„Winter adé“ beim Speichersonntag

Auskehr mit neuen Reisigbesen

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Beatrix Thannhäuser arbeitet mit biegsamen Weidenästen.

Barenburg - Wilhelm ist Dauergast im Barenburger Gefängnis. Er trinkt ständig viel zuviel „Fleckenwasser“ und das bringt den Alkoholiker immer an seinen Stammplatz im alten „Spritzenhaus“, Gattin Wilhelmina residiert derweil im Spitzboden des historischen Speichers... Mit frisch gebundenen Reisigbesen fegte der Verschönerungs- und Heimatverein Barenburg am Sonntag den Winter vor die Tür.

Der Frühling ist indes noch nicht eingekehrt und so kann man etliche Stunden am Tag noch zu handwerklichen Arbeiten im Haus nutzen. Die versierten Besenbinder Peter Radtke, Günter Leymann und Albert Düvel bändigen die Reisig-Äste, erklären zwischendurch, warum sie was machen. Derweil ist Vorsitzender Rolf Imkenberg in Verkaufsgespräche vertieft, denn die fertigen Exemplare sind rege nachgefragt.

Dass Claudia Rethorn und Beatrix Thannhäuser ins Schwitzen geraten, liegt daran, dass der Speicher gut geheizt ist – und sie Weide in Form bringen. Aus den gut 1,50 Meter langen geraden Ästen sollen Naturbälle werden. Kabelbinder, die man wieder lösen kann, halten die ersten Äste in Form, die weiteren werden eingearbeitet, bis alles von allein hält. So der Plan. Bis Ende Februar könne man noch Weidenäste schneiden, um daraus Naturkunstwerke zu produzieren, sagt Thannhäuser.

Im Obergeschoss sind elf Torten und Kuchen angeschnitten, Dampf steigt über den Kaffeemaschinen auf und lockt an die Tische.

Im Spitzboden schaukelt derweil nicht nur Oma Wilhelmine im Stuhl. Sie sitzt zwischen den Strickerinnen, die Handschuhe, Socken und Pulswärmer in kunstvollen Mustern erstellen. Und für nur wenig Geld verkaufen. Nebenan zeigen Brigitte Sittnick und Ariane Meyer, was man mit alten Zeitungen machen kann: Röllchen werden gedreht und so kunstvoll um Flaschen geflochten, dass wunderschöne Kunstwerke entstehen, etwa Lampenschirme und Türkränze.

In die Saison startet auch die Webstube im alten Spritzenhaus. Durchschüsse an den Webstuhlschwergewichten im Erdgeschoss meistern Ingrid Zumaya und Ulrike Sachs. In der Spinnstube im Obergeschoss entstehen Teppiche an kleineren Webstühlen, es wird gesponnen, bollert der Ofen. Mancher interessiert sich auch für die vielen Spinnräder, die ausgestellt werden – nicht alle funktionstüchtig, dem Verschönerungs- und Heimatverein fehlt da ein Kenner der Materie. Die Webstube ist bis Ende März montags, außer am 8. Februar, von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Auch Gruppen können sich anmelden, für einen Besuch bei den Barenburger Weberinnen und Spinnerinnen (Tel. 04273/1043, Christa Habelmann). Wer das erste Mal ins alte Spritzenhaus der Gemeinde kommt, entdeckt unweigerlich die historische Gefängnisecke, in der „Wilhelm“ seinen Rausch ausschläft.

Der nächste Speichersonntag ist für den 5. Juni geplant. Los geht es dann schon um 10 Uhr, denn es wird zum Flohmarkt rund um den Speicher im Flecken eingeladen.

sis

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