„Eltern und Kinder nicht im Stich lassen“

Kreis Diepholz soll Schulsozialarbeit finanzieren

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Ein leises Zähneknirschen war auf der Sitzung des Schulausschusses des Landkreises Diepholz am Dienstag durchaus zu hören – bei dem einen mehr bei dem anderen weniger.

Aber letztendlich stimmten doch fast alle Politiker für den Antrag, weil sie den Konflikt zwischen Land und Kommunen nicht auf dem Rücken der Schwächsten der Gesellschaft austragen möchten: den Kindern. Darum empfahl der Ausschuss bei nur einer Gegenstimme, dass der Landkreis die Schulsozialarbeit an den Gymnasien Syke, Sulingen, Diepholz, Bruchhausen-Vilsen und Twistringen und an den Förderschulen Syke, Sulingen und Diepholz aus eigenen Mitteln fortsetzt, bis das Land sich kümmert.

Dafür werden Mittel in dem bewilligten Umfang von bis zu 216 000 Euro jährlich in die Haushaltspläne der Jahre 2018 bis 2021 (27 000 Euro jährlich für je 0,5 Stelle an acht Schulen) eingestellt. Die Finanzierung endet im Einzelfall, sobald das Land Personal an der jeweiligen Schule einsetzt, spätestens jedoch Ende 2021. Eingebracht wurde der Antrag von CDU und SPD.

Hans-Werner Schwarz (FDP) kam die ganze Situation unangenehm vertraut vor. „Schon 2014 haben wir beschlossen, dass der Landkreis die Schulsozialarbeit aus eigenen Mitteln fortführt – mit der geballten Faust in der Tasche.“ Und jetzt passiere das Gleiche wieder, obwohl die Landesregierung im Geld schwimme. „Ein Unding!“, so Schwarz. Und obwohl die Tätigkeit der Schulsozialarbeiter von allen Fraktionen mit Recht gewürdigt werde, müsse er mit „Nein“ stimmen. „Es geht um unsere Glaubwürdigkeit. Beim Land stellt sich sonst die Erkenntnis ein: Mit den Kommunen kann man’s ja machen. Aber wir lassen uns nicht an der Nase herumführen.“ Er könne auch nicht nachvollziehen, warum die CDU einerseits gegen dieses Verhalten wettere, aber es andererseits durch solch einen Antrag mittrage.

Verständnis für seinen Ärger erntete Schwarz von Hermann Schröder (FWG). „Doch die Schulsozialarbeit ist zu wertvoll, deswegen stimmen wir zu.“ Auch Dietrich Struthoff (CDU) konnte Schwarz’ Sicht nachvollziehen, aber „wir können die Eltern und Kinder nicht im Stich lassen. Wir wollen jedoch weiter auf das Land einwirken.“ Frank Seidel von der SPD gab zu: „Auch wir hätten uns das anders gewünscht, aber wir können auch nicht sagen, wir sind für Schulsozialarbeit, so lange es nicht an unseren Geldbeutel geht.“

Nach der Abstimmung meldete sich ein Elternvertreter des Gymnasiums Syke zu Wort und sprach seinen Dank aus: „Der Bedarf an Schulsozialarbeit ist an Gymnasien genauso hoch wie an anderen Schulen.“ Er wünschte sich, dass auch die Arbeitsverträge der Beschäftigten die Wertschätzung widerspiegeln und eine Kraft nicht jedes Jahr ausgetauscht werde. „Setzen Sie sich für nachhaltige Lösungen ein“, bat er. Erster Kreisrat Wolfram van Lessen zeigte Verständnis, gab aber zu Bedenken, dass das Land andere Tarifverträge habe, als die Kommunen – was in der Regel weniger Geld bedeutet.

Eine Schulsozialarbeiterin beklagte auch das wenig transparente Bewerbungsverfahren der Landesschulbehörde und die langen Wartezeiten, bis man eine Rückmeldung bekomme. „Das ist einfach schlecht organisiert

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