Kreissparkasse Grafschaft Diepholz feiert heute Jubiläum/Interview mit Vorständen und Verwaltungsrats-Chef

Auftrag ist die Region – seit 150 Jahren

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150 Jahre Kreissparkasse Grafschaft Diepholz: Verwaltungsrats-Vorsitzender Cord Bockhop, Vorstandsvorsitzender Ralf Finke und Vorstand Claus Nordsieck (von links) im Interview mit Eberhard Jansen, Redaktionsleiter in Diepholz.

Diepholz - Ihr Auftrag ist die Region. Die Menschen hier mit Finanzdienstleistungen versorgen, Partner des Mittelstandes sein und gemeinnützige Institutionen durch Sponsoring und Spenden fördern: Dafür steht die Kreissparkasse Grafschaft Diepholz seit genau 150 Jahren. Heute Abend feiert das Geldinstitut sein Jubiläum mit einem Festakt, zu dem 250 Gäste in der Hauptstelle in Diepholz erwartet werden. Im Vorfeld sprach unsere Zeitung mit den Kreissparkassen-Vorständen Ralf Finke und Claus Nordsieck sowie mit dem Verwaltungsrats-Vorsitzenden Landrat Cord Bockhop. Das Gespräch führte Eberhard Jansen, Redaktionsleiter in Diepholz.

Herr Finke, ist das Modell der Sparkassen mit öffentlichen, kommunalen Trägern nach 150 Jahren noch zeitgemäß?

Ralf Finke: Die Finanzkrise hat gezeigt, wie wichtig, stabil und aktuell das Sparkassensystem ist. Das Hauptaugenmerk der Sparkassen liegt nicht auf der Gewinnmaximierung, sondern auf der Versorgung der Bevölkerung mit soliden und sicheren Finanzprodukten. Das ist nach wie vor aktuell. Durch die Finanzierung mittelständischer Unternehmen fördern wir außerdem die wirtschaftliche Entwicklung vor Ort. Doch nicht nur die Dienstleistungen in finanziellen Angelegenheiten zeichnen die Sparkassen aus, sondern auch ihr Engagement im Gemeinwesen, das der gesamten Bevölkerung zu Gute kommt.

Herr Nordsieck, wie groß ist die Kreissparkasse Grafschaft Diepholz?

Claus Nordsieck: Mit 1,6 Milliarden Euro Bilanzsumme liegen wir unter den 46 Sparkassen in Niedersachsen – aber auch unter den 416 in Deutschland – im Mittelfeld, bezogen auf die Bilanzsumme. Der Marktanteil in unserer Region liegt bei 53,3 Prozent. Wir haben 366 Mitarbeiter und betreiben 20 Geschäftsstellen sowie 42 Geldautomaten. Die Kunden haben bei uns 1,3 Milliarden Euro angelegt. Die Summe der Kredite beträgt 1,15 Milliarden Euro.

Herr Bockhop, wie wichtig ist für den Landkreis die Kreissparkasse Grafschaft Diepholz?

Cord Bockhop: Die Sparkasse hat für die Region insgesamt eine hohe Bedeutung – als marktführender Finanzdienstleister sowie als bedeutender Arbeitgeber und Steuerzahler. Den Kommunen im südlichen Landkreis fließen erhebliche Mittel aus Steuerzahlungen der Sparkasse zu: In den vergangenen fünf Jahren waren das 362200 Euro Grundsteuer und 10,1 Millionen Euro Gewerbesteuer. An Spenden und Sponsoring investierte die Kreissparkasse Grafschaft Diepholz in den vergangenen fünf Jahren rund 1,5 Millionen Euro für das Gemeinwohl.

Und was ist der konkrete Nutzen für die Menschen im Landkreis?

Bockhop: Die Sparkasse ist für die Menschen des Landkreises wichtig als Grundversorger, bei dem jeder ein Girokonto bekommen kann. Ebenso wichtig ist sie als flächendeckender Finanzdienstleister und damit auch als Wirtschaftsförderungs-Institution.

Nicht zu vergessen ist, dass die Sparkasse auch durch Spenden und Sponsoring Kultur, Sport, Umwelt und soziale Institutionen unterstützt. Wichtig waren und sind Sparkassen beim Aufbau von Infrastruktur und kommunalen Leistungen.

Mit den Krediten, die sie bei den Sparkassen aufnahmen, bauten Städte, Gemeinden und Kreise die Verkehrswege aus und organisierten den Nahverkehr sowie eine moderne Versorgungswirtschaft.

Für Sparkassen gilt das Regionalprinzip. Was ist darunter zu verstehen?

Nordsieck: Das Geschäftsgebiet der Kreissparkasse Grafschaft Diepholz ist an den Wirtschaftsraum des südlichen Landkreises Diepholz gebunden. Damit ist garantiert, dass die geschäftspolitischen Entscheidungen dezentral – orientiert an den örtlichen Gegebenheiten – getroffen werden. Das Geld, das die Kunden hier zur Sparkasse bringen, bleibt in unserem Wirtschaftsraum. Es steht sowohl Privaten als auch Unternehmen für Kredite zur Verfügung und fließt nicht in andere Regionen oder undurchsichtige, globale Finanzkonstrukte, die keiner versteht und sogar Ursache für die Finanzkrise 2008 waren.

Welchen Stellenwert haben Sparkassen in der deutschen Finanzbranche, Herr Finke?

Finke: Die Sparkassenorganisation ist die größte deutsche Bankengruppe. Sie hat sich nicht nur in der Finanzkrise gut geschlagen. Früher galten wir als eher „verstaubt“.

Das konservative Konzept beziehungsweise das traditionelle Geschäftsmodell hat sich aber bewährt. Sparkassen verbinden Tradition und Innovation sehr erfolgreich. Sie bieten sowohl die persönliche Beratung vor Ort als auch Service- und Finanzdienstleistungen im Internet sowie in mobilen Medien an. Mit ihren Spezialisten und Fachberatern deckt die Sparkassen-Finanzgruppe das gesamte Finanzdienstleistungsspektrum ab.

Die Kreissparkasse Grafschaft Diepholz ist seit 150 Jahren erfolgreich. Gibt es ein Erfolgsgeheimnis?

Nordsieck: Wir betreiben eine solide Geschäftspolitik, die langfristig und nicht auf kurzfristige Erfolge ausgerichtet ist. Mit Experimenten und riskanten Produkten beschäftigen wir uns gar nicht erst.

Wesentlich sind auch die langfristigen, auf gegenseitigem Vertrauen beruhenden Kunde-/Beraterbeziehungen.

In der jetzigen Niedrigzinsphase steht auch die Kreissparkasse Grafschaft Diepholz vor sinkenden Zinserlösen. Wie reagieren Sie darauf?

Finke: Wir sind solide aufgestellt und haben eine gute Eigenkapitaldecke. Somit sind die niedrigen Zinsen für uns nicht existenzbedrohend. Wir müssen aber in den nächsten Jahren die Entwicklung unserer Kosten im Auge behalten.

Worin unterscheidet sich eine Sparkasse von einer Direktbank?

Finke: Eigentlich sind wir die wahre „Direktbank“. Wir sind immer nah am Kunden: Wir bieten Geschäftsstellen mit Mitarbeitern und Geldautomaten an 20 Orten. Ein Servicetelefon in Diepholz mit eigenen Mitarbeitern erfüllt Kundenwünsche an sieben Tagen in der Woche und auch außerhalb der Öffnungszeiten. Natürlich ist der Kunde mit Online- und Mobile-Banking zu jeder Zeit und an jedem Ort der Welt mit uns verbunden.

Welche Rolle spielt das Onlinebanking?

Nordsieck: Mehr als 16000 Kunden nutzen die Möglichkeiten des Onlinebankings. Nach wie vor sind aber unsere 20 Geschäftsstellen die bevorzugten Anlaufpunkte unserer Kunden, dies wird auch in Zukunft so bleiben. Das Kundenverhalten hat sich verändert. Manche möchten – je nach persönlicher Situation – statt des persönlichen Gesprächs lieber den Kontakt über Computer, Telefon oder Smartphone.

Wo sehen Sie Marktpotenzial und Chancen für die Zukunft?

Finke: Wir planen weiteres Wachstum im Kundengeschäft und im Online- und Mobile-Banking. Aufgrund des aktuell niedrigen Zinsniveaus erwarten wir eine Belebung des Wertpapiergeschäftes.

Ein bedeutender Wachstumsträger sind seit einiger Zeit die gewerblichen Finanzierungen; hier gehen wir aufgrund der guten konjunkturellen Lage und den niedrigen Zinsen von einer Fortsetzung aus. Im Versicherungsgeschäft erwarten wir ebenfalls ein Wachstum, hier haben wir unsere Ressourcen kräftig ausgebaut und auch neue Arbeitsplätze geschaffen.

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