Ruheständlerinnen besuchen ihren Supermarkt nur noch für Privateinkäufe

„Kunden rechnen noch um“

Weyhe - WEYHE · „Seit zehn Jahren gibt es bereits den Euro in Deutschland in klingender Münze, doch Kunden im Supermarkt rechnen oft noch in Mark um. Vor allem wenn sie sich beschweren.“ Das sagt Lieselotte Schulze (65). Sie war ein Vierteljahrhundert im Supermarkt an der Leester Straße beschäftigt und will jetzt zusammen mit Kollegin Walburga Klingebiel (70) den Ruhestand genießen.

Wer so lange im Einzelhandelsgeschäft an der Kasse gearbeitet hat, hat die Preise im Kopf, sagt Schulze. Sie stimmt jenen Kunden zu, wenn diese manchmal behaupten, dass aus dem alten D-Mark-Preis ein Euro-Preis geworden ist. Ein Beispiel: „Früher hat die Milch 44 Pfennig gekostet, jetzt 51 Cent.“ Und das Einkommen sei im gleichen Zeitraum nicht verhältnismäßig gestiegen, bedauert sie. Doch ihr sei es völlig egal, mit welcher Währung man rechnet – solange die Bezahlung fair ist. Die 65-jährige kritisiert Hersteller, die zwar ihre Produkte zum gleichen Preis anbieten, doch das Gewicht der Ware reduzieren. „Verbraucher sollten genau hinschauen.“ Dem stimmt Walburga Klingebiel zu. Die gelernte Einzelhandelskauffrau wurde seit 2004, kurz nach deren Eintritt ins Rentenalter, Schulzes Kollegin.

Schulze, geboren 1946 in Kirchweyhe, hat sich bereits früh für den Einzelhandel entschieden. Im Alter von 14 Jahren hat sie in Bremen eine Lehre bei Konsum begonnen, einer Kette mit 100 Filialen. Über Umwege und Arbeitsstätten in der Gastronomie am Bodensee, im Schwarzwald und bei Café Jacobs in Bremen kam sie nach Dreye zum Einzelhandelsmarkt Freese. Nach der Aufgabe des Geschäftes wechselte sie in eine Bäckerei, war in einem Blumengeschäft angestellt und fand schließlich den Weg in den damals neu gebauten Kafu-Supermarkt. Sie hat außerdem die Namensänderungen des Marktes in Minimal und zuletzt Rewe begleitet, erzählt sie. „Ich konnte Kunden stets gut einschätzen“, sagt sie und lobt die jungen Hausfrauen: „Sie kochen bestimmt bewusst, wenn man sich die Waren im Einkaufswagen anschaut. Kunden um die 40 Jahre kommen meist einmal die Woche für einen Großeinkauf. Zu Fertigprodukten greifen meist Männer, die alleine leben.“ Beim Thema Alkohol habe sie keinen Spaß verstanden und nie Hochprozentiges an Jugendliche herausgegeben. Es ärgert sie aber schon, dass jüngere Schüler der KGS – sie schätzt das Alter auf 14 bis 16 – in Gruppen mehrere Flaschen aussuchen, und der Älteste kauft sie. „Was soll man machen, wenn ausgerechnet der Käufer den Personalausweis zückt und beweist, dass er 18 Jahre alt ist?“ Früher haben die jüngeren Schüler ältere Kunden angesprochen, ob diese nicht Alkohol kaufen, sagt Walburga Klingebiel. „Diese Masche zieht nicht mehr. Kunden sind sensibler.“ Sie und Schulze sprechen sich gegen späte Ladenschlusszeiten aus. „Das muss nicht täglich sein und verteuert angesichts des Personal- und Energieaufwands nur die Waren“, sagt sie. Ein einziger Tag würde reichen. · sie

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