Bewegung führt zu Veränderungen

Atelier Hof Ivre Mort stellt besonderes Kunstprojekt vor

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Kunst mit aktiver Beteiligung: Die Besucher konnten weißen Bällen einen kleinen Stoß geben und im Zerrspiegel sich verändernde Formen betrachten. 

Marl - Von Christa Bechtel. Christoph Ransmayrs epischer Roman „Der fliegende Berg“ ist der Ursprung eines Kunstprojektes, das das Künstlerpaar Dorothe Alexander Märzröcke und Nikolai Natasja Sahawi am vergangenen Wochenende in ihrem Atelier Hof Ivre Mort in Marl-Haßlinge interessierten Besuchern vorstellte. Unter ihnen weilte auch Marls Bürgermeister Ludwig Wiegmann.

„Das Ausstellungskonzept baut darauf auf, den Prozess von Vergänglichkeit und Erneuerung über möglichst verschiedene Wahrnehmungsebenen zu verdeutlichen. Zunächst intellektuell über den Einladungstext. Dann über Bilder und Bildobjekte, die die gewohnte optische Ebene ansprechen sowie über eine eher ungewohnte Optik durch eine Videoinstallation, die einen Akt von Verbrennung zeigt, der zu immer neuen Formen führt“, stellten die Künstler im Gespräch die Schritte ihres Kunstprojektes kurz vor.

„Dieser Text bildet den Mittelpunkt zu dem, was ihr heute hier seht und auch vielleicht, was ihr erlebt“, ging Dorothe Alexander Märzröcke zur Eröffnung auf die Einladungskarte ein, um dann den kurzen Text aus Ransmayrs Buch vorzulesen. „Er ist der strahlendste und größte von allen. Er soll jeden daran erinnern, dass nichts, nichts – und sei es noch so mächtig, so schwer, eingepanzert, unbetretbar, unbesiegbar für immer bleiben durfte, sondern dass alles davon musste verfliegen irgendwann auf und davon. Dass dann aber auch das Verschwundene nicht für immer verschwunden blieb, sondern nach dem Stillstand und Neubeginn selbst der allerfernsten Zeit und, wenn auch verwandelt, zersprungen zu tausend neuen Formen und Gestalten wiederkehrt.“

„Neuanfang im Leben und auch in unserer Kunst“

„Der hat uns zehn Jahre lang immer wieder beschäftigt, mal unbewusst, mal bewusst“, gestand Märzröcke. 2006 hatte sie das Buch ihrem Mann Nikolai geschenkt, als der vor einer schwierigen Operation stand. „Und dann geschah es, dass durch diese OP unser Leben damals wegflog. Wir wussten überhaupt nicht, was uns die Zukunft bringt“, erklärte sie ihrem Zuhörerkreis. Doch: „Auf wunderbare Art und Weise gab es einen Neuanfang im Leben und auch in unserer Kunst.“

Start sei eine Ausstellung in der französischen Schweiz in der Nähe von Genf gewesen. „Dort hat Nikolai unter dem Thema ,Die Welt‘ eine Installation gebaut“, erläuterte Dorothe Märzröcke, die dazu, direkt vor Ort, 100 Plastikfiguren als ‚Menschheit‘ kreierte. Als sie die Figuren fertigte, hatte sie sich auch mit der Bibel, mit der Schöpfungsgeschichte beschäftigt. „Dort war mir der Satz aufgefallen: ‚Und groß war die Bosheit des Menschen‘.“

Diesem Satz wollte sie Ausdruck verleihen, indem sie eine Plastikfigur verbrannte und davon ein Video erstellte. „Diese Figur bewegte sich in dem Feuer – und es war für mich ganz schrecklich“, erwähnte sie ihre damaligen Gefühle. Es passierte dann, „dass sich eine neue Form bildete.“ Diese bannte sie auf ein Bild, das die Gäste später nebst der Videoinstallation, die mit Walgesang unterlegt worden war, sowie eine der noch übriggebliebenen 99 Figuren in ihrem Atelier sehen konnten. Und der Text realisierte sich.

Zahlreichen Bälle auf dem Boden des Ateliers

Parallel hatten beide in den zurückliegenden Jahren Bilder und Objektbilder entstehen lassen, die auf eine besondere Art und Weise mit dem Thema eine Symbiose eingingen. Der erste Gang führte die Besucher in das Atelier von Nikolai Natasja Sahawi und seinen Bildern. Was sofort ins Auge sprang waren die zahlreichen Bälle, die auf dem Boden in der Mitte des großen Ateliers lagen. „Es fliegt alles davon und kehrt zurück in veränderten Formen“, stellte der Künstler die Grundaussage seiner Werke dar.

Im Rahmen einer Performance konnten sich alle Besucher aktiv an der Kunst beteiligen, indem sie den Bällen einen kleinen Stoß gaben. In einer Zerr-Spiegelinstallation sahen Jung und Alt dann, dass die Bewegung zu Veränderungen führt beziehungsweise dass immer wieder etwas Neues entsteht. Und der Spieltrieb des Publikums erwachte…

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