Achtklässler der Von-Sanden-Oberschule schauen sich Praktikumsbetriebe an

Schüler haben die Qual der Wahl

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Begeistert schauten sich die Schüler im Freizeitbad Dümmer in Hüde die technischen Anlagen an, die ihnen Schwimmmeister Andreas Peschke (l.) erklärte.

Lemförde - Von Christa Bechtel. Möchte ich Hotelfachmann, Altenpfleger, Bootsbauer, Anlagenmechaniker, Schornsteinfeger oder Steuerfachangestellter, Dachdecker werden? Wer die Wahl hat, hat die Qual! Um die Entscheidung der Berufswahl den Schülern zu erleichtern, bietet die Von-Sanden-Oberschule Lemförde seit drei Jahren den Achtklässlern Schnuppertage in Verbindung mit einer Handwerkerbustour an.

„Wir haben mittlerweile 39 Betriebe, die 62 Praktikumsplätze in diesem Jahr für 48 teilnehmende Schüler zur Verfügung stellen“, freut sich Claudia Schnabel (Dachdeckerei Schnabel), die im vorletzten Jahr die Idee für diese „Schnuppertage bei Handwerk, Handel und Dienstleister“ hatte. Organisiert wurden sie wieder von ihr sowie Schulelternratsvorsitzender Andrea von Rekowski, Schulsozialarbeiterin Marion Graf, Fachleiter Arbeit/Wirtschaft Christoph Kunert und Schulleiter Marc Greve.

In sechs Touren quer durch die Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ sowie in der Stemweder Region – mit Taxi Engelbrecht oder in Lemförde zu Fuß – schauten sich jeweils etwa acht Schüler mindestens acht Praktikumsplätze an. Begleitet wurden sie dabei durch Klassen- und Fachlehrer. Im Freizeitbad Dümmer in Hüde stellte zum Beispiel Schwimmmeister Andreas Peschke die dreijährige duale Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe vor. Begleitet wurden die Schüler dort von Claudia Schnabel, Klassenlehrer Julius Liegmann sowie dem Berufsberater Rainer Lagemann.

„Ihr habt im ersten und zweiten Ausbildungsjahr zweimal Berufsschule in Osnabrück und geht dreimal arbeiten; im dritten habt ihr einmal Schule und müsst viermal arbeiten“, erläuterte Peschke den Jungs, die ihm im Foyer des Freizeitbades interessiert zuhörten. Wer unter 18 Jahre alt sei falle unter den Jugendschutz. „Das heißt, ihr habt Tagesarbeitszeit von montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr“, veranschaulichte der Schwimmmeister. Ältere müssten dagegen auch Spätschichten übernehmen, auch mal bis 22 Uhr arbeiten. „Weil wir ein Dienstleistungsbetrieb sind, arbeiten wir in Früh- und Spätschichten, auch am Wochenende sowie an Feiertagen“, erklärte Peschke.

Die Beaufsichtigung der Badegäste erfordere die meiste Zeit pro Tag. Voraussetzung dafür sei: „Dass man ein bisschen kontaktfreudig ist.“ Und: „Wer bei uns ein Praktikum macht, geht immer die erste Stunde ins Wasser“, hob Peschke hervor. Denn wer sich für den Beruf bewerbe, müsse einen Eignungstest ablegen.

Blick in

den „Untergrund“

„Schwimmen können muss man, aber nicht gleich alle Stilarten“, sagte der Bad-Bedienstete. Während der Ausbildung werde auch Erste Hilfe oder HLW – Herz-Lungen-Wiederbelebung – vermittelt. Zu den Aufgaben erklärte er: Jeden Morgen und Abend müsse die Sicherheit überprüft werden. Ein weiterer großer Bereich seien Verwaltungssachen wie die Tagesberichte oder Besucherzahlen erfassen. Aber auch die Überwachung der technischen Anlagen oder Wasseranalysen würden dazu zählen. Peschke: „Ein großer Teil in der Schule ist Chemie.“ Spannend wurde es zum Abschluss, als die Schüler in den „Untergrund“ mit durften, um sich die gesamte Technik des Bades anzuschauen.

„Bei uns gibt es drei Arbeitsbereiche“, verdeutlichte in der Lemförder Burg Apotheke Martin Scholz, Fachapotheker für Allgemeinpharmazie und Geriatrische Pharmazie, anderen Schülern, die hier vom Fachlehrer Wirtschaft, Helge Rackebrandt, begleitet wurden. Für den Beruf des Apothekers sei das Abitur nebst Studium erforderlich, für PTA – Pharmazeutisch technische Angestellter – der Realabschluss. „Die können, wie auch der Apotheker, Kunden beraten, Rezepte beliefern oder Rezepturen herstellen“, zählte Scholz auf. „Die PKA – Pharmazeutisch kaufmännische Angestellte – beschäftigen sich mit der Warenwirtschaft und mit der Buchführung.“ Voraussetzung sei ein Hauptschulabschluss.

In der Apotheke stellte Scholz dann die Verkaufstische mit Sichtwahl, „wo Beratung notwendig ist“, sowie die Freiwahl vor. Die verschreibungspflichtigen Medikamente würden über Rezept laufen, die über einen Automaten angefordert werden. Sie gelangen über ein Förderband direkt in die Apotheke. Besondere Betäubungsmittel würden gesondert im Tresor gelagert. Des Weiteren lernten die Jugendlichen beispielsweise den Beratungsraum, die Rezeptur oder das Labor, wo bestimmte Substanzen geprüft werden, kennen.

Wieder in der Schule angekommen, bekamen die Achtklässler einen Bogen, auf dem sie aus ihrem eigenen Empfinden heraus ihren Erst-, Zweit- und Drittwunsch für ein zweitägiges Betriebs-Kurzpraktikum in der kommenden Woche ankreuzen konnten.

„Wir versuchen, immer den Erstwunsch zu erfüllen“, betonte Claudia Schnabel, die nachmittags mit Andrea von Rekowski die Schüler den Betrieben zuordnete.

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