als 40 Meter hohen Großkettenflieger erleben.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Meistgelesene Artikel

Auto-Brand in Stuhr: Mutiger Helfer zieht Frau von Flammen weg und löscht sie im Bach

Auto-Brand in Stuhr: Mutiger Helfer zieht Frau von Flammen weg und löscht sie im Bach

Auto-Brand in Stuhr: Mutiger Helfer zieht Frau von Flammen weg und löscht sie im Bach
Schwerer Unfall in Asendorf: 76-Jährige prallt mit Auto gegen Baum

Schwerer Unfall in Asendorf: 76-Jährige prallt mit Auto gegen Baum

Schwerer Unfall in Asendorf: 76-Jährige prallt mit Auto gegen Baum
B 51 nach Unfällen rund eine Stunde gesperrt

B 51 nach Unfällen rund eine Stunde gesperrt

B 51 nach Unfällen rund eine Stunde gesperrt

Kommentare