Polizeiarbeit im Rückblick / Fahrraddiebe und Drogen

Kosmetika-Dieben Handwerk gelegt

Im Mai 2009 fliegt in Twistringen eine Jugendbande auf, die über Wochen Ladendiebstahlsdelikte im großen Stil begangen hat. Im Bild Oberkommissar Helmut Wilkens, damals mit einem Teil der sicher gestellten Beute in der Polizeistation.

Twistringen - (tw) · „Kosmetika waren der Renner“ titelt diese Zeitung im Mai 2009. Oberkommissar Helmut Wilkens hat in akribischer Kleinarbeit eine Ladendiebstahlsserie aufgeklärt. Kommissar Thorsten Stamm erinnert sich lebhaft an den jungen Twistringer, der gleich nach seinem Zahnarzttermin im Jugendarrest gelandet ist. Stationsleiter Reinhard Imken betont bei der Jahresrückschau: „Unsere verstärkten Fahrradkontrollen haben deutlich Wirkung gezeigt.“

Oberkommissar Imken, seit November 2007 Polizeichef, berichtet von vermehrten Wohnungseinbrüchen, gerade in der zweiten Jahreshälfte und offenbar zum großen Teil durch „reisende Täter“ – auf der Suche nach Wertgegenständen. Imken räumt aber ein, dass auch Beschaffungskriminalität in der Drogenszene ihren Anteil daran hat, wenn auch Drogen weniger aufgefallen sind. Ansonsten, so Imken, sei 2009 relativ ruhig gewesen.

Im April gehen die Beamten ein Problem offensiv und öffentlich an: „Stoppt den Fahrradklau!“. Nach verschärften Kontrollen legten in der zweiten Jahreshälfte die Fahrraddiebe offenbar eine zweimonatige Pause ein, bevor zum Herbst wieder häufiger vermisste „Drahtesel“ gemeldet werden. Im Jahresdurchschnitt beschäftigen zwischen 200 und 300 gestohlene Räder die Polizei, die weiterhin ein scharfes Auge auf belebte Plätze und Drahtesel hat.

Seit Jahren sind vor allem Damen- und Hollandräder gefragt. Die tauchen später kaum wieder auf – wie vom Erdboden verschluckt. Andere Drahtesel, kurzzeitig gestohlen, landen in Vorgärten oder demoliert an der Schule und anderen Plätzen. Oder am Twistringer Bahnhof. Für die Ordnungshüter ist dort der Dreh- und Angelpunkt.

Kommissar Zufall hilft, als der 34-jährige Thorsten Stamm und ein Kollege im Rahmen der Amtshilfe einen mit Strafbefehl gesuchten jungen Mann aus Twistringen abholen wollen. Die Wohnung ist offen, aber niemand da. Am Spiegel im Flur entdeckt die Polizei einen Zahnarzttermin-Zettel, gerade für diesen Tag. Also fahren die Beamten hin und warten, bis der junge Mann die Praxis verlässt...

Für Schlagzeilen und reichlich Gesprächsstoff in Twistringen sorgt die Aufklärung einer Diebstahlsserie. Wochenlang ist Oberkommissar Wilkens mit den Ermittlungen beschäftigt. Die Jugendbande fliegt auf, als ein Beteiligter in einer Drogerie an der Bremer Straße mit einem Rucksack voller Kosmetika erwischt wird, die an Mitschüler „vertickt“ werden sollen. Zuvor ist am Bahnhof ein Fahrrad gestohlen worden. Kommissar Stamm ist zu der Zeit in Zivil am Bahnhof unterwegs. Auf die überführten Jugendlichen warten später die strafrechtlichen Folgen. Imken und Wilkens betonen, die Aufklärung sei letztlich nur durch den guten Kontakt der Polizei zur Bevölkerung möglich gewesen.

Noch eine Geschichte, die nachwirkt: Eine ältere Dame meldet telefonisch ihr Fahrrad als gestohlen, aus der Garage. Doch die Versicherung will nicht zahlen. So taucht die Dame in der Polizeistation auf und meldet bei einem anderen Kollegen ihr Fahrrad als gestohlen, nun am Bahnhof. Aber der Beamte ist im Bilde. Pech für die Twistringerin. Sie muss sich danach wegen des Verdachts des Versicherungsbetruges verantworten.

Die Twistringer Polizei leistet Amtshilfe für die Kollegen aus der Inspektion Diepholz, aus den Fachkommissariaten. Sie geht Hinweisen und verdächtigen Personen nach – ob eine Straftat vermutet wird oder fremde Frauen an der Haustür nach Arbeit fragen. Letztere könnten ja auch eine Örtlichkeit auskundschaften.

Reinhard Imken, Helmut Wilkens, Bernhard Glandorf, Thorsten Stamm und seit dem Frühjahr Andreas Perau arbeiten eng mit den Kommissariaten in Syke und Diepholz zusammen. Imken: „Die Menschen denken, die Polizeistation ist nicht immer besetzt, also kein Beamter vor Ort. Da täuschen sie sich. Trotzdem ist die Polizei präsent.“

Schließlich stellvertretender Stationsleiter und Kommissar Bernhard Glandorf: „Wir leisten hier viel Arbeit, die Außenstehende nicht sehen.“ Ob Tatverdächtige vernehmen oder Zeugen vorladen: Der Beruf erfordert auch viel Schreibtischarbeit.

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