Zeit zu verschenken

Besuchsdienst der Kirchengemeinde Varrel besteht seit fast zehn Jahren

Das Archivfoto zeigt die Mitglieder des Besuchsdienstes zu Beginn vor zehn Jahren. Am kommenden Sonntag werden die heutigen Mitglieder den Gottesdienst in Varrel mitgestalten.

Varrel/Wehrbleck - Von Sylvia Wendt. Wie macht ihr das? Das frage man sich in der Hannoverschen Landeskirche durchaus, denn der Besuchsdienst in der Kirchengemeinde Varrel scheint der zahlenmäßig größte landesweit zu sein. 27 Personen, 25 Damen und zwei „Prachtexemplare“ – so nennt Leiterin Gaby Schlamann die beiden Herren – besuchen alleinstehende Mitglieder in der Kirchengemeinde Varrel.

Dazu zählen die Gemeinden Varrel und Wehrbleck samt der Ortsteile. Wer einen Besuch gut vertragen könnte, weil er droht, zu vereinsamen, das stellen die Mitglieder des Besuchsdienstes fest – allen voran Thea Rohlfs aus Strange. Im Jahr 2007 hatte der damalige Kirchenvorstand die Idee „Besuchsdienst“ von einer Klausurtagung in Loccum mitgebracht. Zwei Jahre haben sich engagierte Bürger dann mit der Ausbildung rund um das Thema Besuchsdienst befasst – man wollte keine Fehler machen. Das scheint prima gelungen. Die Zahl der Mitglieder ist seitdem konstant hoch. Gerne aber dürfen sich weitere Herren anschließen. „Manche der alleinstehenden Männer, die besucht werden, mögen sich vielleicht lieber mal mit einem Mann unterhalten. Dann auch andere Themen ansprechen“, erklärt Gaby Schlamann. Die 55-Jährige ist Gründungsmitglied, einer der Motoren und leitet den Besuchsdienst. Es gilt, Ansprechpartner zu sein, zu vermitteln und bei möglichen Problemen schnell zu handeln. Besuchsdienst heißt: Wer mitmacht, besucht Personen, die in der Kirchengemeinde wohnen. Im Durchschnitt etwa zwei oder drei, einmal im Monat. 

Der Besuch solle weder dem Besucher noch dem Besuchten zuviel werden. Mitunter entwickle sich eine Bindung, eine Freundschaft und daraus resultieren mehr Treffen – aber nur in beiderseitigem Einverständnis. Meist dauern die Treffen eine Stunde, das sei aber ganz individuell, erklärt Gaby Schlamann. Denn: „Manchmal verqasselt man sich auch.“ Doch nicht immer reden die Besucher – oft genug hören sie einfach nur zu. Hinweise auf Bürger, die der Besuchsdienst noch nicht im Visier hat, können gerne an die Mitglieder gemeldet werden. Im Besuchsdienst aktiv sind Personen im Alter zwischen 50 und 80 Jahren – wer sich fit fühlt, um den einen oder anderen Besuch zu absolvieren, ist gern gesehen. Hat sich das Team zum Informationsaustausch anfangs noch monatlich getroffen, so sind Zusammenkünfte jetzt im Mai zum Spargelessen und im November zum Jahresabschluss ausreichend – dringliche Themen werden umgehend und in persönlichen Gesprächen geklärt.

Die Mitglieder des Besuchsdienstes übernehmen keine Aufgaben des Pflegedienstes, des Hospizvereins oder anderer Institutionen. Es gehe einzig darum, Gesellschaft zu leisten. Die Mitglieder des Besuchsdienstes verschenken Zeit – und „bekommen so viel zurück“, sagt Schlamann. Dankbarkeit, etwa, die mit Verschwiegenheit und Vertrauen zurückgezahlt wird.

Am Sonntag, 4. März, werden die Mitglieder des Besuchsdienstes den Gottesdienst in der Marienkirche in Varrel mitgestalten. Er beginnt um 10 Uhr, anschließend wird zum Kirchenkaffee geladen. Und Gottes Wort? Der Besuchsdienst sei zwar der Kirchengemeinde angeschlossen – aber geredet werde, wie der Mund gewachsen ist, sagt Schlamann.

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