1000 Schweine und 20 Bullen pro Woche

Rat Brockum unterstützt Schlachthaus-Pläne auf dem Hof Lüsse

Der Brockumer Landwirt Sebastian Lüsse möchte auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb an der Fladderstraße ein Schlachthaus errichten.
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Der Brockumer Landwirt Sebastian Lüsse möchte auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb an der Fladderstraße ein Schlachthaus errichten.

Brockum – Der Rat der Gemeinde Brockum unterstützt die Pläne des Landwirts Sebastian Lüsse für die Errichtung eines Schlachthauses mit Kühlung und Zerlegung auf seinem Hof an der Fladderstraße. Bei einer Enthaltung stimmte er dafür, mit der Aufstellung des Bebauungsplans „Fladderstraße“ die planungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Für die Genehmigung des Schlachthauses ist der Landkreis Diepholz zuständig.

Wie berichtet, haben Sebastian Lüsse und seine Frau Lisa Maria ihren landwirtschaftlichen Betrieb 2016 auf nachhaltige Tierhaltung umgestellt. Aktuell halten sie rund 2500 Schweine der Duroc-Kreuzung (Haltungsstufe 4) und 400 Simmentaler Rinder (Haltungsstufe 3), die sich sowohl in ihren Ställen als auch in Außengehegen frei bewegen können. Ihre Fleischprodukte verkaufen sie unter dem Namen „leckernatur“. Mit einem eigenen Schlachthaus wollen sie ihr Ziel eines geschlossenen Systems von der Mast über die Schlachtung bis zur Vermarktung umsetzen.

Anfangs sollen vor Ort 700 bis 800 Schweine und sechs bis acht Bullen pro Woche geschlachtet werden, langfristig sollen es 1000 Schweine und 20 Bullen pro Woche sein. Die Tiere sollen laut Verwaltung von fünf Betrieben aus der Region stammen, von denen die Familie Lüsse drei selbst betreibt.

Fünf bis sechs Tiertransporte pro Woche

Es wird prognostiziert, dass fünf bis sechs Lkw-Transporte pro Woche anfallen. Da Lüsses eigene Tiere zur Schlachtung nicht mehr abtransportiert werden müssen, scheint diese Annahme aus Sicht der Verwaltung realistisch. Ein erhöhter Lkw-Verkehr durch den Schlachtbetrieb sei daher nicht zu erwarten.

Zunehmen wird dagegen der Auto-Verkehr. Zum einen durch die steigende Mitarbeiterzahl – mittelfristig sollen 50 Arbeitsplätze geschaffen werden – zum anderen durch die Auslieferung der Fleischprodukte an die regionalen Abnehmer. Sie wird laut Lüsse zu 90 Prozent mit Sprintern erfolgen.

Nachbarn befürchten höheres Verkehrsaufkommen

Ratsfrau Mechthild Kortenbruck bewertete Lüsses Vorhaben als zukunftsweisendes Konzept. „Es ist mutig, so etwas anzupacken.“ Allerdings gebe es auch Bedenken von den Nachbarn. Das im etwa 300 Meter entfernten Forsthaus lebende Paar fürchtet eine Minderung seiner Lebensqualität und des Wertes seiner Immobilie durch zunehmenden Verkehr. Sie müssten dann Lärm von zwei Seiten ertragen, von der Kreisstraße „Zur Sette“ und von der Fladderstraße, beklagten sie. Lüsses Vorhaben verhindern wollen sie nach eigener Aussage nicht, aber sie würden sich eine Zufahrt zum Betrieb wünschen, die nicht an ihrem Grundstück vorbeiführt.

Zum Verkehrsaufkommen erklärte Sebastian Lüsse, dass Schlachtungen werktags von 6 bis 16 Uhr geplant seien. Allerdings würden die Tiere für die morgendlichen Schlachtungen, schon am Vortag angeliefert, damit sie im Stall zur Ruhe kommen könnten. Lüsse geht davon aus, dass dreimal pro Woche Tiere von anderen Betrieben angeliefert werden. Die übrigen stammten vom eigenen Hof. Daher sei es auch möglich, auf Transporte während des Wochenendes zu verzichten und zu Wochenbeginn eigene Tiere zu schlachten. „Die Lebensqualität würde ja auch für uns verloren gehen“, sagte Lüsse hinsichtlich der Sorgen seiner Nachbarn über Lieferfahren zu unchristlichen Zeiten.

Mechthild Kortenbruck zeigte sich zuversichtlich, dass der Landkreis beim Genehmigungsverfahren mögliche Auswirkungen auf die Nachbarn im Blick haben wird. Er sei in diesen Fragen sehr streng.

Beschluss

Der Brockumer Rat hat bei einer Enthaltung die Aufstellung eines Bebauungsplans für die Errichtung eines Schlachthauses beschlossen. Voraussetzung für die Umsetzung ist, dass Sebastian Lüsse die Planungskosten in Höhe von rund 11000 Euro übernimmt. Hierfür soll die Verwaltung mit ihm einen städtebaulichen Vertrag abschließen

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