Schülerbeförderung bald teurer?

Benzin- und Dieselpreise gehen durch die Decke – Experte nennt Gründe

Die Kraftstoffpreise liegen derzeit fast so hoch wie im Rekordjahr 2012.
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Die Kraftstoffpreise liegen derzeit fast so hoch wie im Rekordjahr 2012.

Die Treibstoffpreise erklimmen das Allzeithoch. Über mögliche Faktoren für den Preisanstieg an der Tankstelle spricht Bassums Mineralölhändler Stefan Stubbe. Auch das Angebot der Schülerbeförderung im Kreis Diepholz ist betroffen.

Landkreis Diepholz – Viele Autofahrer mögen nicht mehr hinsehen: Erst wandert der flüchtige Blick auf die Preissäule neben der Tankstelle. Anschließend ein nervöser Blick auf die Tankanzeige des eigenen Fahrzeugs. Kraftstoff-Preise erklimmen aktuell Spitzenwerte. Prognosen zeigen vorerst keinen Abwärtstrend auf. Finanzielle Folgen haben die hohen Benzinpreise neben Vielfahrern auch für den Landkreis Diepholz:

Das Angebot der Schülerbeförderung verursacht Mehrkosten.

Schülerbeförderung gehört zum ÖPNV

Meike Zum Vohrde, Pressesprecherin des Landkreises Diepholz, erklärte auf Anfrage die Folgen, die die steigenden Kraftstoffpreise für den Landkreis und das Angebot der Schülerbeförderung haben: „Die Schülerbeförderung spielt sich vorrangig im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) ab. Hierzu stellt der Landkreis den Anspruchsberechtigten ein sogenanntes Schülersammelzeitticket aus. Die Preise für diese Tickets bleiben zunächst auch im Jahr 2022 stabil, dennoch wird sich die Erhöhung der Treibstoffkosten für den Landkreis als Finanzier des straßengebundenen ÖPNV auswirken.“

Schülerbeförderung beim Landkreis

Schülerbeförderung ist die Beförderung der Schülerinnen und Schüler auf dem Schulweg. Ein Anspruch auf Schülerbeförderung beziehungsweise Kostenerstattung besteht nur für bestimmte Schülergruppen, grundsätzlich haben die Erziehungsberechtigten die Kosten zu tragen. Die Landkreise und kreisfreien Städte haben als Träger der Schülerbeförderung die in ihrem Gebiet wohnenden betreffenden Personen unter zumutbaren Bedingungen zur Schule zu befördern oder ihren Erziehungsberechtigten die notwendigen Aufwendungen für den Schulweg zu erstatten. Quelle: diepholz.de

Grund dafür sei, dass in den Verkehrsverträgen zwischen dem Landkreis und den Dienstleistern eine Preisanpassung bei geänderten Personal- und Betriebskosten vorgesehen ist.

Das Angebot der Schülerbeförderung durch den Landkreis Diepholz bereitet aufgrund der hohen Kraftstoff-Preise Mehrkosten.

Ähnlich verhalte es sich bei den Schülerspezialverkehren – bedingt durch gesundheitliche Einschränkungen, Behinderung oder unzureichende ÖPNV-Angebote – die der Landkreis beauftragt hat.

Treibstoffkosten tragen 20 Prozent der Preisbildung

Die Treibstoffkosten tragen etwa 20 Prozent zur Preisbildung im Bereich der Schülerbeförderung bei. Die Personalkosten liegen bei etwa 60 Prozent. Den Unternehmen werde auf Grundlage der Daten des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2021 eine Preisanpassung für Personal- und Treibstoffkosten für das Folgejahr gewährt. „Selbstverständlich wirken sich höhere Treibstoffkosten auf den Kreishaushalt aus, ebenso wie andere Kostenentwicklungen“, so Zum Vohrde.

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Zum Hintergrund: Seit Anfang dieses Jahres gilt in Deutschland eine Bepreisung auf freigesetzten Kohlenstoffdioxid. Pro Tonne des umweltschädlichen Gases fällt aktuell eine Ausgleichszahlung in Höhe von 25 Euro an. Diese soll sich für den Klimaschutz bis zum Jahr 2025 auf 55 Euro pro Tonne erhöhen. Auswirkungen hat die neue Bepreisung unter anderem auf die Tankrechnung an der Zapfsäule.

Produktion von Rohöl geriet ins Stocken

Über mögliche weitere Faktoren, die sich auf die hohen Kraftstoffpreise auswirken könnten, gab Stefan Stubbe, Inhaber des Bassumer Unternehmens „Stubbe Mineralölhandel und Transporte“ Auskunft: „Aufgrund von Folgen der Coronakrise geriet die Produktion von Rohöl ins Stocken. Deshalb ist heute nicht genug Ware für die gestiegene Nachfrage auf dem Weltmarkt vorhanden.“

Ein weiterer Faktor könnte laut dem 53-jährigen Bassumer sein, dass die Rohöl-Förderer im vergangenen Jahr weniger in ihre Förderanlagen investiert hätten. Der Abnahmepreis sei schlecht gewesen, weshalb sich die Produktion wirtschaftlich uninteressant gestaltete. Stubbe: „Eine weitere Mutmaßung von mir wäre, dass es in Amerika aufgrund von Unwettern aktuell zu Produktionsausfällen kommt. Dadurch befindet sich wiederum weniger Rohöl auf dem Markt, was den Preis weiter in die Höhe treiben könnte.“

Rohöl-Markt ist unberechenbar

Von Prognosen, die von zwei Euro pro Liter Benzin bis Jahresende sprechen, distanziert sich der Mineralölhändler. Der Rohöl-Markt sei zu unberechenbar. Jederzeit könnten einzelne Ereignisse Einfluss auf diesen nehmen und den Kraftstoff-Preis beeinflussen. Was Stefan Stubbe aber sagen kann: Er profitiert durch die hohen Preise an der Zapfsäule nicht.

Erdölförderer würden zu den Gewinnern gehören. Deshalb könne sich der 53-Jährige auch vorstellen, dass sich die Versorgung des Marktes mit Rohöl durch vermehrte Investitionen verbessern könnte. „Investitionen gestalten sich momentan wieder als attraktiver.“

Auch der Staat dürfte zu den Profiteuren der gestiegenen Spritpreise gehören. Er verdient durch die Mehrwertsteuereinnahmen mehr als in den vergangenen Jahren.

Transportkosten übertragen sich auf Supermarkt-Preise

Zu den Verlieren zählt Stubbe „alle, die auf der Straße unterwegs sind“. Die steigenden Transportkosten könnten sich seiner Ansicht nach auf die Preise in den Supermärkten auswirken.

Aber auch Anbieter von Personenbeförderung, wie der Landkreis Diepholz, zählen zu den Verlierern der hohen Kraftstoff-Preise.

Erhöhung des CO2-Preises und Kraftstoffpreise

Jahr; Preis/Tonne CO2; Preisanstieg(PA)/Liter Benzin; PA/Liter Diesel

2021 – 25 Euro; circa 7 Cent; circa 8 Cent

2022 – 30 Euro; circa 8,4 Cent; circa 9,5 Cent

2023 – 35 Euro; circa 9,8 Cent; circa 11 Cent

2024 – 45 Euro; circa 12,6 Cent; circa 14 Cent

2025 – 55 Euro; circa 15 Cent; circa 17 Cent

Quelle: adac.de

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