Landkreis prüft zurzeit Möglichkeiten der Einrichtung / Gespräche mit der Bundeswehr geführt

Ein Krisenzentrum in Containern

Ein Bild aus schlimmen Tagen: Aufgrund der Schweinepest mussten diese Tiere gekeult werden. Von 1993 bis 1995 hatte die Seuche Schweinehalter und Veterinäre im Landkreis Diepholz in Atem gehalten.

Landkreis - (sdl) · Tierseuchengefahr: Wie schnell sie zum Handeln zwingen kann, das bewies der Geflügelpest-Verdachtsfall in Süstedt im November, der sich glücklicherweise nicht bestätigte. Dass der Landkreis Diepholz die Pflicht hat, für solche Fälle ein Krisenzentrum einzurichten, darauf hatte Dr. Anja Eisenack, Leiterin des Fachdienstes Verbraucherschutz und Veterinärwesen, die Politik bereits im Mai hingewiesen. Wie weit ist die Einrichtung dieses Zentrums gediehen?

Im Haushaltsplan 2010 ist nachzulesen, dass der Landkreis 35 000 Euro für die Einrichtung dieses Zentrums sowie 45 000 Euro für Verbrauchsmaterialien eingeplant hat. Wo und wann das Geld ausgegeben wird, steht offenbar noch nicht fest: „Das ist viel komplizierter, als ich gedacht hatte“, erklärte Dr. Eisenack gestern auf Anfrage dieser Zeitung. „Wir sind zurzeit in ganz, ganz vielen Gesprächen.“

Denn einrichten muss der Landkreis ein Logistikzentrum, das über mindestens 200 Quadratmeter Lagerfläche für Untersuchungsmaterialien sowie Räume für die Dekontaminierung und für die Mitarbeiter verfügen muss. Fest stehe allerdings, so die Fachdienstleiterin, dass der Landkreis weder ein Gebäude bauen noch anmieten werde. Er favorisiere eine Container-Lösung.

Einen Standort für das Krisenzentrum, das im Ernstfall binnen weniger Stunden hochgefahren werden muss, hat der Landkreis schon im Blick: „Wir haben Gespräche mit der Bundeswehr geführt. Aber Verträge sind noch nicht abgeschlossen“, so Dr. Eisenack auf Nachfrage.

Zu klären ist noch eine zweite entscheidende Frage: Kauft der Landkreis die Container selbst – oder vom Land? Oder schließt er mit einer Firma einen so genannten Stand-by-Vertrag? In diesem Fall müsste eine Firma binnen weniger Stunden ausreichend Container nach Diepholz liefern. Zu prüfen wäre außerdem noch die Frage, ob ein solcher Auftrag öffentlich ausgeschrieben werden müsste.

Besteht zurzeit überhaupt eine Tierseuchengefahr? „Die Geflügelpest ist eine ständige Bedrohung“, antwortete die Veterinäramtsleiterin. Außerdem gebe es in weiten Teilen Deutschlands Wildschweine mit Schweinepest. Auch das könne den Landkreis also treffen. Ganz zu schweigen von anderen Gefahren, die sich in einer globalisierten Welt schnell ausbreiten könnten.

Der Süden des landwirtschaftlich geprägten Landkreises Diepholz könnte mit dem Krisenzentrum in Diep holz abgedeckt werden. Im Norden, so Dr. Eisenack, würde man auf das MBZ in Barme zurückgreifen, das mobile Tierseuchenbekämpfungszentrum.

Dessen Module bestehen aus 30 Funktionscontainern, die in maximal 72 Stunden aufgebaut sind. Sie umfassen Büros und Sanitäreinrichtungen inklusive Mobiliar sowie diverse Gang- und Lagercontainer. Der Nachteil: Das MBZ kann bundesweit angefordert werden – in einem Seuchenfall, der bekanntlich an Landesgrenzen nicht halt macht, also von 16 Bundesländern.

Wichtig sei es jetzt, Strukturen und Ablaufpläne zu schaffen, beschrieb die Fachdienstleiterin die nächsten Schritte. Dazu gehören genauso Gespräche über Kooperationen unter verschiedenen Landkreisen – auch in Nordrhein-Westfalen.

Im Seuchenfall würden im Krisenzentrum zwischen 100 und 150 Mitarbeiter gebraucht. Über das Personal muss sich die Tierärztin im Augenblick keine Gedanken machen. Der Einsatz ihrer Kollegen würde zentral über das Land Niedersachsen koordiniert, das bei einer überregionalen Ausbreitung ohnehin die Federführung übernehmen würde.

Der Personaleinsatz wäre unterschiedlich hoch, erläutert Dr. Eisenack. Bei der Schweinepest oder der Maul- und Klauenseuche müssten mehr Kräfte eingesetzt werden als in einem Geflügelpest-Fall. Denn im letzteren könnte die Geflügel-Seuchen-Vorsorge GmbH (GESEVO), eine von Geflügelwirtschaft und Landvolkverbänden gegründete Organisation, das Töten der Tiere und die Entsorgung der Kadaver übernehmen. Schon im Verdachtsfall in Süstedt hatte der Landkreis die GESEVO mit der Tötung und Entsorgung beauftragt.

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