Kirchenkreistag beschließt Stellenrahmenplan nach hitziger Diskussion

„Kirche ist kein Sparverein“

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Die Delegierten des Kirchenkreistags hatten schwierige Entscheidungen zu treffen. ·

Syke - Von Marion BersSeltene Uneinigkeit gab es jetzt auf dem Kreiskirchentag in Syke. Kein Wunder, denn es standen Entscheidungen über Personalpolitik und Finanzen an, stets ein sensibles Thema. Die gute Nachricht: Eine zehnprozentige Kürzung auf die seit 2010 neu besetzten Stellen ist ab sofort nicht mehr nötig.

Dennoch fühlen sich insbesondere die Gemeinden mit niedrigen Mitgliederzahlen, aber großen Flächen wie zum Beispiel Wechold, Martfeld und Hoyerhagen benachteiligt, denn sie haben bereits in den vergangene Jahren Kürzungen und Stellenabbau hinnehmen müssen. Der Superintendatur hingegen werde eine halbe Stelle mehr zugebilligt, um den gestiegen Verwaltungsaufwand zu bewältigen.

Bis man sich dann doch auf den vorgeschlagenen Stellenrahmenplan bis 2016 einigen konnte, vergingen drei Stunden in hitziger Diskussion. Zur Abstimmung standen sowohl die Grundstandards des Kirchenkreises, eine Planungsvorlage die die Richtung der seelsorgerischen und sozialen Arbeit der nächsten Jahre umreißt, als auch die dafür nötigen Planstellen.

Darüber hätten Jürgen Stegmann aus Wechold und seine Unterstützer am liebsten nach einzelnen Gemeinden getrennt abgestimmt, doch die Verflechtung von Aufgaben und Personalaufteilung zwischen den Gemeinde ließ eine solche Trennung nicht zu.

Dabei ist genau das der Stein des Anstoßes: Vielen kleinen Kirchengemeinden steht nur eine viertel oder eine halbe Pastorenstelle zu, was dazu führt, dass jeden Sonntag im Monat ein anderer Seelsorger aus den Nachbargemeinden die Predigt hält. Eine persönliche soziale Bindung zwischen Gemeinde und Kirchenvertreter sei da schwierig.

Auch die Pastorinnen und Pastoren belaste diese „Reisetätigkeit“ sehr, bis zu drei Gottesdienste an einem Sonntag sind keine Seltenheit, und auch ihre Verwaltungstätigkeit hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen, wie Pastor Christoph Gamer aus Bruchhausen-Vilsen bestätigte. Obendrein seien die wichtigen Säulen Diakonie, Jugendarbeit und Kirchenmusik durch vorangegangene Kürzungen schon recht angegriffen. Dabei wäre nach Ansicht einiger Delegierter soviel Sparsamkeit nicht nötig, allein im vergangenen Jahr erhöhten sich die Rücklagen des Kirchenkreises um eine knappe Million Euro.

Das wurmte auch Wolfgang Papst aus Heiligenrode: „Wir müssen in die Menschen investieren; ich bin Mitglied einer Kirche und nicht eines Sparvereins.“ Reinhard Kleinschmidt aus Vilsen sieht in der Planung eine Art vorauseilenden Gehorsam: weil man in einigen Jahren wegen schwindender Gemeindegliederzahlen manche Stellen nicht mehr würde besetzen könnte, würde man sie an der Basis schon jetzt eindampfen, während man die Verwaltung ausbaue. Darin sieht er ein falsches Signal. Pastor Holger Tietz aus Leeste verteidigte leidenschaftlich die vorliegenden Pläne, warf den Kritikern sogar Demagogie vor. „Man kann doch nicht sagen, wenn wir unten nix kriegen, lehnen wir die Stellen oben einfach ab.“

Superintendent Dr. Jörn-Michael Schröder und Knut Laemmerhirt, Vorsitzender des Kirchenvorstandes, bemühten sich, die Gemüter zu beschwichtigen und schließlich erzwang ein Antrag von Heinz-Jürgen Häßner eine Gesamtentscheidung. Mit 40 zu 20 Stimmen wurden Grundstandards und Stellenrahmenplan als Gesamtpaket von den Delegierten gebilligt.

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