Neue Nutzung des Hauses der Reederfamilie Tecklenborg in Bahrenborstel

Leben in der Jagdhütte

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Kreiszeitung Syke

Sulingen - BAHRENBORSTEL · Es sieht aus, als kämen die Bewohner gleich wieder. Teller und Tassen im Küchenschrank, die Kaffeefilter auch, im Flurschrank die Putzmittel, die Betten sind abgedeckt, der gestreifte Bademantel hängt im Schrank. Nur die Spinnweben weisen in allen Ecken darauf hin, dass hier lange niemand mehr gewohnt hat. Das Haus der Familie Tecklenborg wartet nur darauf, „wachgeküsst“ zu werden.

Dieser Aufgabe stellt sich jetzt der Heimatverein Bahrenborstel. Ein Nutzungsvertrag regelt das Prozedere zwischen der Erbengemeinschaft und der Gemeinde: Die Erben stellen das 25 454 Quadratmeter große Waldgrundstück in Bahrenborstel der Allgemeinheit zur Verfügung. Die Gemeinde will es „in seiner Ursprünglichkeit und Schönheit für die Gemeinde und deren Heimatverein erhalten“.

Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen hinsichtlich des Areals seien zu leisten, auf dem Grundstück und für die ehemalige Jagdhütte mit Nebengebäude. Absprechen müssen sich die Erben und die Gemeinde, wenn die Erben Haus und Grundstück einmal privat nutzen möchten. Bürgermeiter Heinz Albers und Archivarin Irmgard Krebs lassen beim Rundgang keinen Zweifel aufkommen: „Nein, renovieren können wir das nicht.“ Das würde den finanziellen Rahmen sprengen. Der Redaktionskollege kommentiert die Bilder mit „Eine Zeitreise“. Richtig. Das soll sie sein, vieles möchte man erhalten, Notwendiges, wie eine Dachreparatur durchführen lassen. Sanitäre Anlagen müssten hergerichtet werden, wollte man die Öffentlichkeit einladen. Man könne sich eine Aufteilung vorstellen: Familie Tecklenborg schultert die Materialkosten, der Hematverein führt die Arbeiten aus. Dahingehend seien bereits Gespräche geführt.

Dass man hier ganz wörtlich eintauchen kann in Geschichte liegt nicht nur an den vielen Lagen Laub auf den einst freigeschnittenen Wegen im Garten. Familie Tecklenborg schrieb mit an deutscher Geschichte: Die Reederfamilie baute 424 Schiffe, etliche davon sehr berühmt. Noch heute kreuzt die 1926 gebaute Viermastbark, jetzt als „Krusenstern“, über die Meere.

Wilhelm und Jenny Tecklenborg, die mit ihrer Familie die Jagdhütte in Bahrenborstel ab 1935 nutzten, kümmerten sich mehr um Automobile: Wilhelm Tecklenborg war seit 1931 Teilhaber von Carl F.W. Borgward, beide gründeten 1931 die „Hansa-Lloyd und Goliath-Werke Borgward & Tecklenborg“, die 1936 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde und sich 1937 wieder auflöste – Tecklenborg ließ sich seinen Anteil auszahlen. Seine unterirdische Garage neben der Jagdhütte in Bahrenborstel ist heute zugeschüttet, an Tecklenborgs technisches Faible erinnert ein jetzt verrostetes kleines Windrad, das Wasser auf dem Grundstück hochpumpte. Der Badeteich nebenan ist nur noch eine trockene Kuhle. Rosen und Rhododendren sind heute mehr Blickschutz als Zierde.

Während des Zweiten Weltkrieges wohnte die Familie hier: „Wenn wir das Haus nicht gehabt hätten, hätten wir den Krieg nicht überstanden“, habe Wilhelm Tecklenborg oft gesagt, erklärt Irmgard Krebs. Kinder und Enkel hätten in Bahrenborstel Freundschaften geschlossen, die heute noch bestehen. Pastor Chapuzeau habe ihnen das Jagdhornblasen beigebracht – Tecklenborgs hatten seinerzeit die komplette Jagd Bahrenborstel und Holzhausen gepachtet. Das Nebenhaus wurde, nach dem Wegzug der Flüchtlingsfamilie Luise und Karl Otto, zum „Kinderhaus“.

Ein Foto in der Bahrenborsteler Chronik zeigt ein „Gartenfest mit Nachbarn“ im Jahr 1953. Und so könnte es wieder kommen: Wenn der Garten wieder präsentabel ist, könnte man dort zum Kaffee an Tischen sitzen. Im Haus könnten alte Fotos und Unterlagen an die Familie Tecklenborg erinnern und die Besucher ein Stück Zeitgeschichte kennenlernen, das, auch dank der zwischenzeitlichen Instandhaltung durch Familie Sauer, lange Jahre ausharrte. Derzeit sammeln die Heimatpfleger Ideen und Kräfte, Neues aus der Jagdhütte wird für das Frühjahr erwartet. n sis

http://www.tecklenborg-werft.de

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