Noch kein Beweis gegen Lothar Lampe

Landvolk: Vielzahl von Beträgen auf dem Prüfstand

+
Wo gibt es noch einen Platz? Rund 250 Ortsvertrauenslandwirte und -vertrauensleute drängen in den Saal des Gasthauses Husmann in Groß Lessen, um sich die Jahresabschlüsse zweier Landvolk-Gesellschaften erklären zu lassen. ·

Gr.-Lessen - Von Anke Seidel. Einige wirkten stark angespannt, andere skeptisch oder erwartungsvoll: Ortsvertrauenslandwirte und Vertrauensleute standen gestern Mittag Schlange vor dem Gasthaus Husmann in Groß Lessen. Sie warteten auf Einlass zur nichtöffentlichen Kreisverbandsversammlung.

Auf bangen Gesichtern spiegelte sich immer wieder eine Frage: Hat der ehemalige Landvolk-Vorsitzende Lothar Lampe tatsächlich mehr als eine Million Euro veruntreut?

Wie berichtet, soll das Geld von den Konten zweier Windenergie-Gesellschaften des Landvolks Grafschaft Diepholz geflossen sein. Der Vorstand mit Lampes Nachfolger Theo Runge an der Spitze setzte auf einen Vergleich, Lampe soll die strittigen Beträge zurückzahlen. Dafür wollten sich Runge und sein Team Rückendeckung bei den rund 250 Ortsvertrauenslandwirten und Vertrauensleuten holen. Sie hatten sie zu einer Kreisverbandsversammlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit eingeladen.

Deshalb galt gestern eine strenge Eingangskontrolle. Sorgfältig verglichen Mitarbeiter des Landvolks Namen und Adressen der Teilnehmer mit ihren Listen, bevor sie ihnen einen Umschlag mit Unterlagen aushändigten und ihnen Zugang zum Saal gewährten.

Nicht alle waren willkommen: Ein Vertreter aus dem Beirat des Windparks Stocksdorf wollte sich vor Ort ein Bild darüber verschaffen, ob und in welchem Ausmaß es einen finanziellen Schaden für die Windkraft-Investoren gegeben habe. Mit Nachdruck bat der Mann um Einlass – vergebens. Mit den Worten „Wir können hier keine Ausnahme machen“ wurde das Beiratsmitglied aus dem Saal komplimentiert – und gleichzeitig der Zugang zum Raucherzelt versperrt, um ungebetene Gäste auszuschließen. Nur dem geladenen Kreis sollten Experten zweier Wirtschaftsprüfungsgesellschaften die Jahresabschlüsse der Landvolk-Betriebs GmbH und der Landvolk-Dienstleistungsgesellschaft mBH erläutern – rückwirkend für sechs Jahre. Auf dieser Grundlage und nach sorgfältiger Bewertung durch Juristen sollten die Ortsvertrauenslandwirte einen Beschluss fassen. Weil aber mittlerweile die Staatsanwaltschaft in Verden ermittelt, waren nicht alle Landwirte mit der nichtöffentlichen Tagung einverstanden. Einer von ihnen stellte zu Beginn der Kreisverbandsversammlung den Antrag, die Presse zuzulassen. Das lehnte die Mehrheit der Teilnehmer ab. Der Vorstand kündigte eine Pressemitteilung an.

Er hatte offenbar kurzfristig seine Strategie geändert: Wie diese Zeitung aus gut unterrichteter Quelle erfuhr, hatte es nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Lothar Lampe und der Strategie des Vorstands offenbar eine interne „Krisensitzung“ gegeben. Demnach war der Vorstand vom Ziel eines Vergleiches zwischen Lampe und dem Landvolkverband abgerückt.

Wie gestern Abend zu erfahren war, hat es einen solchen Beschluss in der Verbandsversammlung tatsächlich nicht gegeben. Auch wurde demnach keine konkrete strittige Summe genannt. In der dreieinhalbstündigen Versammlung hätten die Wirtschaftsfachleute eine Vielzahl von Beträgen auf den Prüfstand gestellt, die von 65 000 Euro bis zu 1,5 Millionen Euro reichten, so hieß es gestern Abend. Diese Beträge und die Zahlungsgründe müssten nun genau unter die Lupe genommen werden. Zu bewerten seien sie vor dem Hintergrund der Vorteilsnahme, erklärten die Juristen demnach.

Dass Lampe Geld des Landvolkverbands veruntreut hat, ist bisher nicht bewiesen. In der Kreisverbandsversammlung gab es demnach keine konkreten Belege dafür. „Die Sache muss vollständig aufgeklärt werden!“, forderte ein Landwirt am Rande der Zusammenkunft. Das sieht der Landvolk-Vorstand mittlerweile offenbar genauso: Der Rechtsanwalt des Landvolkes solle eng mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten, war zu hören.

Die angekündigte Pressemitteilung lag bis Redaktionsschluss noch nicht vor. Auch war Landvolk-Vorsitzender Theo Runge für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Trippelschritt vor dem großen Sprung: Das iPhone 8 im Test

Trippelschritt vor dem großen Sprung: Das iPhone 8 im Test

Erntefest in Waffensen

Erntefest in Waffensen

Bürojob: Wie sich langes Sitzen auf Ihren Körper auswirkt

Bürojob: Wie sich langes Sitzen auf Ihren Körper auswirkt

Wie werde ich Trauerredner/in?

Wie werde ich Trauerredner/in?

Meistgelesene Artikel

Breitband-Ausbau: Kosten für eigenes Netzwerk im Kreis verdoppeln sich

Breitband-Ausbau: Kosten für eigenes Netzwerk im Kreis verdoppeln sich

„Positiv Bekloppte“ zuckeln für Kinderhospiz nach Polen

„Positiv Bekloppte“ zuckeln für Kinderhospiz nach Polen

Fahrbahn fertig, Arbeit an den Brücken dauert an

Fahrbahn fertig, Arbeit an den Brücken dauert an

Kommentare