Beeindruckende Ausstellung im Museum / Hannelore Cyrus stellte Arbeiten vor

Kunstwerke der Malweiber

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Hannelore Cyrus erläuterte die Arbeiten der Bremer Malweiber. ·

Syke - „Wir haben hier eine nicht alltägliche Ausstellung von Bremer Künstlerinnen, die sich zwischen Tradition und Moderne bewegten, die Malweiber genannt wurden“. So eröffnete Museumsleiter Ralf Vogeding am Sonntag eine neue Ausstellung und freute sich über ein volles Haus.

Vogeding hob besonders den Besuch von Dr. Dr. Hannelore Cyrus hervor. Die Bremer Sozialwissenschaftlerin und Historikerin führte in die Arbeiten der Malweiber ein.

Hannelore Cyrus ließ das Publikum in ein Terrain eintreten, das seinerzeit nur Männern vorbehalten war. Die Historikerin und Sammlerin nahm die Gäste mit auf den Weg in die Zeit um 1900, nach Worpswede.

Sie stellte es so dar, als sei sie auf angenehme Weise mit den Malweibern verwandt und beleuchtete eindrucksvoll die Zeit mit Auszügen aus dem Briefwechsel von Hermine und Fritz Overbeck. Letzterer ist einer der bedeutenden Worpsweder Maler. Er hatte Hermine Malunterricht gegeben.

Töchter aus bürgerlichen Häusern wurde allenfalls erlaubt, an Privatschulen zu malen. Das gebildete Bürgertum, teilweise verarmt, ließ die jungen Damen Kunst und Musik studieren. Sie wurden ausgebildet zu Erzieherinnen oder Gouvernanten. An Akademien waren sie nicht zugelassen.

Nur Paris, Berlin, Düsseldorf und München gestattete Malerinnen drei Jahre lang ein Studium.

In der Gesellschaft war die Kunst von Frauen indiskutabel. Hermine Overbeck offenbarte in einem Brief ihrem Verlobten Fritz, dass sie beim Kaffeekochen im Atelier die Version gehabt habe, immer für ihn Kaffee kochen zu müssen. Letztendlich waren es später der Haushalt und die Kinder, die nicht zuließen, dass Hermine sich so entfalten konnte, wie es ihrer Begabung und ihrem Wunsch entsprochen hätte. Sie ließ ihrem Mann den Vortritt.

„Im Grund hatten die Männer wohl Angst vor Konkurrenz“, deutete die Referentin die oft unterdrückte Kunst der Frauen.

Allein Clara Rilke-Westhoff, Zeitgenossin von Paula Becker-Modersohn, habe sich mit Kunst ihren Unterhalt selbst verdient. Sie ist mit Bildern im Syker Museum vertreten.

Die ausgestellten Bilder der Malweiber – Stillleben, Landschaften und Porträts – sind faszinierend. Rudolf Alexander Schröder, Bremer Schriftsteller lobte Toni Elsters Hafen- und Schiffslandschaften mit den Worten: „Sie sind Kunstwerke“. Eine Beachtung ihrer Arbeiten war den Malweibern eher fremd. Olga Cordes, Malerin und Schriftstellerin, musste sogar kämpfen, um überhaupt malen zu dürfen.

Anna Plate konnte von ihrer Arbeit leben. „Sie hat den Hang zur Selbstständigkeit“, attestierte ihr Schröder. Ihre Stillleben und die Moorgehöfte seien von hoher Qualität.

Das gilt auch für die Werke von Dora Bromberger, die bereits expressiv malte. 1933 wurden die Werke der Jüdin verboten. Sie wurde nach Minsk deportiert und dort umgebracht.

Im Kreismuseum beeindruckt ihre Arbeit „Mohn auf Hartfaser“.

Eine Lebensgemeinschaft in dem Malerinnenkreis bildeten die Schwestern Berta und Else Wiegand. Emmy Meyer hat sich als aufstrebende Künstlerin einen Namen gemacht. Ihre Malweise war auf wunderbare Art der Natur verhaftet.

Olga Cordes hat die Lebensumstände für Künstlerinnen aus jener Zeit auf den Punkt gebracht: „Das Publikum sollte mit Herz durch eine Ausstellung gehen. Wenn es sehen könnte, welche Verzweiflung in den Ateliers herrscht, im Sommer die Hitze, im Winter die Kälte.“

Ernüchternd für wenig beachtete Künstlerinnen, die so großartige Werke in Öl und Aquarell geschaffen haben. Bilder, die berühren und noch bis zum 11. März im Kreismuseum zu sehen sind. Am 6. März hält Hannelore Cyrus um 19.30 Uhr noch einmal einen Vortrag im Museum über die Bremer Malerinnen. Eine Anmeldung ist unter 04242/ 2527 erforderlich. · iv

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