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Landkreis legt Sachstand über Flüchtlinge und Alarmplanung dar

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Von: Marten Vorwerk

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Technisch ist die Kreisfeuerwehr im Bereich Verpflegung top ausgestattet. Der fehlende Nachwuchs macht Kreisbrandmeister Michael Wessels aber große Sorgen. Er befürchtet einen Zusammenbruch des Systems.
Technisch ist die Kreisfeuerwehr im Bereich Verpflegung top ausgestattet. Der fehlende Nachwuchs macht Kreisbrandmeister Michael Wessels aber große Sorgen. Er befürchtet einen Zusammenbruch des Systems. © Kreisfeuerwehr

Im Ausschuss für Bevölkerungsschutz, Verkehr und Sicherheit haben Vertreter des Landkreises am Donnerstagabend in der Feuerwehrtechnischen Zentrale Barrien über die aktuelle Lage der Flüchtlingsbewegung aus der Ukraine und neue Auflagen im Bereich des Bevölkerungsschutzes informiert. Am Ende ließ Kreisbrandmeister Michael Wessels ordentlich Dampf ab.

Landkreis Diepholz – Aber der Reihe nach: Henning Wolter ist beim Landkreis Fachdienstleiter für Sicherheit und Ordnung. Er wurde emotional, als er sich an den Tag erinnerte, an dem Russland den Angriffskrieg auf die Ukraine gestartet hatte: „Der 24. Februar wird mir persönlich im Gedächtnis bleiben. So wie zum Beispiel der 11. September 2001. Das bleibt.“ Wie schlimm die Ausmaße des Krieges für die Menschen in der Ukraine sind, bekommt auch Marco Genthe (FDP) mit. Er sagte: „Ich bin häufig in Berlin und sehe, wie sie dort ankommen. Das ist ein fürchterliches Bild.“

2319 Schutzsuchende aus der Ukraine seien seit Beginn des Krieges im Landkreis angekommen. „Die meisten über den privaten Weg“, erklärte Wolter (wir berichteten). Der Zustrom stagniere derzeit, 40 Prozent der Geflüchteten im Landkreis seien unter 20 Jahre alt.

Wohnraum „fast ausgeschöpft“

Der Wohnraum, den die Städte und Gemeinden gestellt haben, sei, so Kreisrat Jens-Hermann Kleine, „fast ausgeschöpft. Wir sind bei der Findung an Wohnungen an der Grenze angekommen. Falls noch mal eine Flüchtlingswelle kommen sollte, müssen wir über Gemeinschaftseinrichtungen sprechen“, berichtete er.

Gerade in der anstehenden Urlaubszeit, wo viele Familien reisen, müssten kurzfristig Unterkünfte her. „Wir hoffen, dass das herausragende Engagement der Bürger bleibt, Ukrainer aufzunehmen“, betonte Henning Wolter, der Anerkennung von Friedrich Iven (SPD) für die Arbeit des Landkreises ausgesprochen bekam: „Ein großer Dank unserer Fraktion für die Organisation geht an euch und eure Mitarbeiter sowie an die Kommunen.“

Bevölkerungsschutz: Landkreis sieht sich gut aufgestellt

Über neue Anforderungen an den Bevölkerungsschutz informierte der zuständige Fachdienstleiter des Landkreises, Klaus Speckmann. Ziel sei unter anderem, jeweils eine Tankstelle im Südkreis, im Nordkreis und in der Mitte des Landkreises mit Notstrom zu versorgen, sodass im Falle eines Stromausfalls Kraftstoff vorhanden ist – vor allem für Feuerwehren oder Rettungsdienste.

Ein weiteres „großes Anliegen“ des Innenministeriums sei, die zivile Alarmplanung wieder aufzustellen, zum Schutz der Bevölkerung bei einem militärischen Konflikt. Speckmann meinte: „Da sind wir schon ganz gut vorbereitet, da wir ein modulares Warnsystem haben, mit dem wir aus der Leitstelle in Diepholz verschiedene Medien wie Radio und Fernsehen ansteuern können.“ Durch die Apps „Biwapp“, „Katwarn“ und „Nina“ könne der Landkreis ebenfalls sofort seine Bürger warnen. „Das ist schon enorm, was sie da leisten“, lobte Ausschussvorsitzende Ingrid Söfty (CDU).

Sirenen seien dagegen vorerst nicht geplant. Diese seien in den 1990er-Jahren abgeschafft worden. „Sollte es entsprechende Finanzmittel von Bund und Land dafür geben, sind wir sicher einer der Ersten, die sich damit beschäftigen“, verspricht Speckmann.

Wolfgang Depken (Grünen) wollte wissen, ob „die Bundeswehr in den Katastrophenstab implementiert“ ist. Klaus Speckmann bejahte das. Die Bundeswehr sei durch das Kreisverbindungskommando involviert, regelmäßig würde der Kontakt gepflegt werden.

Iven brachte es nach der Präsentation zum Bevölkerungsschutz auf den Punkt: „Das Wichtigste ist, dass wir all das nicht brauchen.“

Emotionaler Appell

Emotional wurde es zum Abschluss der Ausschusssitzung, denn Feuerwehr-Kreisbrandmeister Michael Wessels erhielt das Wort, berichtete über die Notfall-Lage zu den Februarstürmen und entschuldigte sich im Nachhinein dafür, dass er etwas aus sich rausgekommen ist, als er sagte: „Das System wird uns in den nächsten Jahren zusammenbrechen, wenn es so weitergeht. Es fehlen junge Leute in bestimmten Einheiten bei der Feuerwehr, beispielsweise in der Küche. Da kommen dann mal welche und gehen eine Woche später wieder, weil Drohne fliegen doch mehr sexy ist.“

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