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Zwei Brunnen am Standort Kirchdorf werden erneuert

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Von: Sylvia Wendt

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Bis in eine Tiefe von 40 Metern werden die Rohre, hier für den Brunnen 2, heruntergedrillt.
Bis in eine Tiefe von 40 Metern werden die Rohre, hier für den Brunnen 2, heruntergedrillt. © S. Wendt

Kirchdorf – Die Brunnen 1 und 2 sind über ein halbes Jahrhundert alt. „Und wie das so ist in dem Alter, da hat man schon mal ein kleines Zipperlein“, erklärt Andreas Geyer, warum die Wasserversorgung Sulinger Land an beiden Brunnen eine sogenannte Überbohrung durchführt. Der Geschäftsführer des Verbandes ist an diesem windigen Mittwoch vor Ort, eben so Günter Frenkler (zuständig für die Wasserförderung und die Wasserwerke) und Frank Sommer (zuständig für das Wasserversorgungsnetz und die Hausanschlüsse).

Die Überbohrung stellt sicher, dass die Brunnen, beide gelegen auf dem Gelände des Wasserwerkes in Kirchdorf, auch weiterhin ihre Aufgabe erledigen können und die Kunden nicht irgendwann auf dem sprichwörtlichen Trockenen sitzen.

Obwohl: Tiefer, als die geplanten 40 Meter geht es nicht in das Kirchdorfer Erdreich, zumindest nicht für den, der Wasser fördern möchte. „Dann beginnt die 800 Meter mächtige Tonschicht, die sich hier durch die Region zieht“, stellen Frenkler und Geyer heraus. Eine Förderung von Wasser aus darunter liegenden Tiefen sei aktuell undenkbar, erklärt Frenkler. Die Kosten seien zu hoch, das kostbare Gut ist noch an genügend Stellen leichter zu erreichen. Aber – wer weiß, was die Zukunft bringt? Frenkler mag sich da nicht festlegen, angesichts von Starkregenereignissen, die das Wasser ungenutzt vorbeiströmen lassen oder heißen trockenen Sommern.

Die alte Schachtkonstruktion wird herausgehoben.
Die alte Schachtkonstruktion wird herausgehoben. © S. Wendt

Die Entwicklung im Hinblick auf die Wasserressourcen hat Günter Frenkler dabei genau im Blick: Ob die Renaturierung einst begradigter Flussverläufe andernorts, die Wasserstände von Talsperren und andere Wasserhalteoptionen oder „das neue Wasserversorgungskonzept des Landkreises Diepholz“, ergänzt Andreas Geyer. „Wir liefern eine Qualität an Wasser“, sagt Geyer und meint: Eine Sorte. Und: Das Trinkwasser ist für Mensch und Tier gleichermaßen geeignet und nutzbar, wird allerdings auch für das Grün im eigenen Garten genutzt oder auf den Feldern der Landwirte.

Eigene Laboruntersuchungen und die regelmäßigen Überprüfungen durch unabhängige Labore bescheinigen dem Wasser eine sehr gute Qualität. Deshalb auch kommt es aktuell auf dem Gelände des Wasserwerks Kirchdorf zu Bauarbeiten: Nein, es wird kein neuer Brunnen gebaut, sondern zwei bestehende Brunnen, eben jene mit den Nummern 1 und 2, erhalten eine Überbohrung. Dabei werde bis in eine Tiefe von 40 Metern ein Rohr über den bestehenden Brunnenschacht gestülpt. Dieses Rohr hat einen Durchmesser von 1 000 Millimetern. Der bisherige, hölzerne Brunnenschachtaufbau wird herausgehoben. „Keine Chance auf einen Goldschatz, leider nein“, erklären Geyer und Frenkler. Aber letztlich sind beide da anders eingestellt: Für sie ist der Umgang mit dem „knappen Gut Wasser“ von mehr Wert als ein Goldschatz.

Umgang mit „knappem Gut Wasser“

Der Umgang mit der Ressource Wasser ist für beide entscheidend: Was sie heute beschließen und tun, hat Bedeutung in Jahrzehnten. Ist der Brunnenschacht bis in die geplante Tiefe vorgedrungen, was etwa anderthalb Wochen dauert, kann der Brunnenaufbau beginnen. Für den künftigen Brunnen werden Rohre mit einem Durchmesser von 400 Millimetern eingelassen.

Die etwa 200. 000 Euro teure Überbohrung an den beiden Standorten bedeutet für die Wasserversorgung Sulinger Land: Es bestehen bereits Wasserrechte – „und wir kennen die Wasserqualität“, erklären Frenkler und Geyer. Das Schutzgebiet um den Brunnen ist bereits eingerichtet – die Wasserqualität wird nach dem angeschlossenen Bau geprüft, bevor das Wasser wieder in die Leitungen zu den Kunden fließen kann.

Das ist auch ein Grund, warum die Arbeiten derzeit erfolgen – der Wasserbedarf ist im Winter geringer als im Sommer. Da kann auf die Förderkapazität zweier Brunnen für die Dauer der Arbeiten verzichtet werden. Der Kunde merkt nicht, dass aktuell nur zwei von vier Brunnen in Betrieb sind, denn: „Wir produzieren die gleiche Menge wie sonst im Winter.“

Vorbereitungen für ein Rohrelement, das aufgesetzt werden soll (der Mitarbeiter steht am Brunnenschacht).
Vorbereitungen für ein Rohrelement, das aufgesetzt werden soll (der Mitarbeiter steht am Brunnenschacht). © S. Wendt

Ziel ist, dass die Überbohrungen der Brunnen bis April abgeschlossen sind. Die Arbeiten bewegen sich derzeit an der Grenze des Leistbaren: Dauerregen, niedrige Temperaturen. Der Arbeitsplatz der drei Mitarbeiter der Fachfirma ist dem Wetter schutzlos ausgesetzt. Eingestellt würden die Bauarbeiten bei Frost und deutlichen Minusgraden. Der Bohrplatz verwandelt sich bei Dauerregen in ein schlammiges Areal. Auch wenn entsprechende Vorkehrungen zur Absicherung des Terrains getätigt worden seien, erklärt Andreas Geyer.

Wie lange mit den Brunnen 1 und 2 Wasser gefördert werden kann – das bleibe abzuwarten. Rein technisch könnte dieser neue Brunnenaufbau wiederum ein gutes halbes Jahrhundert durchhalten, prognostiziert Andreas Geyer.

Von Sylvia Wendt

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