Vorbereitungen Freistatt laufen

Wohnungslosentreffen 2018: „Diese Menschen brauchen unsere Stimme“

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Bereiten das Treffen vor (von links): Dr. Stefan Schneider, Ilse Kramer, Jürgen Schneider, Uwe Eger und Frank Kruse. 

Freistatt - „Wohnungslosentreffen gab es in dieser Form noch nicht, genau das ist die Herausforderung – wir können auf keine Erfahrungen anderer zurückgreifen“, sagt Frank Kruse, Leiter der Wohnungslosenhilfe Bethel im Norden und Mitinitiator des Projekts. Er und seine Mitstreiter sammelten bei den Vorgängerveranstaltungen 2016 und 2017 eigene, für die Neuauflage vom 22. bis 29. Juli.

Jürgen Schneider, ebenfalls Organisator der ersten Stunde, ist langjähriger Aktivist in Sachen Wohnungslosigkeit, Gründer des Internet-Portals „Berber-Info“ und Motor des nationalen und internationalen Armutsnetzwerks. „Behinderte oder Kinder haben inzwischen eine Lobby. Wir nicht. Wir kämpfen um gesellschaftliche Anerkennung.“ Frank Kruse nennt es einen Skandal, dass die allgemeine Empörung den Wohnungslosen gilt und weniger den Gründen, die zur Armut im Lande führen: „Viele Menschen rutschen schuldlos in die Armutsfalle. 500.000 Wohnungen fehlen in Deutschland, das ist wie die ‚Reise nach Jerusalem‘“.

Die Hoffnung der Ideengeber ist, dass die Klientel über das Wohnungslosentreffen Strukturen aufbaut und langfristig selbst ihre Stimme erhebt. Dr. Stefan Schneider, Koordinator des Projekts, unterstreicht die angestrebte Nachhaltigkeit des Treffens. Es habe einen Freizeitcharakter, vor allem aber klar definierte politisch-gesellschaftliche Ziele. Man habe für die Woche ein Programm aufgestellt, planen lasse sich der Ablauf allerdings nur bedingt. Gezeigt habe sich in den vergangenen zwei Jahren, dass die Teilnehmer erstaunliche Kompetenzen in unterschiedlichen Bereichen mitbringen.

Werbetour durch Deutschland

Er sei in den letzten Wochen durch Deutschland „getingelt“, um Werbung für das Treffen zu machen, sagt Uwe Eger, Teilnehmer seit 2016. Sein Versuch, Wohnungslose zur Teilnahme zu bewegen, war jedoch mäßig erfolgreich. „Ich weiß aus eigener Erfahrung: Es ist schwer, sich zu motivieren, wenn man ganz unten ist. Aber genau diese Menschen brauchen unsere Stimme“, betont Eger. Ilse Kramer (Köln), Sprecherin der Frauengruppe, ergänzt: „Im Wohnungslosencamp ergeben sich wichtige Kontakte. Und man erfährt, dass man nicht allein ist mit seinen Problemen.“

Im vergangenen Jahr zählte das Camp 123 Teilnehmer, damit war das Limit erreicht. Die Anmeldung erfolgt online über die Beratungsstellen, die Finanzierung von Unterkunft, Verpflegung und Fahrtgeld ist dank der Zuschüsse der „Aktion Mensch“, des Diakonischen Werks Niedersachsen und der Stiftung Bethel gesichert. Zum Helfer-Team, das während der Woche im Einsatz ist, gehören rund 30 Personen.

Kompetenzen der Camp-Teilnehmer zu fördern und ihnen zu assistieren, ohne ihnen Ziele vorzugeben – ein schmaler Grat, den beide Seiten noch definieren wollen. Rückenwind erhalten die Organisatoren von Uwe Eger: „Ich bin begeistert und dankbar über das Angebot. Noch brauchen wir euch und irgendwann werden wir das Ruder übernehmen.“

Die bisherigen Aktivitäten sind in der Gesellschaft angekommen. Dr. Stefan Schneider: „Die Landesregierung hat großes Interesse an dem Projekt und das Thema Wohnungslosigkeit wird verstärkt in den politischen Gremien diskutiert.“

mks

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