Bericht aus dem Hofalltag

Landwirt Joachim Schmedt spricht beim Gründlandtag

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Landwirt Joachim Schmedt berichtete im Rahmen des Grünlandtages aus der Praxis.

Stemshorn - Tacheles sprach Landwirt Joachim Schmedt zu den Fachleuten aus Wissenschaft, Kammern, Verbänden und Naturschutz am Grünlandtag.

Er berichtete aus der Praxis über seine Erfahrungen zur Mutterkuhhaltung auf extensiven Grünlandflächen im Ochsenmoor. Seinem launigen Vortrag zum Hof, der Tierhaltung, der zahlreichen existenziellen Entscheidungen für die Landwirtsfamilie seit Mitte der 1980er Jahre waren Fachvorträge vorausgegangen.

„So, nun spricht der Bauer zu ihnen“, sagte Schmedt zur Einleitung. Von der Eingangsfrage „Können wir es wagen, neben unserer intensiv geführten Landwirtschaft in eine extensive Bewirtschaftung von Feuchtgrünland über Mutterkuhhaltung einzusteigen?“ kam der Landwirt mit Lehrgeld, Erfahrungsschatz, wissenschaftlicher Betreuung und dem Mut, umzusteigen zu dem Schluss: „Wenn unsere Gesellschaft weiterhin möchte, dass Naturschutzgrünland in landwirtschaftliche Produktionsverfahren integriert wird, sprich Weidehaltung, muss das wirtschaftlich darstellbar sein.“ Hier seien Landwirtschaftspolitiker und vor allem Umweltpolitiker gefordert, akzeptable Regelungen zu entwickeln.

Keine Lust auf intensive Landwirtschaft

Hintergrund für Schmedts „Nach-Vorn-Entwicklung“ waren die Flurbereinigungsverfahren zugunsten des heutigen Ochsenmoores als Vogelschutzgebiet. Er hatte damals 75 Prozent der Flächen in dem Bereich. „Entgegen meiner Eltern, wollte ich als junger Landwirt nicht den Weg zum hochintensiven Schweinebetrieb gehen.“ Sein Weg führte ihn neben der Bullenmast zur Rinderhaltung auf Flächen nahe des Schäferhofes, wissenschaftlich unterstützt durch die Universität Göttingen.

„Zu Anfang zweifelten wir sehr, ob dieser Weg richtig ist, denn es gab typische Probleme. Ein Tier zu viel auf der Fläche war ein Problem oder festgeschriebene Mähtermine zu akzeptieren, fiel uns schwer.“ Mit der Einrichtung der Naturschutzstation 1993 wurden die Flächen größer, neu eingezäunt und die Mähtermine flexibilisiert. „Die Bewirtschaftung wurde deutlich vereinfacht“, so Schmedt.

Neben seinem Idealismus sagt er über sich selbst: „Wenn ich nicht gelernt hätte, Prämien zu optimieren, hätten wir es nicht geschafft.“ Und dabei hat er keinen kleinen Betrieb: 850 Schweine, 250 Bullen, 80 Mutterkühe mit Nachzucht und 240 Tiere auf Weide. Er bewirtschaftet 340 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 110 Hektar Acker (auch mit Leguminosen), fünf Hektar Blühflächen, 230 Hektar Grünland, davon 210 Hektar in oder am Naturschutzgebiet.

Schmedts Sohn habe auch keine Lust auf intensive Landwirtschaft, möchte einsteigen und den Bereich Landschaftspflege mit Weidetierhaltung weiterentwickeln. Mit seiner Facharbeit sei es ihm aber wie Schuppen von den Augen gefallen: „Das wird kein Zuckerschlecken.“ Der Anstieg der Grundwasserstände mit angepasstem Maschinenpark, wenig bis keine Düngung erlaubt, Giftpflanzenwuchs, längere Winterfütterungszeiten gekoppelt mit der neuen Düngeverordnung. „Vom ,Problem Wolf‘ in Gebieten mit gewollter Weidetierhaltung mal ganz abgesehen“, führte Schmedt weiter aus.

„Schubser von „dusseligen Tanten“

Und obwohl er den Politikern nicht die beste Note ins Zeugnis schrieb zur Lösung der Herausforderungen, garantierte er den Zuhörern: „Es gibt nichts Schöneres als an einem Abend eines arbeitsreichen Tages einer ,dusseligen Tante‘, die mich mit ihrer großen nassen Schnauze schubst, in die Augen zu schauen.“ Er meinte damit seine Kühe auf der Weide.

Wie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen dem Problem des Aufwuchses von Giftpflanzen in Feuchtgrünlandstandorten entgegensteuert, davon berichtete anschließend Referent Gerd Lange: Der Tatsache, dass in Niedersachsen Giftpflanzen im Extensiv-Grünland auf dem Vormarsch sind und die Verfütterung mit stark giftigen Pflanzen futtermittel- und tierschutzrechtlich problematisch ist, stellte er entgegen: „Wenn wir Landwirte unter den erschwerten Bedingungen auf diesen Flächen halten möchten, müssen wir alternative Lösungen anbieten.“

Lange benannte die Probepraxis eines Unterschnittgerätes gegen den giftigen Sumpfschachtelhalm und die Untersuchung unterschiedlicher stofflicher Verwertungsrichtungen. „Landwirtschaftliche Betriebe mit einem hohen Anteil solcher Naturschutzflächen sollten durch gezielte Investitionsförderung in die Lage versetzt werden, solche nutzbringend zu pflegen.“ 

sbb

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