Rund 400 Bühnenstücke gesehen

Wolfgang Scharfschwerdt: Nach 41 Jahren Theater ist Schluss

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Wolfgang Scharfschwerdt (unten links, v.l.) hat ihre Mimik, Gestik und Co. 41 Jahre lang bewertet, um am Ende jeder Spielsaison den „Oscar“ zu verleihen. Er hat schon den stellvertretenden Kreisjugendwart Stefan Treichel als Jungen auf der Bühne gesehen.

Aschen / Rehden - Von Katharina Schmidt. Zeltlager, Brandschutz, Kameradschaft – klar, das alles gehört einfach zur Jugendfeuerwehr. Für einige Ortsgruppen im Landkreis gibt es aber noch einen weiteren großen Bereich: Schauspiel.

Monatelang studieren die Jugendlichen Theaterstücke ein, um sie auf ihren „bunten Abenden“ aufzuführen. Wolfgang Scharfschwerdt hat in seinem Leben schon rund 400 solcher Vorstellungen gesehen. Der Rehdener bewertete sie 41 Jahre lang als Theaterschiedsrichter bei der Feuerwehr. Nun überlässt er das Feld den Jüngeren.

14 Jugendfeuerwehren im Landkreis Diepholz üben pro Jahr mindestens ein Theaterstück ein. Knapp eine Handvoll weiterer Gruppen entscheidet immer wieder von neuem, ob sie sich der Herausforderung annehmen.

Die Zahl der Theaterschiris beläuft sich kreisweit im Idealfall auf neun Personen. „Wenn wir es personell schaffen, sind wir drei Schiedsrichter an einem Abend“, so Scharfschwerdt.

Schmidt und Ohrdes hören ebenfalls auf

Der Abschied fällt dem Rehdener, der von 1979 bis 1988 auch Fachbereichsleiter Sport war, nicht leicht. „Aber irgendwann ist einfach Schluss“, sagt der 62-Jährige.

Angefangen hat für ihn alles, als er mit 21 Jahren den damaligen Hemsloher Ortsbrandmeister Erfried Damm zu einer Theaterwertung begleitet hat. Dass Scharfschwerdt letztlich so lange dabeigeblieben ist, liegt ihm zufolge an der „wahnsinnig tollen Kameradschaft“.

Zwei seiner langjährigen Weggefährten hören ebenfalls als Theaterschiedsrichter auf: Reiner Schmidt aus Rehden (nach 27 Jahren) und Heinfried Ohrdes aus Groß Lessen (nach 24 Jahren).

Hat der Zuschauer den Eindruck, dass sich der Schauspieler mit seiner Rolle identifiziert? Sprechen die Akteure laut und deutlich? Wie sieht es mit Mimik und Gestik aus? Dies sind nur ein paar der Fragen, die die Theaterschiedsrichter beantworten müssen. „Es gibt einen Wertungsbogen mit verschiedenen Kategorien“, führt Scharfschwerdt aus. Inzwischen laufe dieser auch bei anderen Theaterstücken in seinem Hinterkopf ab.

„Wir sind sehr pingelig“

„Wir sind sehr pingelig“, sagt der Rehdener. „Weil das Niveau mittlerweile sehr hoch ist. Es ist bei einigen höher angesiedelt, als bei manchen erwachsenen Laienschauspielern.“ Einen Eindruck ihres schauspielerischen Könnens geben Jugendfeuerwehren übrigens derzeit im Abendprogramm des Zeltlagers.

Kreiszeltlager der Jugendfeuerwehr: der Dienstag in Aschen

„Leider ist die Anzahl der Theaterstücke der Jugendfeuerwehren rückläufig. Das ist schade“, bedauert Scharfschwerdt. „Es gibt viele Jungendwarte, die selbst nie auf der Bühne gestanden haben“, nennt er einen möglichen Grund. „Außerdem fehlen in den Dörfern die Räumlichkeiten für die Auftritte.“ Der stellvertretende Kreisjugendfeuerwehrwart Stefan Treichel fügt hinzu, dass viele Kinder neben Ganztagsunterricht nur wenig Zeit hätten.

Komplett kehrt Wolfgang Scharfschwerdt den „bunten Abenden“ nicht den Rücken zu. „Lust mir Theater anzugucken habe ich immer noch“, sagt er. Und da der ehemalige Sparkassen-Mitarbeiter in der vergangenen Woche in den Ruhestand getreten ist, findet sich bestimmt auch Zeit. „Auf der Reservebank sitze ich noch.“

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