Ganz große Benefizgala mit der Big Band Bösel und zwei weiteren Künstlern in der Haupt- und Realschule Rehden

„Kulturwolke“ schwebte über Rehden

Die Big Band Bösel zeigte in Rehden ihr brillantes Können und begeisterte die Zuhörer. Fotos (2): Brauns-Bömermann

Brauns-Bömerman - Von SimoneREHDEN · Die Mensa der Haupt- und Realschule in Rehden war am Sonnabendabend rappelvoll. 450 Gäste hatten den Weg durch Regen und Wind gefunden und sie waren „In the mood…“. „Es wird experimentell“, versprach Hartmut Bloch, Rehdens Samtgemeindebürgermeister, seinen Bürgern und allen angereisten Gästen aus dem Umland. Das wurde es dann auch auf ganzer Linie. Ein Konzertabend mit Entertainment und Herzblut der besonderen Art.

Und da die Veranstalter auch in diesem Jahr nicht auf weihnachtliche Klänge zum ersten Advent verzichten wollten, wurden Gudrun Kröger (Gesang) aus Wetschen und Gerd Langwald (Gitarre und Gesang) aus Kirchdorf als Lokalmatadoren engagiert. Es war ein kniffeliges Experiment, aber es ging mit Bravour auf.

Nach den Dankesworten des Bürgermeisters vor ausverkauftem Haus an alle Sponsoren, Vereine, Organisation und Operating-Team konnte das große Benefizkonzert zugunsten der Jugendarbeit in der Samtgemeinde Rehden endlich beginnen. „Das wird ´ne ganz heiße Kiste, wenn ich mir das Publikum und die spaßigen Sponsoren so ansehe“, tönte der Leiter und komödiantisch brillante Bandleader Oliver Thoben gleich im Plädoyer. Und ab da wurden die Lachmuskeln nur noch strapaziert. Das Konzert war in drei Hauptteile aufgeteilt mit zwei Pausen und erstreckte sich auf, sage und schreibe, vier Stunden. Den ersten Part bestritten die 40 jungen Musiker mit „Miles and More“, alias John Miles, Glenn Miller, James Last, Nina Simone. Die Gratis-CD für den Gast mit der weitesten Anfahrt als getarnter Werbegag ging nach Ochtrup im Kreis Steinfurt, obschon diese eigentlich den fünf italienischen Gästen der Big Band Bösel aus Süditalien oder Pete Haywood aus England, Mitglied der ehemaligen Band Dominos mit Gerd Langwald gebührt hätte. Überhaupt sprang von überall her der Funke über, alles duzte sich plötzlich, italienisch, englisch, deutsch waren kein Problem, „Lutherland“ oder 110 Prozent „schwarzgefärbtes aus Bösel“, die Musik spann ein Netz.

Jung bis Jüngste machten Musik für ein bunt gemischtes Publikum und sie verband, ohne Grenzen. „Wir tasten uns bis zum Ende vor und dann müssen wir uns lieben“, war das angestrengte Ziel des Abends. Die Musikwünsche des Rehdener Publikums wähnten bei Oliver Thoben „eine Kulturwolke“ über Rehden, denn es wurden überwiegend „alte Kameraden“ angefordert. Bert Kaempfert, der Vater des „Easy Listening“, bis Jimmy Hendrix waren an dem Abend gefragt, Abba bis Robbie Williams. Latin mit Songs von Santana im Medley gab es vor der ersten Pause, mit Band-Premiere in Rehden. Und da die durchs Publikum marschierenden Posaunisten am Sonntagmorgen wieder unbefleckt in Bösel sein mussten, war nur „Anfassen“ erlaubt.

Das Großevent erfasste zunehmend wirklich alle, auch der Geburtstag von Sponsor Waldemar Opalla (Geschäftsführer der Stadtwerke EVB Huntetal) blieb nicht unbemerkt, ein Ständchen war drin, vom gesamten Publikum mit Gudrun Kröger und Gerd Langwald.

Die beiden hoch motivierten Solisten stürzten sich in den zweiten Teil des Programms und hatten das Publikum nach nur drei Sekunden hinter sich. Hatten die beiden vorher noch nicht gemeinsam gespielt, war es eine Ohrenweide, dem Peter Maffay aus Kirchdorf und der Bette Midler aus Wetschen zu lauschen. „Ich wollte nie erwachsen sein“, „Domenica“, „Islands in the stream“, „Stille Nacht“, „Süßer die Glocken nie klingen“, „The rose“ und einem Überraschungslied eigens für die Samtgemeinde Rehden mit dem großen Herzen von Gudrun Kröger gedichtet. Hartmut Bloch war sichtlich gerührt und entlockte seiner Angestellten Kröger den Text und die Noten. Die Zugabe toppte den Zweierauftritt mit „The Prayer“.

Lichtete sich die Schar der Gratulanten nach der zweiten Pause vor der Bühne, um Gudrun Kröger zur Sangeskunst und Gerd Langwald zum Wiedereinstieg in die Musik zu beglückwünschen, trumpfte die Big Band nochmals ordentlich auf. Es ging international zu: Von Berliner Luft bis zum Zillertaler, King of Rock bis Phil Collins, alle waren musikalisch zugegen. Persönlichkeit schafft Note, Oliver Thoben stellte alle Musiker namentlich vor und freute sich, dass man in Rehden mehr „Bürger als Meister“ mit Hartmut Bloch hatte. „Ihr schafft uns“, kapitulierte der große Maestro gestisch kurz vor zwölf, „und dann ab“, hieß die klare Handlungsanweisung nach dem ultimativ letzten Stück. Wie lange die Session mit Gerd und Gudrun beim Bier oder Lagerfeuer noch weiterging mit ihrem familiären Publikum ist ungewiss, vier Stunden waren jedenfalls Unterhaltung pur!

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