Kreistag will nur richtungsweisend entscheiden/Urologie nach Sulingen?

Elf Arbeitsaufträge an die Alexianer-Geschäftsführung

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Auf dem Flachdach des Altbaus (rotes Gebäude rechts hinter dem weißen Neubau) am Bassumer Krankenhaus müsste ein Hubschrauberlandeplatz entstehen.

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Kein starres Konzept, sondern eine richtungsweisende Entscheidung mit detaillierten Aufträgen an die Geschäftsführung der Alexianer: Das ist die aktuelle Strategie des Landkreises zur Zukunftssicherung der Kliniken. Dafür hat der nichtöffentlich tagende Kreisausschuss gestern eine Sitzungsvorlage für den Kreistag beschlossen. Ein Papier, das im Raum Diepholz schon für Entrüstung sorgte, weil darin als eine Option die Verlegung der Urologie von Diepholz nach Sulingen formuliert ist – und für die Diepholzer Klinik nur eine Innere Abteilung mit einem Facharzt- oder Medizinischem Versorgungszentrum.

Konkreter politischer Beschlussvorschlag ist die Verlegung nicht – ebenso wenig wie die geplante Verlagerung der Unfallchirurgie von Sulingen nach Bassum. Es sind richtungsweisende Ideen und Optionen, die in dem Papier formuliert sind.

„In Diepholz würde die etablierte und leistungsstarke Innere Abteilung einschließlich Kardiologie mit Herzkatheder verbleiben, die inhaltlich und kapazitätsmäßig weiter entwickelt werden könnte“, ist in der Sitzungsvorlage nachzulesen. Außerdem könnten dort eine psychiatrische Tagesklinik und eine Institutsambulanz entstehen.

Für die Urologie an der Sulinger Klinik würden Betten und OP-Kapazitäten frei, wenn die Unfallchirurgie in das Krankenhaus Bassum verlagert würde. Betten wären dort zwar vorhanden, aber notwendig wäre der Bau eines Hubschrauberlandeplatzes. Doch der könnte auf dem Dach des Krankenhaus-Altbaus nur mit „erheblichem baulichen Aufwand“ geschaffen werden. Ungeklärt ist außerdem, ob er überhaupt genehmigungsfähig wäre.

Konkrete Beschlüsse dieser Art wollen die Politiker am Montag demnach nicht treffen: Die detaillierte Umsetzungsplanung soll die Geschäftsführung der Alexianer erarbeiten.

Vor allem aber will der Kreistag das Land und den Bund in die Pflicht nehmen: „Da die bestehenden Probleme nicht lokaler Natur sind, fordert der Landkreis Bund und Land auf, den ländlichen Raum bei dieser Aufgabe stärker zu unterstützen“, heißt es in der Sitzungsvorlage – und weiter: „Da strukturelle Probleme der Krankenhausversorgung nicht an Landkreisgrenzen halt machen, können diese auch nicht innerhalb eines Landkreises gelöst werden. Ärzteversorgung und finanzielle Ausstattung unserer Krankenhäuser sind auch Aufgaben von Bund und Land.“

Als Beitrag zur strukturellen Verbesserung verfolge der Landkreis Diepholz ein Zwei-Hauptstandorte-Konzept, „bei dem die Hauptstandorte eine gleich hohe Wertigkeit besitzen“. Als Beschlussvorschlag ist konkret formuliert: „Dazu sollten neben der Optimierung und Konzentration von Leistungen an den beiden Hauptstandorten Bassum und Sulingen am Standort Diepholz Leistungen zum Beispiel im Zusammenhang mit einer Inneren Abteilung und/oder einem Facharztzentrum/Medizinischen Versorgungszentrum angeboten werden.“

Schließlich soll der Kreistag den Landrat beauftragen, das weitere Vorgehen mit dem Mitgesellschafter Alexianer GmbH abzustimmen. Der Geschäftsführung will die Politik übertragen, Versorgungssicherheit, Qualität und Wirtschaftlichkeit in einer detaillierten Umsetzungsplanung sicherzustellen. Sage und schreibe elf Einzelpunkte umfasst dieser Auftrag demnach: Die Geschäftsführung soll den ordnungsgemäßen Betrieb der Krankenhausstandorte gewährleisten, die Gleichwertigkeit der beiden Hauptstandorte beachten, ein Personalkonzept unter Beteiligung der Mitarbeitervertretung erarbeiten und mit allen Vertragspartnern Verhandlungen führen. Zum Auftrag gehört auch, die Möglichkeit einer interdisziplinären Chirurgie in Eigenverantwortung von Ärzten der Klinik Diepholz zu prüfen, die Notfallversorgung im Landkreis aufrecht zu erhalten „und zur Gewährleistung eines gesetzeskonformen Rettungsdienstes im Landkreis beizutragen“, ebenso Bau- und Organisationsplanung samt detaillierter Kostenschätzung sowie einen Zeitplan zu erarbeiten, Abstimmungsgespräche mit allen Beteiligten zu führen und die Entwicklung der Psychiatrie im Landkreis zu verfolgen. Wenn die Kapazitäten der neuen Psychiatrie in Bassum erschöpft wären, könnte eine weitere Station in Diepholz das Ziel sein.

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