Archäologen Behnke und Helmerking rekonstruieren Einbaum

An Orangenschale ausprobiert

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Archäologe Thorsten Helmerking beseitigt die letzte Unebenheit am Einbaum.

Lembruch - Von Christa Bechtel. „Wir haben den Einbaum im Landesmuseum Hannover genau betrachtet. Der stand mitten im Raum, dahinter ein kleines Erklärungsschild, wer er eigentlich ist. Genau inspiziert haben wir die Oberflächen und geschaut, ob Äste im Baum sind. Und wir haben uns das vermeintliche Heck und den vermeintlichen Bug angeschaut, um zu gucken, woher diese Verformungen sind und wo die Nase ist“, erzählt der Archäologe Dr. Hans Joachim Behnke, der mit seinem Kollegen Thorsten Helmerking dem nachweislich ältesten in Norddeutschland erhaltenen steinzeitlichen Boot aus der Zeit um 3500 vor Christus einen Besuch abstattete.

Dieses Boot stand nämlich bis August 2015 im Dümmer-Museum in Lembruch. Vom Museum haben die beiden Archäologen den Auftrag erhalten, einen Einbaum nachzubauen (wir berichteten).

„Die Verformung ist offensichtlich durch das Zusammenrutschen dieses Einbaums bei der Trocknung entstanden, sodass der Mittelteil hochgedrückt wurde. Was über die Stellung des Holzes relativ schnell klar wurde“, veranschaulicht Behnke, der, wie auch Helmerking, gelernter Tischler ist. „Wir haben unsere Theorie, dass sich das so ergibt, an einer Orangenschale ausprobiert“, ergänzt Thorsten Helmerking schmunzelnd.

Zu den Arbeitsschritten der Fertigstellung: Anfangs hatten die beiden Archäologen den Einbaum so gelegt, dass sie den Boden herstellen konnten. „Damit er nicht mehr rollt. Und wir haben alle Äste, soweit wie möglich, nach unten genommen, damit man sie nicht sieht; das Original hat auch keine Äste“, so Behnke. Danach sei der Boden eingeschnitten, weggekeilt und glatt gemacht worden. „Nur dort, wo er aufliegt, denn Bug und Heck gehen ja hoch“, erläutert der Fachmann. Danach hätten sie den Einbaum umgedreht und die Kappe abgenommen. „Das heißt, wir haben wieder eingeschnitten und weggeschlagen, sodass wir eine Oberfläche hatten. Aber Eisenkeile wollen nicht unbedingt ins Eichenholz rein gestreichelt, sondern die müssen richtig rein getrieben werden“, definieren beide, dass es auch eine schwere physische Arbeit war. Danach sei man in die Tiefe gegangen, „um dem Einbaum zu sagen: Du musst nicht weiter reißen“, sagt der Welzower schmunzelnd und weist im Hof auf das Ergebnis: Ein Riesenberg Holz.

Löffelförmig wurden dann Bug und Heck. „Das wir ganz wenig angespitzt haben, sodass wir neunzig Prozent der Oberfläche schon hatten.“ Zum Schluss hin wurde noch geschaut: „Wo ist die Wand zu dick? Wo müssen noch Äste begradigt werden? Dann haben wir ihn von innen gleichmäßig gemacht.“ „So sind wir im gesamten Stammbereich etwa 90 Prozent Splintholz losgeworden, das zuerst rottet“, ergänzt Helmerking, der auf die Schlussarbeit, das Ausbrennen hinweist.

Rund 130 Arbeitsstunden haben Behnke und Helmerking gebraucht, um den Einbaum nach der historischen Zeichnung fertigzustellen.

„Das ist die größtmögliche Rekonstruktion des Einbaums, wie er im Dümmer-Museum stand“, freute sich Museumsleiterin Sabine Hacke, als sie das Ergebnis in Barnstorf sah. Am gestrigen Freitag wurde der Einbaum, der zurzeit etwa acht Zentner wiegt, von Wilhelm Rodenbeck vom Autohaus Kording, Drebber, zum Dümmer-Museum transportiert.

„Er wird im Laufe der Zeit um die Hälfte leichter werden“, erklärt Helmerking und Hacke fügt hinzu: „Der Beginn des Trocknens muss draußen geschehen.“ Deshalb wird der Einbaum auch für die nächste Zeit gesichert und videoüberwacht im Außenbereich des Dümmer-Museums gelagert.

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