Musikalisches Feuerwerk des Orchesters des Musikvereins „Altes Amt Lemförde“

Abwechslungsreiche Mixtur

Das Orchester des Musikvereins „Altes Amt Lemförde“ begeisterte mit seinem Jubiläumskonzert anlässlich des 125-jährigen Bestehens unter Stephan Flore (rechts) im Rittersaal des Amtshofes. - Fotos: Bechtel
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Das Orchester des Musikvereins „Altes Amt Lemförde“ begeisterte mit seinem Jubiläumskonzert anlässlich des 125-jährigen Bestehens unter Stephan Flore (rechts) im Rittersaal des Amtshofes.

Lemförde - Von Christa Bechtel. Kaum dass am Samstagabend im Lemförder Rittersaal die letzte Note von „I will follow him“ aus dem Film „Sister Act“ verklungen war, brandeten Beifallsstürme auf, Bravo- und Zugaberufe wurden laut.

Gerade hatte das Orchester des Musikvereins „Altes Amt Lemförde“ unter der Leitung seines engagierten Dirigenten Stephan Flore mit einem großen Jubiläumskonzert ein Feuerwerk einer abwechslungsreichen Mixtur aus Klassik, Musicalmelodien, Filmmusiken, aber auch Rock’n’Roll abgebrannt. Der Anlass: Der Klangkörper begeht in diesem Jahr seinen 125. Geburtstag.

Knapp drei Stunden zuvor hatte Vorsitzender Dr. Karl-Wilhelm Meyerrose die Freunde des Musikvereins im rappelvollen Rittersaal begrüßt und dabei sogleich angekündigt: „Wir haben zwei Jubiläen in diesem Jahr: Unser Verein ist 125 Jahre alt, der 1891 als Lehrermusikverein gegründet wurde. Und die Band, die sich aus dem Orchester gegründet hat, die „Her(t)zschrittmacher“, sind in diesem Jahr 30 Jahre alt.“ 

Kurze Zeit später sagte Meyerrose launig: „Wir haben einen neuer Sieger im MGW, dem Multigenerationen-Wettbewerb, den ich in diesem Jahr erfunden habe.“ Damit meinte er die Hunteburger Familien Gardemin/Randermann. Denn: „Dadurch, dass Jule (Randermann) zu uns gekommen ist, haben wir Oma, Mutter und Tochter gleichzeitig im Orchester.“ Die weitere Moderation übernahm dann Stephan Klöpzig, der informativ, witzig durch das Programm führte. Vielleicht hätte diese etwas gestrafft werden können.

Mit Schönheit und Brillanz hatten einige Musiker das Konzert bereits mit dem „Sextett in C-Dur“ von Johann Christian Bach eröffnet. Unter ihnen auch „Chefan“, wie die Instrumentalisten liebevoll ihren Leiter nennen, mit seinem Waldhorn. Die bekannte „Toccata in D-Minor“ von Johann Sebastian Bach gestaltete das 30-köpfige Orchester mit so spannungsreichen Übergängen, dass sie Differenzierungen in Kolorit und Dynamik fanden. Bach wäre sicher von dieser spritzigen Interpretation begeistert gewesen. Mit „Selctions from Mary Poppins“ schloss sich ein Medley bekannter Musicalmelodien an.

„Es war 1986 und Lars (Mentrup), Michael (Schönemann), Harald (Biermann) und Horst Hecht, der leider schon verstorben ist, und ich saßen in einem Streichorchester und es wurde eigentlich permanent für uns etwas langweilig. Wir wollten etwas Pfiffigeres – und haben angefangen, zwei Stücke Dixieland ins Konzert einzuarbeiten“, ging Karl-Wilhelm Meyerrose auf die Anfänge der „Her(t)zschrittmacher“ ein. 

Durch den Tod von Horst Hecht sei man von der Dixieland-Schiene abgekommen. Aber: „Wir spielen jetzt ein Stück, mit dem wir angefangen haben.“ Das war „Ice Cream“, dessen Text auf die Melodie aus den 20er Jahren Chris Barber sich einfach ausgedacht hatte und das die „Her(t)zschrittmacher“ in „alter“ Besetzung mit Posaunist Harald Biermann mit Leidenschaft und Können zu Gehör brachten. 

Die neue Besetzung zusätzlich mit Gitarrist Hendrik Meyerrose präsentierte anschließend mit mitreißender Spiellaune „Ain’t No Sunshine“ mit Solist Lars Mentrup sowie „Unchain My Heart“ – hier brillierte Karl-Wilhelm Meyerrose solistisch.

Während der Titelmelodie „Let it go“ des Films „Die Eiskönigin“ überzeugte Altsaxofonistin Annalena Grube, die an diesem Abend noch des Öfteren solistisch hervortrat.

Ruhig und besinnlich demonstrierten die Instrumentalisten mit „Hallelujah“ des kürzlich verstorbenen Leonard Cohen, welch ein hervorragend ausbalancierter Klangkörper sie sind. Mit dem „Libertango“ von Astor Piazzolla steigerten die Musiker die Spannung durch Tempovariationen und brachten so das komplexe Werk, in dem Rhythmus und Farben eine bedeutende Rolle spielen, zum Leuchten.

Nach der Pause eröffnete das Orchester den zweiten Teil mit der Fanfare „Also sprach Zarathustra“. Während der sich nun anschließenden Rock- und Popstücke wie Chuck Berry Highlights, „Nothing Else Matters“ von Metallica oder der Rockballade „Wind of Change“ sorgte Stephan Flore für Präzision, imposante Klangpracht. 

Und das Orchester agierte im Zusammenspiel, besonders bei den leisen und doch spannungsvoll gehaltenen Harmoniewechseln, hervorragend. Da war es kein Wunder, dass die Musikerinnen und Musiker ohne zwei Zugaben nicht aus dem Rittersaal entlassen wurden.

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