1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz

Landkreis Diepholz: Schulen geben Auskunft zum Stand der Digitalisierung

Erstellt:

Von: Annum Malik

Kommentare

Für viele Schüler gehört der Blick ins Notebook zum Schulalltag – für viele aber eben auch noch nicht.
Für viele Schüler gehört der Blick ins Notebook zum Schulalltag – für viele aber eben auch noch nicht. © M. Murat/dpa

Digitalisierung ist nicht nur an Schulen ein vielzitiertes Schlagwort, aber dort in besonderem Maße. Die Corona-Pandemie rückte den Aspekt zuletzt stark in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Schulen im Landkreis Diepholz haben unter unterschiedlichen Digitalen Voraussetzungen zu arbeiten.

Landkreis Diepholz – Längst sind Smartphone und Tablet Alltag in den meisten Privathaushalten. An den Schulen hingegen dauert der Abschied von Tafel und Kreide länger. Ob Smartboards, iPad-Klassen oder „EduBooks“ für Grundschüler: Schulen sind ein wichtiger Teil der landesweiten Strategie zur Künstlichen Intelligenz (KI-Strategie). Wie digital sind unsere Schulen? Verantwortliche im Landkreis Diepholz berichten über den Status quo.

Pandemie als Beschleuniger

Ein Beschleuniger des Fortschritts sei aus der Not geboren – in Form des coronabedingten Homeschoolings, erzählen Vertreter von Schulen. Christopher Axmann, Schulleiter der Carl-Prüter-Schule in Sulingen, berichtet in dem Zusammenhang auch von Defiziten, die diese Phase sichtbar machte: So hätten einige Schüler über keinen Internetanschluss verfügt, da das Internet auf die Nutzung von Mobiltelefonen beschränkt gewesen sei. Lehrer der Oberschule hätten einzelnen Schülern Hausbesuche abgestattet, um ihnen technische Grundlagen zu vermitteln, erzählt Axmann.

Der Pandemie-Zeit kann die Schulleiterin der Realschule Syke, Antje Jorek, in der Gesamtbilanz viel Positives abgewinnen: Die Konfrontation mit dem digitalen Arbeiten habe Lehrer dazu gezwungen, sich mit neuen Formen des Unterrichts auseinanderzusetzen. Ähnlich klingt die Aussage von Kreisschülersprecher Robin Heimbucher. Er begrüßt die Digitalisierungsfortschritte an den Schulen, lobt die Unterrichtsqualität und das bessere Verständnis von Lerninhalten seit dem Einsatz von Technik.

Stark variierende technische Ausstattung

Ein Blick in die Schulen offenbart: Die technische Ausstattung im Landkreis variiert stark. Kommunen verteilen und genehmigen die technische Ausstattung. Für alle weiterführenden Schulen ist der Landkreis zuständig. Er gibt an, dass hiesige Schulen demnächst vermehrt mit Smartboards – also digitalen Tafeln – ausgestattet werden. Der Ausbau von flächendeckendem WLan für die Schulen liefe ebenfalls.

Für ihre vier Grundschulen meldet die Stadt Diepholz, dass ihnen neben 29 Smartboards, 52 Laptops und 90 „EduBooks“ – speziell für den Unterricht konzipierte Notebooks – bald weiteres technisches Equipment zur Verfügung gestellt werde. Der Anschluss an das Glasfasernetz sei ebenfalls in die Wege geleitet, gibt Alissa Horstmann von der Stadtverwaltung Auskunft.

Die Jahnschule in Diepholz, eine der letzten Hauptschulen im Landkreis, habe für 200 Schüler 30 Laptops und 40 Tablets. „Wir fühlen uns damit sehr gut versorgt“, zeigt sich die Schulleiterin Anika Flöte zufrieden. Die Carl-Prüter-Schule hat für mehr als die doppelte Anzahl an Schülern etwa die Hälfte an technischen Gerätschaften zur Verfügung. Ob die Oberschule trotzdem damit auskomme? Alles eine Frage der Absprache und Koordination, sagt Christopher Axmann. Die umfangreichere digitale Arbeit mit eigenen Tablets scheitere am elternfinanzierten Modell für Kinder aus sozialschwachen Familien, so der Schulleiter.

Kleine Schritte

Dieses Problem kennt das Johann-Beckmann-Gymnasium in Hoya nicht. Schon seit 16 Jahren gibt es dort ab der 7. Klasse aufwärts Tablet- oder Notebook-Klassen. Die Geräte sind elternfinanziert, für wenige Ausnahmen gibt es Leihgerätschaften, erzählt der Mittelstufen-Koordinator Michael Timm.

„Wir gehen in kleinen Schritten voran“, sagt Kim-Julia Vetter, Lehrerin am Schulzentrum Twistringen. Seit Anfang des Jahres stünden dort 80 iPads zur Verfügung.

In Twistringen beginnt digitalisierter Unterricht schon an der Grundschule Heiligenloh – mit PC-Unterricht in dritten und vierten Klassen, erzählt Schulleiterin Elke Meyer. Ähnlich sieht es an der Grundschule Mühlenkamp in Diepholz aus: Dort arbeiten die Kinder ab der dritten Klasse digital. Aber sie seien unzufrieden, weil sie nicht umfangreicher mit den „EduBooks“ arbeiten, erzählt Lehrerin Miriam Griasskin.

Ob flexible Recherchetätigkeiten, Ergebnisbesprechungen, Tabellenkalkulationen oder Archivierung von Lerninhalten – über die vielen Vorteile der digitalisierten Schule sind sich Vertreter der befragten Schulen einig. Unter dem Strich kann und wird mehr Digitalisierung an Schulen den Schülern vor allem dabei helfen, nach der eigenen Schulzeit besser vorbereitet in die Berufswelt starten zu können.

Strategie zur Künstlichen Intelligenz in Niedersachsen
Für Schulen im Land Niedersachsen gilt derzeit das Ziel: Ab 2023 soll für sämtliche neunten und zehnten Klassen Informatik als Pflichtfach eingeführt werden. Lehrkräfte sollen sich durch Fortbildungen qualifizieren und niedersächsische Hochschulen auf die digitalisierte Schule vorbereiten. Denn: Digitalisierung und Medienkompetenz seien Schlüsselkompetenzen für einen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft, sagt das Niedersächsische Wirtschaftsministerium, dem auch die Digitalisierung untergeordnet ist. Für die Finanzierung stellt der Digitalpakt Niedersachsen aus dem Jahr 2019 die Weichen. Der Sockelbetrag liegt bei 30 000 Euro für Schulen ab 60 Schülern. 

Auch interessant

Kommentare