Ausstellung „DemenzArt“ bis 25. Mai im DRK-Haus „Wohnen im Alter“ in Bruchhausen-Vilsen

Die Kunst kennt kein Alter

Auch abstrakte Bilder wie dieses von Emmert Wotke zieren die Wände des DRK-Hauses „Wohnen im Alter“. Einen Titel hat das Werk nicht.

Br.-Vilsen - Von Andreas HapkeImmer, wenn er die Bilder aufhänge, empfinde er Hochachtung, sagt Michael Ganß. Hochachtung vor den Menschen, deren Schicksale sich hinter den Werken verbergen.

Es sind Bilder von an Demenz erkrankten Frauen und Männern, die zurzeit zwei Etagen des DRK-Hauses „Wohnen im Alter“ an der Bergstraße 9a in Bruchhausen-Vilsen zieren. Dort ist die Ausstellung mit dem Titel „DemenzArt“ noch bis zum 25. Mai zu sehen.

Ganß ist Initiator der Präsentation, die 2006 als einmalige Veranstaltung im Rahmen einer Demenz-Tagung in Berlin gedacht war. Unter den 300 Besuchern befanden sich seinerzeit 150 Wissenschaftler. „Diese Werke sind niemals von Menschen mit Demenz“, hatten laut Ganß etliche Forscher behauptet. „Mit denen sind wir in eine große Auseinandersetzung gegangen.“ Dass sich Menschen mit dieser Krankheit entwickeln und völlig Neues lernen können, wollte Ganß nicht nur in Berlin zeigen. Aus der Eintagsfliege wurde eine Wanderausstellung. Seit sechs Jahren tingelt sie durch ganz Europa. Insgesamt umfasst „DemenzArt“ 150 Werke, von denen jetzt rund ein Drittel in Bruchhausen-Vilsen zu begutachten sind.

Sechs Jahre „DemenzArt“, sechs Jahre Kunst im DRK-Haus – für Heimleiter Frank Schröder passt das zusammen. Von Beginn an ist Anne Stark freiberuflich als Kunsttherapeutin in der Einrichtung tätig. Auch Ganß ist Kunsttherapeut, außerdem Künstler und Gerontologe. Seit Mitte der 80er-Jahre arbeitet er im Altenbereich. Schon immer hat er Kunst als Möglichkeit gesehen, Begegnungen zwischen allen Menschen der Gesellschaft herzustellen. Damit liegt er auf derselben Wellenlänge wie Schröder, der sagt: „Kunst kennt kein Alter.“

Im Gegenteil: Im Alter kann Kunst sogar sehr vielseitig sein, wie die Ausstellung beweist. Sie zeigt Bilder in Acryl, Aquarell und Dispersionsfarben sowie Mischtechniken, Drucke und farbige Banner aus Stoffen. Die Bandbreite des Schaffens reicht von gegenständlich bis abstrakt, von kindlich anmutend bis professionell gestaltet. Darin spiegeln sich laut Ganß die unterschiedlichen Stadien der Demenz wider.

„Für die Einen ist es erst dann ein richtiges Bild, wenn man erkennen kann, was gemeint ist“, sagt der Kunsttherapeut. Diese Menschen seien noch in der Lage, ihr Schaffen zu reflektieren. Im fortgeschrittenen Stadium entstünden die Werke aus dem Gefühl heraus. „Die Leute zeigen dann eine größere Bereitschaft, offen zu sein“, meint Ganß. Eines aber hätten alle der ausstellenden Künstler gemein: „Sie haben sich ihre Werke in der Demenz erschlossen.“ Und: „Was sie zum Ausdruck bringen, hat etwas Authentisches.“

Der bei Zeven (Landkreis Rotenburg) lebende Ganß betreut Projekte in Pflege- und Altersheimen im gesamten Bundesgebiet und in Norditalien. Aus diesen Gegenden stammen auch die ausstellenden Künstler. Den Großteil der Arbeiten hat der 52-Jährige in ihrem Entstehungsprozess begleitet. Ganß hilft den Menschen beim Umgang mit dem Material, Einfluss auf das Thema nimmt er nicht. Vielmehr sieht er seine Aufgabe darin, „einen Raum zu schaffen, in dem künstlerische Freiheit als Atmosphäre da ist“.

„Mutig“ findet es der Kunsttherapeut, dass die Menschen ihre Werke zeigen und sich der Kritik stellen“. Er wisse selbst, was es heißt, mit Kunst nach außen zu gehen. „In meinem Herzen“, meint Ganß, „sind sie alle anwesend.“

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