Angelsportverein Kirchdorf: Neue Gewässerordnung, neue Kooperation

Von Aal bis Zander

Kapitale Karpfen hat Alfred Meyer einst gefangen.

Kirchdorf - Von Sylvia Wendt. Es gibt nichts Vernünftiges mehr zu fangen, moniert Alfred Meyer. Fotos belegen: Der Kirchdorfer hat schon kapitale Hechte an Land gezogen. Und Karpfen, 16 Kilo schwer, da hat man die ganze Verwandtschaft sattgekriegt von.

Mit Alfred Meyer, 91, Hannes Plate, 66, und Matthias Falldorf, 41, sitzen drei Mitglieder des Angelsportvereins Kirchdorf am Tisch. Meyer ist eines der Gründungsmitglieder des Vereins, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feiert. Falldorf ist der aktuelle Vorsitzende der Petri-Jünger. Wie sind sie zum Angeln gekommen? „Über den Opa“, sagen alle drei. Die jeweiligen Großväter haben ihre Angeln ausrangiert und den Enkeln die Kniffe beigebracht.

Mit Opa zum Angeln

Und die Geheimnisse, wo der Hecht gerne steht. Meyer wohnt so nahe an der Großen Aue, er könnte glatt eine Angel vom Haus aus werfen. Den 16-Kilo-Karpfen allerdings hat er gefangen, als er mit dem Tretboot unterwegs war. Der Karpfen habe ihn den Fluss rauf und runter gezogen, bis der Fisch müde war. „Wir haben auch heute noch Karpfen in unseren Gewässern“, sagt Falldorf. Und, an Meyer gewandt: „Es heißt ja nicht, dass keine drin sind, nur weil du keine fängst.“ Die Angler unter sich sind fröhlichen Schlagabtausch gewohnt.

Mal sehen, was auf dem Speiseplan landen könnte. Forelle? „Das dafür notwendige Gewässer haben wir nicht“, bedauert Falldorf. Lachs? Auch dafür ist das Gewässer nicht ausgelegt. Aale? Da gebe es ein Besetzprogramm, gefördert durch das Land Niedersachsen. „Wir haben im Juli vergangenen Jahres acht Kilo ausgesetzt, alle Aale zwischen fünf und sieben Gramm schwer.“ Barsch? Könne man nicht besetzen, der werde nicht gezüchtet, den gebe es nur als Wildfang. Zander? „Haben wir auch schon gefangen. Wir haben aber eigentlich Hechtgewässer“, erklärt Matthias Falldorf.

Kooperation

Die Angelsportvereine haben die Gewässer der Region in Sachen Zuständigkeit aufgeteilt, kümmern sich um die Qualität des Wassers – und seiner Bewohner. Die Kirchdorfer, Sulinger und Barenburger Vereine haben sich als Kooperation zusammengeschlossen, ermöglichen ihren Mitgliedern damit den Zugang auch zu den Gewässern der anderen Vereine. Die Beiträge der Kirchdorfer bleiben unverändert. Für die Barenburger und die Kirchdorfer bedeutet das ein neues interessantes Gewässer: den Sulinger Stadtsee.

Der Angelsportverein Kirchdorf hat jetzt auch eine Gewässerordnung festgelegt. Die bisher gültigen Vorgaben sind Jahrzehnte alt, heißt es. Man habe sich der Plattform „Hejfisch“ angeschlossen, um, unter anderem, Angelkarten auch online verkaufen zu können.

Gefordert war vom Verein als Grundlage eine Gewässerordnung. Die legt jetzt neue Mindestmaße fest, erklärt Falldorf – höhere: „Der Fisch soll länger im Gewässer bleiben können.“

Maße und Geräte

Mindestmaße, Schonzeiten, Entnahme, Entnahmeverbote, Fanggeräte, Fangbegrenzung, Fischereiaufsicht: Das alles ist ebenfalls in der schriftlich fixierten neuen Gewässerordnung festgehalten. Zum ersten Mal sei nun auch ein sogenanntes „Entnahmefenster“ festgelegt, für Zander und Hecht: Fische unter 50 Zentimeter und unter einem Meter sind zurückzusetzen. „Große Hechte ab einem Meter aber auch: Wir wollen sie für den Nachwuchs schützen. Im Niedersächsischen Tierschutzgesetz seien Mindestmaße vorgeben, eine Gewässerordnung, die die Angelvereine individuell festgelegen, könne die Vorgaben noch verschärfen.

Auch ein Alarmplan, sollte ein Gewässer verunreinigt werden, haben die Kirchdorfer ausgearbeitet. Es reiche schließlich schon ein Ölschaden an einem Fahrzeug, das über eine der Brücken fährt.

Alfred Meyer erinnert sich an ein Unglück von vor 30 Jahren, als Abwasser aus dem Klärwerk versehentlich abgelassen wurden. Das Gericht habe damals festgestellt: „Die Tiere hatten wenigstens einen schnellen Tod.“ Das lässt die Angler heute noch den Kopf schütteln.

Lehrgang in Hannover

Zwei der Mitglieder des Vereins haben sich bereit erklärt, einen Gewässerwart-Lehrgang zu besuchen. Der wird als Sonderurlaub anerkannt und umfasst eine einwöchige Intensivschulung. Die beiden Kirchdorfer werden in Hannover unterrichtet. Festgelegt ist auch, dass Gastangler maximal drei Ruten auslegen können. Die Mitglieder der Vereine, die an der Kooperation teilnehmen, unterliegen keiner Beschränkung. Gibt es Schwarzangler? „Ja, klar“, sagt Falldorf, zu oft werden diese aber leider nicht erwischt.“

50 Jahre Angelsportverein

Der Angelsportverein Kirchdorf feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Eingeladen sind Mitglieder und Gäste für den 18. April. Beginn ist um 19.30 Uhr im Gasthaus Koopmann. Die Feier werde in kleinem Rahmen gehalten, auf Stellwänden wolle man an die Stationen in der Vereinsgeschichte erinnern. Gegründet wurde er von Alfred Meyer, Hartmut Lübber, Heinrich Grimpo und Friedel Weber. Einst fanden gesellige Angeltermine an den Vereinsgewässern statt, wurden Hochseeangelfahrten durchgeführt. Bei den Angelterminen schaute Heinrich Koopmann gerne vorbei, hatte seinen R4 als „Marketenderwagen“ umfunktioniert: Getränke und Frikadellen dienten der Stärkung der Teilnehmer.

Die Feier am Samstag, 18. April, soll Gelegenheit geben, sich auszutauschen. Dann ist auch Zeit für Geschichten wie jene über die Wahl von Hechtködern, wo diese am besten im Wasser stehen und mehr „Angler-Latein“.

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