Unheilbar an Krebs erkrankt

Brockumerin Anna Manthey von großer Hilfsbereitschaft überwältigt

Nils, Anna und Luisa Manthey bekommen in ihrer schwierigen Situation viel Unterstützung. Auch die Löwen des TuS Lemförde haben für die unheilbar an Krebs erkrankte Brockumerin und ihre Familie gesammelt.
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Nils, Anna und Luisa Manthey bekommen in ihrer schwierigen Situation viel Unterstützung. Auch die Löwen des TuS Lemförde haben für die unheilbar an Krebs erkrankte Brockumerin und ihre Familie gesammelt.

Seit die unheilbar an Krebs erkrankte Brockumerin Anna Manthey und ihr Mann Nils an der Vox-Sendung „Vier Hochzeiten ‒ von Braut zu Braut“ teilgenommen haben, bekommen sie viel Zuspruch und Hilfe aus den sozialen Netzwerken.

Brockum – Zum Lachen ist ihre Situation wahrlich nicht. Doch Anna und Nils Manthey tun es trotzdem gerne. Die 32-jährige Brockumerin ist unheilbar an Krebs erkrankt. Wie viel Zeit ihr noch bleibt, bis sie ihren Mann Nils und ihre fünfjährige Tochter Luisa verlassen muss, kann niemand sagen. Doch ihren Humor und ihre Lebensfreude lassen sie sich von der Krankheit nicht nehmen, auch wenn es immer wieder schwierige Phasen gibt. „Die meiste Zeit bin ich schmerzfrei, aber ich bin häufig sehr müde und geschafft“, beschreibt sie ihren Zustand.

Das Schicksal von Anna Manthey und ihrer Familie, bundesweit bekannt geworden durch die Vox-Sendung „Vier Hochzeiten – von Braut zu Braut“, hat in den vergangenen Wochen viele Menschen in den sozialen Netzwerken bewegt und eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst, von der das Paar völlig überwältigt ist.

Erste Krebsdiagnose für Anna Manthey kam 2017

Die erste Hiobsbotschaft kam 2017, nur wenige Monate nach der Geburt ihrer Tochter: Brustkrebs. Es folgten Chemotherapie und mehrere Operationen. Im Dezember 2019 glaubte sie, die Krankheit überwunden zu haben, im folgenden Januar wollte sie ihre neue Stelle antreten. Die Ärzte hätten ihr gesagt, es sei alles gut, erzählt sie. Doch das war ein Trugschluss. Die Krebszellen waren noch da und vermehrten sich unbemerkt.

Als sie kurz vor Weihnachten 2019 wegen starker Rückenschmerzen ihren Arzt aufsuchte, stellte er Metastasen in den Knochen fest. Auf den Rückschlag folgte wieder Hoffnung. Sie könne noch viele Jahre mit der Krankheit leben, hieß es. In diesem Spätsommer kam die nächste niederschmetternde Diagnose: Leberkrebs, unheilbar. Zwischenzeitlich ging es Anna Manthey so schlecht, dass ihr die Ärzte nur wenige Wochen gaben. Ihr Zustand hat sich mittlerweile wieder stabilisiert, doch ihre Perspektive ist völlig ungewiss.

Für die Teilnahme an der Sendung „Vier Hochzeiten – von Braut zu Braut“ hatte sich Anna und Nils Manthey nach der zweiten Krebsdiagnose beworben, weil sie ein professionelles Video von ihrer kirchlichen Trauung als Erinnerung für ihre fünfjährige Tochter haben wollten. Denn eine von Annas größten Sorgen ist, dass sich Luisa irgendwann nicht mehr an die Stimme ihrer Mutter, an ihr Lachen erinnern kann. Ursprünglich hatten sie geplant, einen Profi für den Videodreh bei ihrer kirchlichen Hochzeit im Oktober 2020 zu engagieren. Doch das sei viel zu teuer gewesen, erinnert sich Anna Manthey.

Die Wochen vor der Trauung waren nervenaufreibend, denn Corona hatte alles durcheinandergewirbelt. Vox hatte die Sendung im ersten Lockdown zunächst auf Eis gelegt. Im Juli habe sich der Sender wieder gemeldet und mitgeteilt, dass es in etwas abgeänderter Form weitergehe. Dann kam der Herbst, und die Infektionszahlen stiegen. „Zwei Wochen vor der Hochzeit war alles offen“, erinnert sich Anna Manthey. Auch einige Gäste hätten kurzfristig abgesagt, was sehr schade gewesen sei. Die Trauung selbst war dann aber so, wie es sich Anna und Nils Manthey erhofft hatten. Das Kamerateam habe sich insbesondere in der Kirche im Hintergrund gehalten und sei kaum aufgefallen, loben sie.

Schwester richtet für Anna Manthey Moneypool bei Paypal ein

„Nach der Sendung kam viel Zuspruch in den sozialen Netzwerken“, erzählt Annas Schwester Giustina Esposito. „Viele wollten helfen.“ Also richtete sie bei Paypal einen Moneypool ein, in den jeder so viel einzahlen kann, wie er möchte. „Wenn jemand helfen möchte, ist das die beste Möglichkeit.“ Das Geld ist zum einen gedacht, um die Kosten für Annas Beerdigung zu decken. Der Rest soll ihrem Mann und ihrer Tochter über die erste Zeit ohne sie hinweg helfen.

Giustina Espositos große Hoffnung war, dass im 30-tägigen Spendenzeitraum vielleicht 10 000 Euro zusammenkommen. Dass diese Summe schon in den ersten fünf Tagen überschritten wurde, hätte sie nie erwartet. Anfangs hätten vor allem Bekannte aus dem Ort und der näheren Umgebung etwas Geld gespendet, aber inzwischen seien auch viele Unbekannte dabei, die über die sozialen Netzwerke auf das Schicksal ihrer Schwester aufmerksam geworden seien, erzählt sie. Die Spendenaktion läuft noch 21 Tage.

Auch vor Ort haben Anna und Nils Manthey viele Unterstützer – Schootis Eiscafé in Lemförde zum Beispiel. Wer dort die Spendendose mit zehn Euro füllt, bekommt eine Kugel Eis. Die erste Fußball-Herrenmannschaft des TuS Lemförde, in der ihr Bruder spielt, hatte beim Auswärtsspiel in Sulingen ebenfalls eine Spendendose dabei. „Es begeistert mich immer wieder, dass alle so zusammenrücken – trotz der momentan für viele schwierigen Zeiten“, freut sich Giustina Esposito über die Hilfe, die ihrer Schwester zuteilwird.

Anna und Nils Manthey sind überwältigt von großer Hilfsbereitschaft

Besonders gefreut haben sich Nils und Anna Manthey auch über das Angebot einer Fotografin aus Brockum, von Zeit zu Zeit kostenlose Erinnerungsfotos für die Familie zu machen. Für den 30-Jährigen ist die Unterstützungswelle kaum greifbar. „Es ist erstaunlich, welche Kreise das zieht. Wir sind sehr, sehr überwältigt von der ganzen Hilfsbereitschaft.“ Und sehr dankbar, ergänzt Anna. Am liebsten würde sie jedem Spender persönlich danken.

Etwas komisch sei es für sie allerdings, wenn ihr wildfremde Menschen anböten, ihre Fenster oder ihr Haus zu putzen oder einen Tag lang auf ihre Tochter aufzupassen, erzählt Anna. Trotzdem ist sie für die Geste dankbar. „Wir versuchen, das meiste selbst zu regeln“, ergänzt ihr Mann. Aber wenn der Tag mal wieder sehr anstrengend ist, dann sind sie froh, ihre Freunde bitten zu können, für sie ein Abendessen zu kochen.

Durch Annas Geschichte haben sich auch viele alte Bekannte, von denen sie viele Jahre nichts mehr gehört hatte, bei ihr gemeldet. Sie habe über die sozialen Netzwerke viele liebe Nachrichten bekommen. „Ich kann nicht immer gleich antworten, aber ich freue mich sehr darüber“, betont sie.

Ihr Mann Nils hat die Wochen nach der Leberkrebs-Diagnose, in denen es Anna sehr schlecht ging, zu Hause verbracht. Seit Kurzem arbeitet er wieder, hat dabei aber zugleich ein gutes und schlechtes Gefühl. „Ich bin froh, dass ich wieder arbeiten und mal was anderes sehen und mit den Kollegen reden kann. Aber ich habe auch ein schlechtes Gewissen, weil ich Anna nicht unterstützen kann.“

Sein Arbeitgeber ZF Friedrichshafen in Dielingen sei sehr entgegenkommend. So bekam er sechs Wochen am Stück unbezahlten Urlaub, um sich um Frau und Kind zu kümmern. Und wenn es seiner Frau plötzlich besonders schlecht gehe, könne er sofort nach Hause fahren. Außerdem sei er momentan weitestgehend von der Spätschicht befreit, damit er zu Hause ist, wenn seine Tochter aus der Kita kommt.

Auch für die Zeit nach Annas Tod habe sein Arbeitgeber schon signalisiert, dass man eine Lösung finden werde, erzählt Nils Manthey. Die wird allerdings mit finanziellen Einbußen verbunden sein. „Nachtschicht ist dann auf keinen Fall möglich“, weiß er. Damit fällt die nicht unwesentliche Nachtschichtzulage weg. Und auch Spätschicht wäre problematisch. Ob er das vor drei Jahren gebaute Haus dann noch halten kann oder verkaufen muss, weiß er nicht.

Tochter Luisa weiß natürlich, dass ihre Mutter krank ist. „Sie weiß, dass sie mit ihrer Mama vorsichtiger sein muss als mit mir“, so Nils Manthey. „Ich habe ihr auch erklärt, dass ihre Mama vielleicht früher als andere in den Himmel geht.“ Wie nah dieser Tag vermutlich ist, verschweigen sie ihr noch, um sie nicht zu belasten.

Mit gemischten Gefühlen sieht Anna Manthey der Bildgebung in der kommenden Woche entgegen. Dann werden die Ärzte vielleicht schon sehen können, ob die aktuelle Chemotherapie Wirkung zeigt. Wie viel Zeit ihr noch bleibt, werden aber auch danach weder sie noch ihre Ärzte wissen. „Ich kann nicht sagen, wie es weitergeht.“

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