Landwirte wollen solidarisch Stellung gegen die Agrarpolitik beziehen

„Bauern werden gegängelt“

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Dr. Hans-Christian Hanisch (l.) und Tobias Göckeritz brachten die Aufregung der Landwirte auf den Punkt.

Graue - Von Anika Bokelmann. „Das Maß ist voll – wir können nicht länger hinnehmen, dass unser Boden enteignet und die Zukunft unserer Hofnachfolger verspielt wird.“ Dass die Bauern der Region allen Grund haben, unzufrieden mit der Agrarpolitik des Landes zu sein, fasste Dr. Hans-Christian Hanisch als Vorsitzender des Landvolks Mittelweser in einer Versammlung zusammen: „Wir haben es satt!“ Vorsitzender Tobias Göckeritz pflichtete ihm bei: „Mit nachhaltigen und vernünftigen Argumenten kommen wir scheinbar nicht mehr weiter.“

Mit der Zusammenkunft im Landhaus Steimke in Graue am Dienstag wollten die Bauern der Mittelweser-Region ein Zeichen setzen. Die „sanfte Agrarwende“ des niedersächsischen Landwirtschaftsministers Christian Meyer (Grüne) entpuppe sich als „Wolf im Schafs-pelz“, so Hanisch. Dies sei wörtlich zu nehmen, so Tobias Göckeritz, denn der Wolf werde in Zukunft erhebliche Schäden in den Herden von Schafzüchtern und Landwirten anrichten. „Wo bleibt die Entschädigung vom Land?“, fragte Göckeritz mit Blick auf den Artenschutz, den der Wolf genießt, nicht aber landwirtschaftliches Nutztier. „Die Bauern werden gegängelt“, kritisiert Hanisch.

Anstatt Fleiß und Leistungen zu würdigen, würde die Politik gegen die Landwirte arbeiten und sie für jegliches Übel verantwortlich machen. Mehr als 200 Jahre nach der Bauernbefreiung fragen sich die Landwirte der Landkreise Nienburg und Diepholz: „Sind wir noch frei auf unseren Böden?“

„Wir lassen uns nichts mehr vorschreiben“, appellierte Hans-Christian Hanisch an seine mehr als 300 Berufskollegen, die in dem Saal kaum Platz fanden, und führte als Beispiel die Ringelschwanzprämie an – „das ist doch staatlich geförderte Tierquälerei, die nicht funktioniert“. Als weitere Missstände prangerte Göckeritz unter anderem die nicht funktionierende Antibiotika-Datenbank an.

Die laut Hanisch „verantwortungslose und diskriminierende Agrarpolitik“ wolle man nicht länger hinnehmen. Stattdessen sollten die Landwirte ihre Böden verteidigen. „Wir sollen bei größeren Flächen das gleiche Einkommen erhalten, dabei extensiver wirtschaften und die Vorschriften zur Düngung und Fruchtfolge beachten“, zählte Hanisch auf.

Als „Knüller aus Hannover“ sehen die Landvolk-Vorsitzenden, die die Interessen von rund 5000 Mitgliedern vertreten, das Landesraumordnungsprogramm (LROP), das die Landesregierung im Juni verabschiedet hatte. Das Moorschutzprogramm ebenso wie die Ausweisung neuer geschützter Landschaftsbestandteile (GLB) sieht vor, dass auf geschützten Landschaftsbereichen keine Veränderungen mehr erfolgen dürfen. „Bewirtschaftungen jeglicher Art sind nicht mehr möglich“, informierte Göckeritz über das „Öko-Ermächtigungsgesetz“.

Kein Landwirt werde seine Acker- und Grünlandflächen verlieren und es werde keine Einschränkungen geben, hatte Minister Meyer gesagt. Den Vorwurf einer „kalten Enteignung“ halte er für absurd. Dass in dem LROP-Gesetzentwurf selbst darauf hingewiesen wird, dass die Maßnahmen „erhebliche Betroffenheit der auf den betroffenen Böden wirtschaftenden Landnutzer auslösen“, habe Meyer wohl überlesen, meinte Göckeritz sarkastisch.

Er forderte die Landvolk-Mitglieder auf, individuelle Stellungnahmen ans Land zu schicken. Die Frist dafür läuft am 14. November ab, so der Vorsitzende. Um sich „die Dreistigkeit der Politik“ nicht länger gefallen zu lassen, beschlossen die Landwirte während der Versammlung, solidarisch gegen die Vorschriften Stellung zu beziehen.

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