Abschied von Pastor Herzer

Impulse für Freistatt

Pastor Michael Herzer, hier mit dem jüngsten seiner Kinder, bei der Verabschiedung.
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Pastor Michael Herzer, hier mit dem jüngsten seiner Kinder, bei der Verabschiedung.

Freistatt - „Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im Stehen“: Udo Nedelka und seine Gitarre sorgten am Dienstagnachmittag dafür, dass der Abschiedsgottesdienst für Pastor Michael Herzer aus der Kirchengemeinde Freistatt noch ein wenig sentimental wurde.

Herzer hatte selbst den Kurs gleich zu Beginn gesetzt: Mancher habe angesichts der Einladung gedacht, es handele sich um einen Beerdigungsgottesdienst. Nein, ganz vital verabschiede er sich aus Freistatt, sagte Herzer. Lacher gab es auch, als er nach einem „Gleichnis aus der Küche“ (es bedarf mitunter erheblicher Portion Ketchup, damit die selbst gemachten Kürbis-Ravioli auch Kindern munden) fragte, was gefehlt habe bei den Gottesdiensten in den vergangenen elf Jahren, dass der Einladung zum Gottesdienst nicht so viele gefolgt waren, wie jetzt zur Verabschiedung?

Mit einem Quiz erinnerte Herzer an bekannte Bürger der Gemeinde – und gestand, dass die Männergruppe der „Village People“ ihn an die Bereichsleiter von Bethel im Norden erinnert hätten. Claus Freye überreichte er den Feder-Kopfschmuck und Frank Kruse ein paar Handschellen: Herzer nutzte diesen letzten Gottesdienst in seiner Freistätter Gemeinde, um zu zeigen, welche Freiheiten ein Pastor hier hat. Derweil fühlen sich die drei jungen Kinder wohl genug mit den Eltern in der Moorkirche, um diese zu erkunden.

Freistatt ist „Heimat für Heimatlose“

Da wird Eberhard Brünger ein Besuch an der Orgel abgestattet, Udo Nedelkas Gitarrenspiel genau inspiziert und manchem Besucher ganz unbefangen was erzählt. Oder die Schuhe ausgezogen, oder mit Papas Klarsichthülle gespielt: Die Gemeinde nimmt teil an Pastor Michael Herzer, dem Familienvater, der er auch ist. „Freistatt oh Freistatt, du liegst so schön im Moor. Die anderen, die seh’n hier Sumpf, mir kommst du herrlich vor.“ So lautet die eigens getextete Liedzeile, die die Verbundenheit der Familie mit der Kommune belegt – und die sie zum Abschluss mit der Gemeinde teilt.

Neben aller Fröhlichkeit vergaß Herzer nicht die eigentliche Losung von Bethel im Norden als „Heimat für Heimatlose“, erinnerte an ernste Themen, wie Inklusion, Migration und Integration. 

Naturalien überreichten Pastor Christian Sundermann (links) und Frank Kruse (Mitte). 

Herzer bemängelt, dass es keine Gedenkkultur gebe für diejenigen engagierten und freiheitsliebenden Menschen, die unter dem DDR-Regime Unrecht erlitten hätten. Für die Geschäftsführung verabschiedete Pastor Christian Sundermann den Kollegen, bescheinigte ihm gute Ideen, gute Predigten. Herzer habe kulturelle Impulse gesetzt, viele Kontakte im Kirchenkreis. Bethel im Norden danke für die Geduld und die Ausdauer, die ein Pastor in Freistatt mitbringen müsse: „Wir hätten Sie hier gerne behalten.“ Geschenke: Sundermann kündigte Naturalien an. „Oh nein, ein Schaf?“ geriet Herzer kurz in Panik, wie er das nach Coburg hätte importieren sollen. Doch Frank Kruse hatte aus der ortseigenen Schlachterei Wurstwaren mitgebracht. „Auf Wiedersehen, hab’ Dank für die Zeit“ bleibt aus dem Lied, mit dem Reinhard Mey sonst seine Konzertbesucher erfreut.

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