Bettina Hofmeister seit dem 1. Januar stellvertretende Gemeindebrandmeisterin

„Frauen eine Bereicherung für die Feuerwehr“

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Bettina Hofmeister ist seit dem 1. Januar stellvertretende Gemeindebrandmeisterin der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ und damit die erste Frau, die diese Funktion innerhalb der Kreisfeuerwehr im Landkreis Diepholz ausübt.

Lemförde - Von Christa Bechtel. „Zur Feuerwehr gekommen bin ich durch meinen Mann. Als wir uns kennengelernt haben hat er mir gesagt, dass er bei der Feuerwehr ist. Das fand ich im ersten Moment ganz lustig, weil ich das von der Großstadt nicht so kenne. Als ich dann nach Lemförde kam habe ich gedacht: Was Axel kann - er rennt nachts auch immer weg - das kann ich auch“, erzählt Bettina Hofmeister schmunzelnd, wie sie Mitglied der Ortsfeuerwehr Lemförde wurde.

Mit Wirkung vom 1. Januar wurde die gebürtige Berlinerin von der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ zur Ehrenbeamtin ernannt. Sie ist jetzt stellvertretende Gemeindebrandmeisterin, damit auch die erste Frau, die diese Funktion innerhalb der Kreisfeuerwehr im Landkreis Diepholz ausübt.

Seit 2001 ist Bettina Hofmeister Mitglied der Ortsfeuerwehr Lemförde, absolvierte sämtliche Grundlehrgänge. Zusätzlich widmete sie sich der Brandschutzerziehung und vermittelt dieses Wissen in Kindergärten und Schulen. In weiterführenden Schulungen schloss sie den Gruppenführer-Lehrgang ab und wurde zur stellvertretenden Gruppenführerin gewählt.

Es kommt ja nicht so oft vor, dass Frauen in der Feuerwehr sind. Braucht man dafür nicht gewisse „Muckis“ beziehungsweise einen Fitnesstest? „Nein, Frauen und Männer müssen das Gleiche machen; da wird kein Unterschied gemacht. Oder jeder macht das, was er sich zutraut, da wir alles freiwillig und ehrenamtlich tun. Aber manchmal sind die Frauen sogar ausdauernder als die Männer“, erklärt die gelernte Buchhändlerin lächelnd, die heute als kaufmännische Angestellte bei Getränke Meyer in Lembruch und zeitweise auch im Versicherungsmaklerbüro ihres Ehemannes tätig ist.

Gab es für Bettina Hofmeister einen besonders positiven oder vielleicht auch lustigen Einsatz? „Lustig war, was eigentlich relativ oft vorkommt, aber für uns war es das erste Mal, dass eine Katze im Baum war. Da wir zuhause selbst eine Katze haben, kenne ich mich damit aus und habe zu unserem Ortsbrandmeister gesagt: Lass mich mal hoch; ich kenne mich damit besser aus. Ich habe die Katze dann runtergeholt – das war für mich ein Highlight“, freut sich die engagierte Feuerwehrfrau immer noch, dass sie dieses Tier gerettet hat. Gibt es auch körperliche Herausforderungen? „Ja, wenn man schweres Gerät anpacken muss. Oder, was nicht unbedingt körperlich, aber seelisch schwer ist, sind Verkehrsunfälle mit Toten“, weiß die Wahl-Lemförderin, die solche Einsätze im Gespräch mit ihrem Ehemann oder innerhalb der Feuerwehr aufarbeitet. „Bis jetzt habe ich alles gut weggesteckt“, sagt sie spontan.

Die erste Antwort

war „nein“

Als Ende 2014 das Amt des stellvertretenden Gemeindebrandmeisters vakant wurde, habe man sie gefragt. Im ersten Moment sagte Bettina Hofmeister „nein“. Als sie jedoch immer öfter gefragt wurde, „macht man sich Gedanken: Warum fragen die mich?“. Daraufhin setzte sie sich mit der Thematik auseinander und kam zu dem Entschluss: „Warum nicht!“ 2015 übernahm sie das Amt kommissarisch. „Da ich noch einen Führungslehrgang brauchte, den ich im Dezember erfolgreich absolviert habe“, veranschaulicht die frischgebackene stellvertretende Gemeindebrandmeisterin. Zukünftig kommen auf sie viele Bürotätigkeiten zu wie archivieren, Statistiken schreiben, etliche E-Mails beantworten und weiterleiten. Aber vor allen Dingen ist sie für das Lehrgangswesen zuständig. Das heißt, Bettina Hofmeister übernimmt die Verteilung/Aufteilung, wie die einzelnen Lehrgänge von den Kameraden belegt werden können.

„Es ist schwer, Männer oder Frauen zu motivieren, als Quereinsteiger der Feuerwehr beizutreten“, bedauert Bettina Hofmeister, die sich selbst als Quereinsteigerin sieht. Das Problem sei auch, dass es zunehmend schwieriger werde, Personen zu bekommen, die Führungsaufgaben wahrnehmen wollen, weiß ihr Ehemann Axel aus seiner langjährigen Arbeit, der ergänzt: „Frauen denken anders als Männer, weil sie eine andere Vorgehensweise haben; sie sind deshalb eine Bereicherung.“ Für die Zukunft wünscht sich Bettina Hofmeister: „Wenig Einsätze. Und wenn Einsätze, dass die alle gut ablaufen und dass alle heil zurückkommen.“

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