Wilhelm Köster und seine ungezählten Ausstellungsstücke zum Malerhandwerk

Ein Erfolgsmuseum

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Wilhelm Köster, Initiator des Wehrblecker Malermuseums.

Wehrbleck - Früher gab es hängende Lampen mit Steckdosen drin. Hausfrau hat das Bügeleisen eingestöpselt, das Kabel reichte gerade so an den Tisch, deshalb wurde die Lampe hin und her gezogen. Doof, wenn der Hausherr gerade Zeitung lesen wollte und dafür „ruhiges Licht“ haben wollte. Eine solche Lampe ist eines der „Trillionen Ausstellungsstücke“ im Malermuseum in Wehrbleck. Das feiert sein zehnjähriges Bestehen.

Hätten manche Kollegen von Wilhelm Köster nicht gedacht. Doch der ehemalige Oberinnungsmeister der Maler und Lackierer ist, damals auch ohne mobiles Telefon und „soziale Medien“, bestens verknüpft. Schon Vater Wilhelm Köster sen. ist Maler und der Junior lernt das Handwerk zu einer Zeit, wo sich viele Dinge ändern in Sachen Farben und Lacke. Das hat den Blick geschärft für jene Dinge, die nun in immer kleiner werdenden Räumen auf dem Hof Witte zusammenfinden. War ein Großteil zur Eröffnung im Jahr 2005 noch beschriftet, sind die Schilder fast gänzlich verschwunden – so kommen Museumsdirektor Wilhelm Köster und seine Gäste immer schnell ins Gespräch. Zum Beispiel über diese Lampe mit der Steckdose. Eine 50-köpfige Hausfrauengruppe aus dem Emsland schwelgte darob neulich in Erinnerungen und hat sich, köstlich amüsiert, nach Stunden auf den Heimweg gemacht.

Dass Wilhelm Köster mit dem Malermuseum einen Nerv treffen würde – nein, klar war ihm das auch nicht. Aber die alten Malerschätze, die sich angesammelt hatten, einfach so entsorgen? Nein, zu schade. Die Museumsidee wird realisiert, auch dank der Unterstützung der Familie Witte und der Gemeinde – und vieler Malerkollegen. Ruheständler lösen ihre Werkstätten bei Köster auf. Manches Exponat, da ist Köster ganz Sammler, ersteigert er auch online.

Die Kunde vom Malermuseum und seinem vor Geschichten sprudelnden Leiter mit dem markanten grauen Bart macht die Runde. Die Kollegen vom offiziellen Deutschen Malermuseum in Hamburg werden beim Ortsbesuch ein wenig Ocker und Resedagrün im Gesicht, denn was Köster in Wehrbleck geschaffen hat, ist deutlich mehr, als sie es in der Hansestadt zeigen können. Aber nein, statt Neid tauschen sich die Handwerker „unner sück“ aus. Mundpropaganda funktioniert auch heute noch. Über 25000 Besucher hat Wilhelm Köster bereits im Malermuseum begrüßt – und zur Feier dürfen es gerne zig mehr werden. Für Samstag, 5. September, sind für 11 bis 14 Uhr offizielle Gäste eingeladen, von 14 bis 18 Uhr ist jeder Interessierte herzlich willkommen. Am Sonntag, 6. September, ist, wie jeden Sonntag, von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Das Herzblut, dass Wilhelm Köster in das Projekt Malermuseum gesteckt hat, spricht aus jeder Geschichte, die er zu den Exponaten erzählen kann. Und die alten Malerkämpen rücken mit ihrem Geschichten und Anekdoten raus. Ein ehemaliger Malermeister aus Lohne entdeckt Gänsekiel-Pinsel aus einer ehemaligen Lohner Pinselfabrik in Wehrbleck. Und schon sprudeln die Geschichten, dass die Leiterin des Industriemuseums in Lohne nur staunen kann. Weder Geschichten noch die Exponate waren ihr bisher bekannt. „Wir würden gerne die Zusammenarbeit intensivieren“, sagt Köster mit Blick auf die nächsten zehn Jahre.

Hätte er einen Wunsch frei, dann... „...dann hätte ich gerne mehr Platz, um noch mehr Exponate zu zeigen.“ So muss Köster immer wieder austauschen, um die Ausstellung interessant zu halten.

Auch künftig soll es Sonderausstellungen geben. Themen und Termine stehen noch nicht fest. Aber Ideen. Und Köster hofft auf mehr Zeit ab März 2016. Dann ist er pensioniert.

sis

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