„Krumme Dinger“ soll es in Zukunft nicht mehr geben

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Vorsitzender Theo Runge informierte über die laufenden Gerichtsverfahren.

Diepholz - REHDEN · „Wir mussten bittere Pillen schlucken und haben im Landvolk-Verband noch nie so ein turbulentes Jahr erlebt. Das ist aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.“

Dieses Fazit zog gestern Nachmittag Vorstandsvorsitzender Theo Runge bei der ersten Winterveranstaltung des Kreisverbands Grafschaft Diepholz des Niedersächsischen Landvolks in den Ratsstuben in Rehden. Er spielte dabei auf die Untreue-Vorwürfe gegen ehemalige Landvolk-Mitarbeiter und den früheren Vorsitzenden Lothar Lampe an (wir berichteten).

Der Verband habe Schaden erlitten, monetär und im Ansehen, sagte Runge. Aufgabe der Mitglieder, Mitarbeiter und Funktionsträger sei es nun, zur Aufklärung beizutragen und dafür zu sorgen, dass so etwas nicht wieder vorkommt. „Das tun wir“, verdeutlichte Runge. Es seien „heftige Dinge passiert“.

Runge informierte die rund 70 Anwesenden über die laufenden Gerichtsverfahren in diesem Zusammenhang. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe seien fristlose Kündigungen gegen den ehemaligen Buchstellenleiter Johann-Lüken Gerdes, dessen Ehefrau Algrid Hagen-Gerdes als „Windexpertin“ und den ehemaligen Geschäftsführer Wilhelm Bergmann ausgesprochen worden. Die Betroffenen hätten vor dem Arbeitsgericht Kündigungsschutzklage eingereicht. Der Vorstandsvorsitzende dazu: „Die Gründe sind stichhaltig und für eine fristlose Kündigung ausreichend.“ Das Landvolk sei nicht bereit, mit den Genannten Vergleiche zu schließen. „Wir zahlen diesen Personen kein Geld dafür, dass sie nicht mehr bei uns arbeiten“, sagte der Drebberaner und sprach in diesem Zusammenhang von einem „faulen Kompromiss“.

Das Nienburger Arbeitsgericht hatte die Kündigung Bergmanns vor knapp drei Wochen für unwirksam erklärt. Runge: „Das Urteil ist für uns nicht nachvollziehbar.“ Die Begründung liege beim Landvolk noch nicht vor. Wenn das soweit sei, „schauen wir, ob wir Berufung einlegen. Mein Gefühl sagt mir, wir gehen in die nächste Instanz“, erklärte der Vorsitzende.

In den zivilrechtlichen Verfahren erhebe das Landvolk Forderungen gegen Lampe, Gerdes, Bergmann und den Westwind-Gründer Gerard Meindertsma. „Es geht um widerrechtliche Zahlungen in Millionenhöhe“, erklärte Runge. Ein Teil des Vermögens von Lothar Lampe wurde mittlerweile unter dinglichen Arrest gestellt. „Damit das Geld nach einem Prozess noch da ist und nicht zum Beispiel nach Südamerika geschafft wurde“, erläuterte Runge.

Hinsichtlich der strafrechtlichen Verfolgung werde die Zuständigkeit im Strafverfahren gegen Lothar Lampe seit anderthalb Jahren geprüft. Der Vorsitzende: „Es dauert unwahrscheinlich lange. Uns ist unklar, warum die Staatsanwaltschaft so langsam arbeitet.“ Die Verfahren würden das Landvolk wohl noch viele Monate, vielleicht sogar Jahre beschäftigen, vermutete Runge.

Er dankte den Mitgliedern und Mitarbeitern für die Unterstützung und das Vertrauen, um die notwendigen Veränderungen vornehmen zu können. „Wir haben das richtig gemacht. Es ist gut, dass es aufgedeckt wurde und wir drangeblieben sind“, meinte der Vorsitzende.

Neuer Kreisgeschäftsführer ist seit November der aus dem Artland stammende Dr. Jochen Thiering.

Für die Kreisgeschäftsführung und den Vorstand gelte jetzt zudem eine neue Geschäftsordnung. „Dabei wurde großen Wert auf anwendbare Kontrollmöglichkeiten gelegt“, betonte Runge. Es sei mittlerweile auch ganz schön schwierig, „krumme Dinger“ zu drehen, was auch an neuen Einsichtsrechten für einen größeren Personenkreis liege.

Neue hauptamtliche Geschäftsführerin in der Wind-Abteilung ist Beate Zimdars. Ihr zur Seite steht Jürgen Zilkenat als neuer technischer Leiter Wind. „Mittlerweile wissen wir, dass wir schon länger selber einen Windpark projektieren können – zu einem wesentlich geringeren Preis“, erklärte Runge. Diese Information hätten die ehemaligen Angestellten allerdings nicht weitergegeben.

In der Buchstelle wurde Lars Makareinis als Steuerberater eingestellt. Er ist laut Runge fachlich „hervorragend“ und habe auch Erfahrungen als Wirtschaftsprüfer. Zudem werde ein zusätzlicher Steuerberater gesucht.

Ein weiterer Bericht zur dreistündigen Winterveranstaltung folgt. · hkl

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