Traditions-Obst

Äpfel stehen auf dem Schäferhof im Mittelpunkt

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Pomologe Dr. Dankwart Seipp (l.) aus Lutten half Besuchern, ihre Apfelsorten zu bestimmen. Seipp ist Obstbauer und hat eine zeitlang am Institut für Obstbau in Hannover gearbeitet.

Stemshorn - Es war eine besondere Hommage an den Apfel, das kleine, aber feine „Apfelfest“ mit dem etwas sperrigen Begriff „Apfelpresstag“. Zu dem hatte der Naturpark Dümmer in Kooperation mit Familie Seel – sozusagen als Pilotprojekt – am vergangenen Samstag Jung und Alt zum Schäferhof nach Stemshorn eingeladen. Gegen Mittag eröffnete Landrat Cord Bockhop den Apfeltag offiziell.

Rund zehn Aussteller präsentierten alles rund um die Paradiesfrucht, den Apfel, der ursprünglich aus Mittelasien stammt. Etwa 10 000 vor Christus kannte man schon den Holzapfel. Über die Handelsstraßen gelangte er zu den Römern und Griechen, die ihn kultivierten. Mit über 30 000 wilden und kultivierten Sorten ist der Apfel, der auch Frucht der Jugend genannt wird, heute weltweit verbreitet.

Im Kommunikationsforum „Alter Schafstall“ wurden nicht 30 000, aber rund 100 verschiedene Apfelsorten präsentiert, sogenannte ‚alte Schätze‘. Als Fachmann weilte der Pomologe Dr. Dankwart Seipp aus Lutten vor Ort, der gerade bei zwei Besuchern den „Prinz Albrecht von Preußen“ und den „Celler Dickstiel“ entdeckt hatte. Seipp ist nicht nur Obstbauer, sondern hat auch eine Zeitlang am Institut für Obstbau in Hannover gearbeitet sowie in Langförden bei Vechta eine Versuchsanstalt geleitet. Erwin Restemeyer hatte bei Seipp ebenfalls Äpfel wie „Kaiser Wilhelm“ bestimmen lassen. „Der stammt von einem Baum, der seit mindestens 60 Jahren am Kindergarten in Dielingen steht“, sagte der Westfale strahlend, der weiterhin einen „Roten Jungfernapfel“ im Gepäck hatte. „Der steht ‚Am Rauhen Berge‘ in Lemförde. Ich habe ungefähr 80 Kilo gesammelt, die bei Herrn Knost zu 50 Liter Apfelsaft wurden“, erklärte Restemeyer.

Saft im Fünf-Liter-Kanister

„Wir sind sehr zufrieden; es läuft Klasse“, schwärmte denn auch Hartmut Knost, der mit seinem mobilen Saftwerk Stemwede zum Schäferhof gekommen war. Dorthin brachten die Saftliebhaber ihr reifes Obst, das in der Anlage gewaschen, zerkleinert und dann gepresst wurde. Anschließend wurde der Saft erhitzt und in luftdichten FünfLiter-Kanister mit „Zapfhahn“ abgefüllt, sodass jeder den Saft aus seinem Obst bekam. Am späten Vormittag musste man allerdings eine Wartezeit von anderthalb Stunden einplanen, so immens war die Resonanz auf dieses Angebot.

Alles, was zum Apfelsaft passt, offerierte in Form von Baumscheren, speziellen Anstrichen für Bäume, Leimringen, natürlichen Pflanzenstärkungsmitteln oder Nistkästen, Büchern, beispielsweise zur Schnitttechnik, der Kiebitzmarkt Hunteburg. Zu den Ausstellern zählte natürlich auch Schäfermeister Michael Seel mit seiner ganzen Familie. Seel hatte nicht nur Apfelkuchen in verschiedenen Varianten gebacken, sondern Tochter Laura stellte auch Schafwolle, Filz-Stuhlkissen, Schafmilchseife oder Moorschnucken-Produkte vor. Von der Regionalgruppe Arche Nord-West war Vorsitzender Rudi Gosmann angereist, der mit seinem Sohn Florian den Besuchern köstliche Wollschwein-Bratwurst kredenzte. Nebenbei fand nachmittags dann das Herbsttreffen der Gruppe statt.

Jedes Jahr eine tolle Ernte

„Wir haben sehr viele Kompensationsmaßnahmen, die mit Streuobst zu tun haben. Unsere Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz hat auch die große Streuobstwiese am Stemweder Berg. Dort sind die Bäume so gut gewachsen, dass wir jedes Jahr eine tolle Ernte haben. Deshalb haben wir schon im letzten Jahr darüber nachgedacht, so eine Veranstaltung anzubieten“, erläuterte Detlef Tänzer, Geschäftsführer des Naturparks Dümmer. Oliver Lange, der auch naturkundliche Führungen am Dümmer übernimmt, habe während einer Naturparksitzung den Mitgliedern die Idee präsentiert und gesagt: „Solch ein Tag hat im vergangenen Jahr in Hunteburg mit großem Erfolg stattgefunden“, so Tänzer, der sich freute, dass nun am Schäferhof regionale Produkte präsentiert wurden. „Das schafft auch eine Identität für den Raum und mit den Leuten, die hier wohnen.“

Für nächstes Jahr wolle man vielleicht „Erntetage“ an der Streuobstwiese am Stemweder Berg einrichten. „Damit nicht nur die Äpfel geerntet werden, sondern dass wir auch Naturschutz und Informationen über die Stiftung vermitteln“, sagte der Geschäftsführer, der sich weiter zum Beispiel Patenschaften für die Bäume wünscht. 

 cb

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