Ausstellung von Hermann Buß zurTschernobyl-Sperrzone im Dümmer-Museum

Das verlorene Land

Vorbereitung der Ausstellung „Polessje-Elegie – Das verlorene Land“ im Dümmer-Museum: Dennis Improda (v.l.), Sabine Hacke, Hermann Buß, Heinz Palm und Ernst Völkening.
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Vorbereitung der Ausstellung „Polessje-Elegie – Das verlorene Land“ im Dümmer-Museum: Dennis Improda (v.l.), Sabine Hacke, Hermann Buß, Heinz Palm und Ernst Völkening.

Lembruch – Eigentlich ist das raue Meer sein Metier. Als in Ostfriesland aufgewachsener Sohn eines Seefahrers, der als junger Mann selbst zur See fuhr, haben den Maler Hermann Buß weite Horizonte immer angezogen. Vor fünf Jahren drängte sich eine ganze andere, in gewisser Weise aber doch ähnliche Landschaft in sein Herz: die Tschernobyl-Sperrzone in Belarus (Weißrussland).

„Ich habe mich sofort in die Landschaft verliebt“, berichtet Buß von seinem ersten Besuch auf Einladung der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover im Jahr 2015. Eine erstaunlich anmutende Aussage über die 1986 durch die Explosion eines Kernreaktors verseuchte Region. Doch Buß hat ganz genau hingeschaut, hat nicht nur die katastrophalen Folgen der Explosion gesehen, sondern die bemerkenswerte Natur, die sich das ehemals besiedelte Gebiet Stück für Stück zurückholt, und die wenigen Menschen, die dort wieder leben.

Hintergrund der ersten von inzwischen sechs Reisen war der Wunsch der Landeskirche, dass Buß ein Bild anlässlich des 25-jährigen Bestehens ihrer Arbeitsgemeinschaft Tschernobyl-Hilfe anfertigen möge. Aus dem einen sind inzwischen 35 geworden, von denen ein Teil vom 13. September bis 1. November im Dümmer-Museum in Lembruch in der Sonderausstellung „Polessje Elegie – Das verlorene Land“ zu sehen ist. „Und ich bin mit dem Thema immer noch nicht durch“, so Buß.

„Ich war selbst überrascht, dass mich die Landschaft so stark angesprochen hat“, gibt der Künstler zu. Das könnte daran liegen, dass das weite, flache Land eine gewisse Ähnlichkeit zu seiner einst von Mooren und Sümpfen geprägten norddeutschen Heimat und in gewisser Weise auch zur See hat. „Hier fand ich eine ähnliche Leere im guten Sinne, eine Ahnung von Elementarem, Ewigem“, schreibt Buß im zur Ausstellung erschienenen Begleitbuch.

Tristesse und Melancholie

Seine bevorzugte Reisezeit waren Herbst und Winter, was wohl auch ein Grund für die Tristesse und Melancholie ist, die aus den meisten seiner Werke spricht. Zugleich ist aber auch Hoffnung zu erkennen – in den kleinen bunten Details, die zeigen, mit wie viel Liebe die Bewohner ihre einfachen Holzhäuser gestaltet haben, und in der Natur, die nach der Katastrophe wieder aufgeblüht ist. Buß zeigt, dass Verfall nicht nur negativ verstanden sein muss, sondern eine „Verwandlung des Vergangenen in Zukünftiges“ (Juri Andruchowytsch) sein kann.

Seine letzte Reise unternahm der Künstler im Sommer. „Da habe ich eine unglaublich schwelgerische Landschaft gesehen.“ Und er hat die Erkenntnis gewonnen, dass der Mensch nur seinen eigenen Lebensraum zerstört. Die Natur ist stärker und geht ihren eigenen Weg weiter.

Melange aus Gesehenem und Empfundenem

Die zumeist großformatigen Bilder zeigen mit künstlerischen Mitteln, wie die Tschernobyl-Katastrophe das Land und die Menschen verändert hat. Trotz der realistischen Darstellung sind Buß’ Werke keine 1:1-Abbildungen der Realität. „Meine Bilder sind eine Melange aus Gesehenem und Empfundenem“, erklärt der Künstler.

Neben der Natur haben Buß die Menschen in der Polessje-Region besonders beeindruckt, ihre Offenheit und Gastfreundlichkeit. „Ich habe mit vielen Älteren darüber gesprochen, was sie erlebt haben.“ Damit meint er nicht nur Tschernobyl, sondern auch die Gräueltaten der Deutschen während des Zweiten Weltkriegs. „Das war für mich als Deutschem sehr beschämend“, sagt Buß.

Er hat in den Gesprächen aber auch gemerkt, wie viel Norddeutsche und Weißrussen – geprägt durch einen ähnlichen Lebensraum – verbindet. Ernst Völkening, Koordinator der medizinischen Hilfe in der Arbeitsgemeinschaft „Hilfe für Tschernobyl Kinder“ der Landeskirche, bestätigt diesen Eindruck. Belarussen seien Norddeutschen in ihrem Wesen eigentlich verwandter als beispielsweise Franzosen. Der Lemförder hatte den Kontakt zum Dümmer-Museum hergestellt.

Die Wanderausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Museums dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

Termine zur Wanderausstellung

Sonntag, 20. September, 19 Uhr: Reisebericht und Künstlergespräch. Rundgang durch die Ausstellung mit Hermann Buß

Mittwoch, 21. Oktober, 19 Uhr: Gomel – das Leben nach der Tschernobyl-Katastrophe. Bebilderter Vortrag mit Eva und Ernst Völkening.

Der Eintritt bei beiden Veranstaltungen ist frei. Eine Anmeldung unter Tel. 05447/341 ist erforderlich.

Außerdem sind Gruppenführungen bis zehn Personen mit dem Künstler nach Anmeldung möglich (Museumseintritt: 2,50 Euro).

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