Karo Fischer entwirft und produziert in Marl Gewänder für Mittelalter- und LARP-Fans

Brautkleid für schottische Hochzeit

Bei ihren Fantasy-Gewändern lebt Karo Fischer ihre Kreativität voll aus. 
Foto: Jonas Radtke
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Bei ihren Fantasy-Gewändern lebt Karo Fischer ihre Kreativität voll aus.
  • Melanie Russ
    vonMelanie Russ
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Marl – Mittelalterliche Gewänder aus edlen Stoffen – mal ganz schlicht, mal opulent – sind die große Leidenschaft von Karo Fischer. Schon seit ihrer Kindheit. „Ich wollte immer nähen“, sagt die 34-Jährige, die heute ein Atelier in Marl betreibt. In ihrer Gewand Manufaktur entwirft und produziert sie historische Kleidung aus der Mittelalterzeit.

Die gebürtige Thüringerin lebte nach ihrer Ausbildung zur bekleidungstechnischen Assistentin und Modenäherin und einem Studium zur Schnittdirektrice einige Jahre in Köln und wurde schließlich von einem „Ritter auf einem weißen Ross“ in die Region entführt. Der Ritter ist inzwischen entschwunden, doch Karo Fischer ist geblieben.

Bei ihren historischen Gewändern aus der Zeit des 10. bis 15. Jahrhunderts legt die 34-Jährige nach eigener Aussage großen Wert auf Authentizität. „Ich orientiere mich an historischen Vorbildern. Ich liebe es, so genau wie möglich zu arbeiten.“ Das gilt nicht nur für die Optik, sondern auch für die Verarbeitung. Wer bereit ist, eine entsprechende Summe auszugeben, der bekommt ein komplett von Hand genähtes Gewand. Ihre Kunden wüssten diese Liebe zum Detail zu schätzen, denn auch ihnen sei eine möglichst große Originaltreue sehr wichtig, so Fischer.

Brautkleid für schottische Hochzeit

Der Großteil ihrer Kunden stammt aus Nordwestdeutschland, aber auch aus Süddeutschland und der Schweiz kommen laut Fischer Anfragen. „Ich habe sogar schon ein Brautkleid nach Schottland verkauft“, erzählt sie. Die Braut sei zur Schlussanprobe extra über Bremen nach Marl gekommen.

So konsequent sie bei der Authentizität ihrer historischen Gewänder ist, so sehr liebt sie es, sich bei ihren Fantasy-Entwürfen kreativ auszutoben. Deren Zielgruppe sei nicht zuletzt durch „Der Herr der Ringe“ und „Game of Thrones“ gewachsen.

Fischer ist aber nicht nur die historische Genauigkeit wichtig. „Ich habe einen unheimlich hohen Anspruch an Qualität.“ Das Leinen lässt sie nach ihren eigenen Vorgaben in Tschechien fertigen. Auch das Leder bezieht sie von dort. Merinowolle, Seide, Brokate und Damaste werden laut Fischer in Deutschland hergestellt.

Die Leidenschaft für das Mittelalter und schöne Gewänder begleitet die 34-Jährige schon seit ihrer Kindheit. Das könnte daran liegen, dass ihre Mutter mit ihr sehr viele Märchen und Serien geschaut hat, in denen üppige Gewänder zu sehen waren. Schon als Kind habe sie die Porzellanpuppen ihrer Mutter immer neu eingekleidet. Seit 2012 nähte sie ihre Kleider zunächst im Nebenerwerb. Als die Anfragen mehr wurden, wagte sie den Sprung in die Selbstständigkeit. Danach seien die Anfragen explodiert, so Fischer. Klingt nach den besten Voraussetzungen für ein florierendes Geschäft. Doch am Anfang sei einiges schief gelaufen, berichtet sie. „Ich habe mich übernommen. Ich bin quasi unter den Aufträgen zusammengebrochen“, beschreibt sie die Arbeitslast, die 2019 in einem Burn-out gipfelte.

Karo Fischer entwirft und produziert in Marl Gewänder für Mittelalter- und LARP-Fans

Fischer zog die Notbremse, dachte viel über ihre Zukunft nach und stellte ihr Atelier zu Beginn des Jahres neu auf. „Ich habe sehr viel Glück gehabt und zwei neue Schneidergesellen gefunden“, freut sie sich. Zu dritt hätten sie in drei Monaten alle bestehenden Aufträge abgearbeitet. „Wir waren bereit für die neue Saison.“ Und dann kam Corona.

Finanziell trifft die Zwangspause die 34-Jährige nach dem vergangenen Jahr doppelt hart. „In den ersten zwei Wochen nach Beginn der Einschränkungen sind fast alle Aufträge weggebrochen.“ Der Mai sei dann wieder okay gewesen, doch es fehlten die wichtigen Einnahmen aus Mittelaltermärkten und ähnlichen Veranstaltungen. Um diesen Ausfall etwas aufzufangen, präsentiert sie ihre Kreationen derzeit samstags von 11 bis 18 Uhr in einem Zelt auf dem Gelände ihres Ateliers. Interessierte können sich über ihre Homepage www.gewand-manufaktur.com anmelden.

Karo Fischer kann der Zwangspause aber auch Positives abgewinnen. Sie hat jetzt Zeit für Inhaltliches. So plant sie eine neue Kollektion mit alltagstauglicher Mittelalterkleidung. Außerdem möchte sie ihre Schnittmuster verkaufen und Workshops und Tutorials für Hobbynäher anbieten, die ihre Gewänder selbst herstellen wollen. „Und nächstes Jahr geht es mit den Märkten ja weiter“, ist sie zuversichtlich,

Von Melanie Russ

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