Mehr als 500 Demonstranten fordern mehr Lohn für Erziehungsberufe

„Wir wollen mehr Kohle“

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Mehr als 500 Demonstranten fordern mehr Geld: Auf dem Weg zum Twistringer Rathaus machen sie lautstark auf sich aufmerksam.

Twistringen - Von Sabine Nölker. Lautstark zog gestern Vormittag eine rund 400 Meter lange Schlange von Demonstranten durch die Twistringer Innenstadt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Sozial- und Erziehungsdienst aus den Landkreisen Diepholz, Verden und Nienburg sowie aus Bremen peilten das Rathaus an. „Wir wollen mehr Kohle seh‘n“, so ihre Forderung, die sie mit Trillerpfeifen und Rasseln unterstützten. Bürgermeister Martin Schlake scheute sich nicht, sich den Demonstranten zu stellen.

Fünf Kitas blieben gestern ganz geschlossen, in vielen anderen gab es nur einen Notdienst. Die Gewerkschaft Verdi hatte alle Beschäftigen im Bereich des kommunalen Sozial- und Erziehungsdienstes zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Kohle klaut“, sangen mehr als 500Demonstranten. Ihre Parole: „Wehrt euch, leistet Widerstand gegen schlechte Bezahlung hier im Land! Schließt euch fest zusammen.“

Mehr Geld für Erzieherinnen und Erzieher: Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordert die Anhebung ihrer Gehälter um zehn Prozent. Eine Vollzeitkraft in diesem Beruf verdient im Schnitt 2500 Euro im Monat – und soll, so fordert es die Gewerkschaft, künftig 250 Euro mehr im Portemonnaie haben.

Anlass dieses Protestes waren die gescheiterten Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst. „Wir werden so lange auf die Straße gehen, bis die Politiker endlich einer besseren Eingruppierung zustimmen“, so Antje Göte, Mitarbeiterin der Werkstatt Bremen. Sie machte deutlich, dass „wir in der Behindertenhilfe nicht zufrieden sein können, da wir immer vernachlässigt wurden!“ Göte sprach aber auch für alle Tarifkräfte des öffentlichen Dienstes als sie bemängelte, dass es nicht sein könne, dass Kita-Angestellte Zweitjobs annehmen müssen, um über die Runden zu kommen. „Ich bin enttäuscht, dass alle Politiker sagen, welch wichtige Arbeit wir leisten, aber wenn es darum geht, Taten den Worten folgen zu lassen, kommt nur ein großes ABER.“ Das wolle man nicht mehr gelten lassen. „Nehmt endlich Geld in die Hand, sorgt für uns, für euch und für die Zukunft eurer Kinder!“, forderte sie in Richtung des Bürgermeisters auf. Schlake, der mit einem großen Pfeifkonzert begrüßt wurde, scheute sich nicht, als Präsidiumsmitglied des Bundesarbeitgeberverbandes klare Worte zu sprechen. „Mit dem Sondertarifvertrag wurde bereits 2009 eine wesentliche Gehaltsverbesserung auf den Weg gebracht“, erklärte er – was ihm weitere Buh-Rufe einbrachte. Man müsse hinsichtlich der Forderungen auch die Arbeitgeberseite betrachten, ein „ausgewogenes Gehaltsgefüge“ sei nötig. Er wisse um die Situation, bekannte Schlake – und stellte dennoch die Frage: „Wie definiere ich die Wertschätze, die ich erhalte? Durch Geld?“. Das brachte ihm ein weiteres Buhkonzert ein. Er wolle den Verhandlungen nicht vorgreifen, sagte der Twistringer Bürgermeister. Er nehme jedoch die Eindrücke von der Demonstration mit in die nächste Sitzung. Schlake gab aber auch zu, dass manche Eingruppierungen nicht mehr zeitgemäß seien.

Gewerkschaftssekretär Sascha Gröters, der gemeinsam mit Nicole Krug den Warnstreik organisiert hatte, versicherte den Anwesenden, dass man mit einem Warnstreik nicht hinkommen werde. Er kündigte weitere Veranstaltungen an. „Es werden spannende Verhandlungen auf uns zukommen“.

Ludwig Stöver, Verdi-Chef im Landkreis Diepholz, sprach sogar von „knallharten Verhandlungen“. Dem konnte Schlake nur zustimmen. „Die Schere zwischen den Parteien geht sehr weit auseinander“.

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